Potenziale und Probleme
Logistikbranche im Wandel

Mit europaweit 450 Milliarden Euro Volumen ist die Logistik ein riesiger Markt - und er dürfte noch wachsen. Voraussetzung ist jedoch, dass sich die Branche auf neue Anforderungen einstellt.

woe DÜSSELDORF. Reine Transporteure sind unter den Logistik-Unternehmen inzwischen schon eher die Ausnahme. Gefragt sind immer aufwändigere Systeme für Material und Produkttransporte in der Industrie - dafür sorgen die Globalisierung ebenso wie der elektronische Handel.

Längst kaufen Unternehmen ihr Material weltweit ein - immer dort, wo es besonders günstig ist. Eine ausgereifte Logistik gilt deshalb als immer wichtigerer Erfolgsfaktor - schließlich macht eine ineffiziente Logistik die Preisvorteile gleich wieder zunichte.

Einer aktuellen Studie des Dortmunder Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik zufolge liegt das Marktvolumen in Europa bei 450 Mrd. Euro, davon allein 125 Mrd. in Deutschland.

Wachstumsmarkt Kontraktlogistik

Dabei werden der Branche besonders in der Konjunkturflaute große Chancen eingeräumt. Denn sie beschleunigt den Trend in vielen Unternehmen, Logistik-Abläufe auszulagern. Davon profitieren vor allem jene Anbieter, die wie Thiel Logistik oder D. Logistics das gesamte Management von Beschaffung und Lieferkette übernehmen.

Thiel beispielsweise plant, seine Dienstleistungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Kunden anzubieten: Vom Einkauf über die Produktion bis zum Vertrieb. Mit dem Einsatz intelligenter Logistiklösungen soll es etwa im Möbelgeschäft möglich werden, die bislang üblichen Wartezeiten vieler Anbieter von zwei Monaten auf zwei Wochen zu drücken.

Erst 36 Prozent des Logistik-Marktes fällt auf diese so genannte Kontraktlogistik. Experten sehen jedoch ein großes Potenzial: Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der Leistungen an Dritte vergeben werden könnten. Das IML rechnet in diesem Jahr mit 18 bis 22 Prozent mehr fremdvergebenen Logistikaufträgen in diesem Jahr.

Schrumpfende Margen im Briefgeschäft

Bis die Logistiker davon profitieren, gilt es jedoch, Probleme im klassischen Transportgeschäft zu lösen. Das Briefgeschäft der deutschen Post etwa stagniert, macht aber 80 Prozent des Konzerngewinns aus. Europaweit steigen zwar die Stückzahlen, dafür aber geraten die Preise unter Druck. So steht in Deutschland schon Ende 2002 der Preis für den Standardbrief auf dem Prüfstand.

Geringeres Wachstum und niedrigere Margen sind außerdem im Kurier-, Express- und Paketgeschäft möglich, wo besonders die Deutsche Post, UPS, Fedex oder die niederländische stark engagiert sind. Insbesondere die Express-Branche ist zudem sehr konjunkturabhängig: In wirtschaftlich schwachen Zeiten versuchen Kunden schließlich, auf teure Dienste zu verzichten.

Weil das Internet-Business Spezialisten für die logistische Abwicklung benötigt, dürfte der E-Commerce zwar für einen Schub sorgen. Geld verdienen lässt sich damit aber erst, wenn der Versand intelligent organisiert wird. Denn "auf kurze Sicht werden verkehrsintensive Logistikkonzepte in der Abwicklung des E-Commerce dominieren", erwartet das Bundestags-Büro für Technikfolgen-Abschätzung. Das könnte die Verkehrsprobleme verschärfen und damit auch die Kosten steigern.

Diese Probleme verstärken die Übernahme-Spekulationen, die die Branche spätestens seit bekannt werden der Expansionspläne des amerikanischen Paket-Dienstes UPS beschäftigen. Um ihr Angebot zu erweitern, versuchen viele traditionelle Anbieter, Software-Unternehmen aufzukaufen. Die Branche ist in Bewegung, meint auch das Büro für Technik-Folgen-Abschätzung des deutschen Bundestages. Dessen Studie geht von "weiteren Fusionen und Marktbereinigung" in der zersplitterten Logistik-Branche aus.

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