Postsack in Litauen betroffen
Erstmals Milzbrand-Spuren in Europa entdeckt

Vier Wochen nach Bekanntwerden der ersten Milzbrand-Erkrankung in den USA sind die gefährlichen Erreger erstmals in Europa aufgetaucht. Ein Labor in Litauen bestätigte am Donnerstag, dass Milzbrand-Sporen an mindestens einem Postsack der US-Botschaft in Vilnius nachgewiesen wurden.

ap VILNIUS/WASHINGTON. Erreger wurde auch in den US-Staaten Missouri und Indiana gefunden, hunderte Kilometer von den bisherigen Schauplätzen entfernt. Bei der Suche nach den Tätern tappten die Ermittler nach Angaben von Justizminister John Ashcroft weiter im Dunkeln.

Die Laborleiterin der Gesundheitsbehörde in Vilnius, Kazimiera Rutiene, sagte, chemische Analysen hätten das Vorhandensein von Anthrax-Erregern in mindestens einem von fünf Postsäcken belegt. Mäuse, denen die verdächtige Substanz am Mittwoch injiziert wurde, seien am Donnerstagmorgen gestorben, sagte Rutiene weiter. Die Postsäcke kamen laut Botschaftsangaben aus dem US-Außenministerium in Washington und wurden in Vilnius routinemäßig untersucht. Die Befunde der anderen vier Postsäcke wurden am morgigen Freitag erwartet.

Erste Untersuchungen ergaben Hinweise auf Milzbrand-Erreger an zwei von fünf Postsäcken, wie der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, mitteilte. Ein Vertreter der litauischen Sicherheitsbehörden sprach von einer erschreckenden Nachricht. Dies zeige, dass kein Ort auf der Erde vor der Bedrohung durch Bioterrorismus sicher sei, sagte Arvydas Pocius.

Spuren von Milzbrand-Erregern wurden auch in Missouri und Indiana entdeckt, hunderte Kilometer von den bisherigen Schauplätzen der Anschläge entfernt. In Kansas-City wurden bei Tests Anzeichen von Milzbrand-Sporen in einem Postamt gefunden. Abschließende Untersuchungen standen am Donnerstag noch aus. In Indianapolis wurden Anthrax-Sporen an Geräten gefunden, die aus einem Postverteilzentrum in Trenton im Staat New Jersey verschickt worden waren.

Ermittler schlossen nicht aus, dass Briefe mit den gefährlichen Anthrax-Sporen andere Postsendungen verseuchen können. Wissenschaftler hatten eine solche "Kreuz-Kontaminierung" bislang für äußerst unwahrscheinlich gehalten. Ashcroft sagte in Washington, er habe keine Fortschritte zu vermelden.

Am Mittwoch hatten die Anschläge mit Milzbrand-Erregern ein viertes Todesopfer gefordert. In New York starb eine 61-jährige Krankenhausangestellte an Lungen-Milzbrand. Im Gegensatz zu den bisherigen Opfern arbeitete sie weder bei der Post noch bei Medien oder Regierungsbehörden. In New Jersey war am Mittwoch ein 51 Jahre alter Wirtschaftsprüfer an Haut-Milzbrand erkrankt.

Aus Angst vor einer Infektion ordneten die Behörden in New Jersey an, dass alle 1 300 Beschäftigte an Autobahn-Mautstellen vorsorglich Gummihandschuhe anziehen müssen, wenn sie die Münzen einsammeln.

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