Post reagiert auf Proteste
Einige Briefkästen sind wieder da

Manch Briefeschreiber suchte dieser Tage vergeblich seinen Briefkasten um die Ecke. Über Nacht war er abgebaut worden. Jetzt sollte der Briefeschreiber noch einmal nachsehen, denn wenn er Glück hat, ist der postgelbe Kasten wieder an seinem Platz.

HB/dpa BONN. Nach Protesten ihrer Kundschaft hat die Deutsche Post inzwischen einige der seit Wochenbeginn abmontierten und zuvor als unrentabel bezeichneten Briefkästen wieder aufgehängt.

"Einzelne Kunden haben sich beschwert, dass sie den angestammten Briefkasten vermissen", sagte ein Post-Sprecher am Freitag in Bonn und bezog sich damit auf Anfragen aus Altenheimen. Nach entsprechenden Prüfungen seien Kästen umgehend wieder aufgehängt worden. Genaue Zahlen nannte der Sprecher nicht und sprach von "Einzelfällen". Es werde geprüft, "wo sehr eifrig nur nach der Auslastung der Briefkästen vorgegangen worden ist". Vor allem vor Krankenhäusern und Seniorenheimen sei die Post auch bereit, in der Regel schlecht ausgelastete Briefkästen zu behalten.

Bundesweit hatte der Konzern rund 140 000 Briefkästen. Auch künftig werde es mehr als 100 000 Briefkästen geben, hatte das Unternehmen mit seiner Aktion angekündigt. Nach der Umstrukturierung werde es im Schnitt im Radius von 500 Metern einen Briefkasten geben. Die gesetzliche Vorgabe sieht eine Distanz von maximal 1000 Meter vor. Der Verbraucher muss jetzt weitere Wege zum nächsten Briefkasten zurücklegen, in Köln und Berlin so um die 30 Meter im Durchschnitt.

Von der Maßnahme sind bundesweit 9000 Kommunen betroffen. Vor allem die geringe Kundennachfrage, die Qualitätsvorgaben des Gesetzgebers und die Kosten nannte die Post als Gründe für ihren Schritt. Nur noch 20 % der Briefe, die die Post transportiert, erreichen den Logistikkonzern über Einwurf in einen Briefkasten, wie der Sprecher erläuterte.

"Katastrophal" sei die Informationspolitik der Post, sagte Manfred Herresthal, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verbandes für Post und Telekommunikation (DVPT). Die Kunden hätten kein Verständnis dafür, dass ihnen nicht erklärt werde, dass dieser oder jener Briefkasten aus wirtschaftlicher Zwängen wegfalle. Warum könne die Post nicht in der Lokalpresse eine Liste mit den wegfallenden Briefkästen veröffentlichen und zugleich auflisten, wo der Kunden den nächsten finde, kritisierte er.

Nach dem Verzicht auf das dichte Postkasten-Netz müssen sich die Verbraucher auch auf weniger Postfilialen einstellen. Bis Ende 2004 will der Monopolist rund 700 Filialen definitiv schließen und auch den Stellenabbau fortsetzen. Überzählige Agenturen würden abgebaut, erläuterte der Post-Sprecher. Auch dabei würden die gesetzlichen Vorgaben und auch die Auslastung in Betracht gezogen. Solange die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, bestehe keine Chance, dagegen vorzugehen, sagte Herresthal.

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