"Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft"
Schröder will Wirtschaftskontakte mit Indien ausbauen

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat bei seinem ersten Besuch in Indien die Bedeutung des Landes für die deutsche Wirtschaft hervorgehoben. Das Potenzial für die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Handel, in der industriellen Kooperation und auch bei Dienstleistungen sei "bei weitem noch nicht ausgeschöpft", sagte Schröder am Montag bei der Eröffnung eines deutsch-indischen Wirtschaftsforums in Neu Delhi.

afp NEU DELHI. Gerade auf dem IT-Sektor böten sich neue Chancen für die Zusammenarbeit. Schröder, der von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation begleitet wird, will am Dienstag auch die indische IT-Hochburg Bangalore besuchen. Trotz der veränderten politischen Lage nach den Anschlägen vom 11. September stehe nach wie vor die Verstärkung des wirtschaftlichen Austausches im Mittelpunkt seiner Reise.

Schröder betonte mit Blick auf die Anschläge, neben der Außen- und Sicherheitspolitik müssten auch Kultur, Wirtschaft und die verschiedenen Glaubensgemeinschaften ihre Beiträge zur Bekämpfung des Terrorismus leisten. Der Terrorismus sollte die gesamte Weltwirtschaft treffen, Investoren und Aktionäre verunsichern.

Deshalb sei es in aller Interesse, "dass der Terrorismus nicht siegen darf und wird". Um Ängste und Verunsicherung bei Verbrauchern und Investoren abzubauen, sei es noch wichtiger, dass bei der nächsten Welthandelskonferenz in Doha "zu echten Fortschritten bei der umfassenden Gestaltung des freien Welthandels kommen". Die nächste WTO-Runde, die am 9. November im Emirat Katar beginnt, müsse um die soziale Komponente und den Schutz der Umwelt erweitert werden.

Mit Blick auf die Sorge Indiens und anderer Länder, dass die Europäer damit einen neuen Schutzwall der Industrieländer errichten könnten, sagte Schröder, Deutschland werde solchen protektionistischen Tendenzen auch künftig entgegentreten. Mit Blick auf die bislang über 2000 indischen IT-Fachleute, die mit einer Greencard in Deutschland arbeiten, betonte der Kanzler, dabei gehe es nicht um das Abwerben von Menschen, sondern um einen "Zuwachs an Internationalität, den wir brauchen". Der rechtliche Rahmen für die Greencard werde noch verbessert.

Schröder nannte als Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit ein Joint Venture im Versicherungsbereich, das die Allianz am Vorabend mit einem indischen Partner besiegelt hatte. Der deutsche Konzern und die indische Bajaj-Gruppe brachten zwei gemeinsame Versicherungsgesellschaften auf den Weg, an denen die Allianz zu 26 Prozent beteiligt ist. Bajaj produziert motorisierte Zwei- und Dreiräder und zählt zu den fünf größten indischen Unternehmen. Der indische Versicherungsmarkt war lange für ausländische Investoren geschlossen. Siemens-Chef Heinrich von Pierer sagte, die Reise des Kanzlers nach Indien und anschließend nach China sei ein klares Zeichen für die Bereitschaft der Bundesregierung, für die deutsch-indische Zusammenarbeit zu werben.

Schröder traf am Mittag (Ortszeit) mit dem indischen Präsidenten Kocheril Raman Narayanan zusammen. Anschließent wollte er mit indischen Studenten über die Zusammenarbeit mit Deutschland in Wissenschaft und Bildung diskutieren. Am Vormittag hatte Schröder nach der Begrüßung durch Premierminister Atal Behari Vajpayee bereits betont, dass künftig möglichst jährliche Treffen mit dem indischen Regierungschef stattfinden sollten. Als letzter deutscher Regierungschef besuchte der damalige Kanzler Helmut Kohl (CDU) 1993 das Land.

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