Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft
Markt für Tiefkühlkost weiter auf Expansionskurs

Tiefkühlprodukte werden in Deutschland immer beliebter. Die Nachfrage nach Gefrierkost ist in den letzten Jahren deutlich angezogen und nach Einschätzung von Branchenexperten weiter auf Expansionskurs.

Reuters BERLIN. "Tiefkühlkost ist derzeit einer der wachstumsstärksten Bereiche der Ernährungswirtschaft", sagte Manfred Sassen, Geschäftsführer des Deutsches Tiefkühlinstituts der Nachrichtenagentur Reuters. 2001 stieg der Pro-Kopf-Verbrauch (ohne Speiseeis) nach Angaben des Instituts um 1,5 auf 34,3 Kilogramm zum Vorjahr. Der Umsatz der Branche wuchs zugleich um 7 % auf 8,82 Mrd. Euro. Binnen fünf Jahren konnte die Tiefkühlsparte damit ihre Produktion um 36 % auf gut 2,8 Mill. Tonnen steigern - ein Zuwachs, der im hart umkämpften Lebensmittelmarkt fast konkurrenzlos ist. Wachstumspotenzial noch lange nicht ausgeschöpft

Trotz der starken Expansion der letzten Jahre sehen Branchenkenner das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. "Für Tiefkühlkost gibt es nach wie vor sehr, sehr gute Wachstumsaussichten", sagt Klaus Knietzsch von der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg Reuters. "Sicher sind in Zukunft keine zweistelligen Wachstumsraten mehr zu erwarten." Mengenzuwächse von 4 % jährlich seien aber realistisch. Das Tiefkühlinstitut geht von einem Produktionswachstum um die 5 % bei etwas schwächerem Umsatzplus aus.

Die Gründe für den Boom sind vielschichtig. "Die zunehmende Berufstätigkeit der Frauen ist ein entscheidender Grund", sagt Sassen. Tiefkühlkost sei ein bequemes Produkt, das die knapp bemessene Freizeit arbeitender Frauen kaum strapaziere. "Das sind Bausteine, mit denen man Zeit spart." Auch der Trend weg von den gemeinsamen Mahlzeiten hin zum "situativen Essen" lasse die Nachfrage nach Tiefgekühltem weiter steigen. Diese Trends dürften sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen, sind sich die Experten einig. Nicht ohne Grund wiesen die Fertiggerichte die stärksten Wachstumsraten innerhalb des Segments auf. Daneben werden die Saisonunabhängigkeit der Produkte, ein stabiles Preis-Leistungsverhältnis und steigende Qualität als Faktoren für die wachsende Nachfrage genannt.

Wettbewerbsdruck in der Branche steigt


Die starke Expansion geht jedoch auch mit einem wachsenden Wettbewerbs- und Preisdruck in der Branche einher. "Der Wettbewerb ist hart. Es gibt hunderte von Konkurrenten", sagt Ute Sievert, Sprecherin der Langnese GmbH, -Iglo einer Tochterfirma des britisch-niederländischen Unilever-Konzerns. Markenherstellern wie Iglo machten vor allem nachgemachte Billig-Produkte zu schaffen. "Das heißt, wir müssen immer einen Schritt besser sein und stark auf Werbung setzen." Sinkende Produktlaufzeiten und steigende Marketingkosten sind Branchenexperten zufolge vielfach die Konsequenz.

"Wettbewerb und Konsolidierungsdruck haben sich sicherlich verstärkt", sagt auch Stephan Hinrichs, Finanzvorstand der FRoSTA AG . Das Bremerhavener Unternehmen setzt daher neben aktiver Markenwerbung auch auf die Erschließung neuer Märkte. Die Länder Osteuropas bieten Hinrichs zufolge mit ihrem geringen Pro-Kopf-Verbrauch bei Tiefkühlkost derzeit die größten Chancen: "In Polen wachsen wir in diesem Jahr zweistellig und dazu noch profitabel, das schaffen Unternehmen in der Branche kaum noch." Dort ist Frosta mittlerweile Marktführer bei Fertiggerichten und Fischstäbchen.

Doch auch in Deutschland sieht Hinrichs den Markt trotz wachsenden Drucks noch nicht ausgeschöpft: "Der Verbrauch in Deutschland liegt noch deutlich unter dem Großbritanniens. Bei den Fertiggerichten ist da noch Tür und Tor offen." Die Briten liegen nach Branchenangaben mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 48,9 Kilogramm EU-weit an der Spitze, Deutschland mit 34,3 Kilogramm auf Platz vier. Frosta wird in diesem Jahr den BSE-bedingten Rekordumsatz 2001 von plus 8,7 % auf 299 Mill. Euro Hinrichs zufolge etwas unterschreiten. "Ergebnismäßig werden wir jedoch über dem Vorjahr liegen", fügt er hinzu.

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