Postliberalisierung kostet Monopolisten kaum Marktanteile: Privaten Brief-Zustellern bleibt nur die Nische

Postliberalisierung kostet Monopolisten kaum Marktanteile
Privaten Brief-Zustellern bleibt nur die Nische

Die Öffnung der europäischen Briefmärkte kommt voran. Jährliche Wachstumsraten von 2 bis 3 % im Briefgeschäft locken immer mehr private Anbieter auf die Postmärkte. Neue Arbeitsplätze und ein besseres Angebot für die Post-Kunden könnten die Folge sein. Dies meint zumindest die EU-Kommission in einer Zwischenbilanz über die Liberalisierung der Postmärkte in Europa. Der Markt ist gigantisch. Immerhin werden in der EU jährlich 115 Mrd. Briefe verschickt. Auf 50 bis 55 Mrd. Euro schätzt die EU die Einnahmen.

DÜSSELDORF. Doch Skepsis ist angebracht: Die Bonner Regulierungsbehörde, die in Deutschland Wettbewerb auf dem Postmarkt herstellen soll, erwartet während der Geltungsdauer des Briefmonopols kaum Wachstum der Wettbewerber der Deutschen Post. Dass in Deutschland die Gewichtsgrenzen im Briefmonopol 2003 gesenkt wurden, öffne den Markt nur um 3 bis 4 %, sagte ein Sprecher der Behörde. Weit mehr als zwei Drittel aller Briefe wiegen weniger als 50 Gramm. Dieser Bereich, in dem das große Geschäft gemacht wird, bleibt Wettbewerbern bis 2007 verschlossen.

Und auch für die Zeit nach einer vollständigen Freigabe bleibt die Behörde skeptisch. Erfahrungen in Ländern wie Schweden, in denen der Briefmarkt bereits vollständig freigegeben ist, zeigen nach Auffassung der Behörde, dass Ex-Monopolisten den Markt weiterhin beherrschen. Letztlich würden sich daher nur die großen Postkonzerne - allesamt Staatsunternehmen - um die großen Stücke in der EU streiten, meint auch Logistikexperte Horst Manner-Romberg. Für die privaten Anbieter bleiben da oft nur Nischengeschäfte.

Obwohl in Deutschland seit 1998 rund 25 % des Briefmarktes für den Wettbewerb geöffnet sind, haben die über 1 255 privaten Lizenzinhaber erst einen Anteil von knapp 10 % dieses offenen Marktsegments erreicht. Das entspricht etwa einem Anteil von 3,2 % am gesamten Briefmarkt von 10,4 Mrd. Euro. In Schweden, wo der Briefmarkt seit 1993 offen ist, kommen heute 50 Konkurrenten der Sweden Post auf einen Marktanteil von nur 5 %. In acht EU-Staaten halten die Postkonzerne in den freigegebenen Briefbereichen einen Marktanteil von 83 %, bestätigt der Hamburger Unternehmensberater Manner-Romberg. Auch in Zukunft werden die Postkonzerne Schätzungen zufolge selbst bei Briefen über 50 Gramm 80 bis 90 % ihres bisherigen Volumens verteidigen können.

Die EU-Kommission meldet indessen Fortschritte: Seit dem 1. Januar ist die Zustellung von Briefen über 100 Gramm für den Wettbewerb freigegeben. Bislang lag die Grenze bei 350 Gramm. Ausnahmen gab es bereits in Dänemark (250 Gramm), Deutschland (200), den Niederlanden (100) sowie in Finnland und Schweden (keine Gewichtsbegrenzung).

Im Januar 2006 folgt der nächste Schritt: Die Freigabe der Zustellung von Briefen mit einem Gewicht von über 50 Gramm. Doch dann wird der Fahrplan ungenau. Zwar soll die Liberalisierung des Binnenmarktes für Postdienste im Jahr 2009 abgeschlossen werden, doch entschieden ist noch nichts. Die Bremser in der EU haben also noch eine Chance, die Liberalisierung weiter zu verzögern.

Vor allzu großen Erwartungen müsse gewarnt werden, räumt auch die EU-Kommission ein. Die Dominanz der großen Postkonzerne ist weiter ungebrochen. Die größten vier Gesellschaften, Deutsche Post, französische La Poste, die britische Royal Mail sowie die niederländische TPG erzielen 80 % der Einkünfte aller EU-Briefdienstleister.

Die Ratingagentur Standard & Poor?s (S & P) bescheinigt den Postriesen auch mittelfristig eine hohe Kreditwürdigkeit. Begründung: Die langsame Liberalisierung und hohe Barrieren für den Markteintritt neuer Wettbewerber, denen beispielsweise ein Filialnetz fehlt. Der vergleichsweise lange Zeitraum bis zu einer vollen Liberalisierung bietet den Marktführern nach Auffassung der Ratingagentur die Chance, sich für den Wettbewerb in aller Ruhe zu rüsten.

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