Post- und Logistikkonzern aus Holland hat keine Angst vor dem deutschen Konkurrenten
Niederländische Post Groep greift nach den Pfründen der Deutschen Post

Die Deutsche Post bekommt durch die niederländische TNT Post Groep ernst zu nehmende Konkurrenz. Die Niederländer wollen in Deutschland in das lukrative Briefgeschäft einsteigen und auch in die Logistik investieren. Dabei sieht sich TPG im Vorteil: Die Post müsse zunächst ihre zahllosen Übernahmen verdauen.

DÜSSELDORF. Der niederländische Brief- und Logistikkonzern TNT Post Groep (TPG) will der Deutschen Post in Deutschland Paroli bieten. "Wir werden in das Briefgeschäft einsteigen und dazu ein eigenes Netzwerk in Deutschland aufbauen," sagt Eckard Gatzke, Vorsitzender der Geschäftsführung der TNT Holdings (Deutschland) GmbH, Troisdorf, dem Handelsblatt. Die TPG ist 1996/97 aus der niederländischen PTT Post und der australischen Logistik-Gruppe TNT hervorgegangen.

Überall dort mit Briefen aktiv, "wo wir dürfen"

Auf dem deutschen Briefmarkt aktiv sei TNT bereits in "Übungsgebieten" -"dort, wo wir dürfen", so Gatzke, etwa bei der Zustellung von Werbemitteln und Katalogen in den neuen Bundesländern oder im nördlichen Bayern. "Wir warten noch auf das Signal für ein Auslaufen des Briefmonopols, um dann innerhalb von wenigen Wochen richtig loszulegen." Gatzke rechnet mit Investitionen von "ein paar 100 Mill. DM" für den Aufbau einer Brief-Infrastruktur. Auch wenn das Porto für einen Standardbrief im Zuge der Liberalisierung auf 0,70 DM sinke, lasse sich noch eine zweistellige Rendite erzielen. Davon ist Gatzke überzeugt. Er rechnet mit einem TNT-Briefumsatz "jenseits einer Mrd. DM." Das Marktvolumen liegt bei 20 Mrd. DM. Die Post kommt noch auf einen Marktanteil von 98 %. Gatzke räumt ein, dass sich TNT auf den lukrativeren geschäftlichen Briefverkehr konzentrieren will und nicht die privaten Haushalte im Visier habe.

Den Börsengang des gelben Riesen beurteilt Gatzke grundsätzlich positiv. Dies verbessere die Chancengleichheit, da Transparenz entstehe. Zur Erinnerung: TPG war die erste Postgesellschaft, die sich an die Börse gewagt hat.

Post-Übernahmen eröffnen Spielräume für die Konkurrenz

"Aus der Schneckenpost ist ein Tausendfüßler geworden, der seine Füße aber noch ausrichten muss," gibt sich Gatzke gelassen. Die Post sei im Moment wegen der Integration der zahllosen Übernahmen so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass der Konkurrenz Spielräume entstünden. Diese Chance werde TNT nutzen. Die Integration von Air Express, DHL & Co werde mindestens zwei bis drei Jahre dauern.

Gatzke spricht aus eigener Erfahrung. Im Zuge der Übernahme durch die holländische Post und die Zusammenführung bisher getrennter Geschäftsbereiche in Deutschland verließen 1997/98 über 100 Führungskräfte die TNT, zumeist in Richtung Post. Seit Mitte 1999 herrsche aber Ruhe, betont Gatzke, der im vergangenen Jahr zu TNT kam.

Zahl der Niederlassungen wird reduziert

Der Umbau der TNT ist noch nicht abgeschlossen: Alte Niederlassungen werden aufgelöst und durch neue ersetzt. Hat es vor der Integration noch 54 Standorte gegeben, sind es heute 35. Optimal seien 30, meint der TNT-Chef. Die Post zählt über 30 Postverteilzentren. US-Konkurrent UPS hat 70 Filialen in Deutschland. Der Personalstamm sei aber mit 4 300 Mitarbeitern stabil geblieben, betonte Gatzke.

Marktanteil von 70 % bei Nachtzustellungen

"Allein in die beiden neuen Hauptumschlagszentren (Hub) in Nürnberg und Wiesbaden stecken wir 110 Mill. DM," sagte Gatzke. Insgesamt habe TNT in Deutschland in den vergangenen 18 Monaten 300 Mill. DM investiert.

Stark ausbauen will TNT die Logistiksparte. Gatzke kündigte für 2001 eine Übernahme im Bereich von 200 bis 400 Mill. DM Umsatz an. Wachsen will Gatzke dabei in der profitablen Nische, etwa den Bereichen Life Science oder Elektronik. Eine starke Position habe TNT bereits als Logistikpartner der Autoindustrie. Profilieren will sich das Unternehmen zudem mit Mehrwertdiensten, etwa dem Aufstellen von Elektrogeräten oder Reparaturdiensten. Bei Nachtzustellungen hat die Gruppe bereits einen Marktanteil von über 70 %.

Im Jahr 2000 rechnet TNT mit einem zweistelligen Umsatzplus "aus eigener Kraft" auf über 1,6 Mrd. DM. Auf den Nachtbereich entfallen 400 Mill. DM. Mit den größten fünf der insgesamt 250 000 Kunden, darunter Siemens, General Motors und Compaq, macht TNT einen Umsatz von 100 Mill. DM. Im Fuhrpark stehen 1 600 Lkws. In der Luft hat TNT über 40 Flugzeuge. Die Umsatzrendite werde deutlich über dem Branchendurchschnitt von 2 bis 3 % liegen, sagt Gatzke. "Wir verdienen Geld in Deutschland."

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