Powell berät mit EU und Russland über Nahostkonflikt
Neue israelische Angriffe auf Nablus und Dschenin

Die israelische Armee hat in der Nacht zum Mittwoch abermals das Flüchtlingslager von Nablus angegriffen. Schwere Artillerie dröhnte durch die Straßen, während Kampfhubschrauber Geschosse aus der Luft abfeuerten. Auch das Lager von Dschenin geriet wieder unter Beschuss.

ap NABLUS. Die zugespitzte Lage im Nahen Osten stand ganz oben auf der Tagesordnung für das Treffen von US-Außenminister Colin Powell mit Vertretern der EU und Russlands in Madrid.

Auf internationalen Druck hin hatte sich Israel am frühen Dienstagmorgen zwar aus Tulkarem und Kalkilija im nördlichen Westjordanland zurückgezogen, seine Offensive an anderen Stellen aber ausgeweitet. Man werde nicht ruhen, bis die terroristische Infrastruktur der Palästinenser zerstört sei, erklärte Ministerpräsident Ariel Scharon. Nach israelischen Rundfunkberichten demolierten Planierraupen am Mittwochmorgen im Lager bei Dschenin weitere Häuser, während Mörsergeschosse in die engen Gassen abgefeuert wurden.

In Dschenin waren am Dienstag 13 israelische Soldaten in einen Hinterhalt gelockt und getötet worden, ein 14. erlag später seinen Verletzungen. Nach Armeeangaben hatte ein palästinensischer Selbstmordattentäter eine Reihe von Explosionen ausgelöst, die Gebäude zum Einsturz brachten. In Dschenin ebenso wie in Nablus ist Israel bei seiner jüngsten Militäroffensive bislang auf den härtesten Widerstand gestoßen. Der Armee zufolge wurden seit Beginn der Offensive vor knapp zwei Wochen etwa 1.600 Palästinenser festgenommen und zahlreiche Waffen beschlagnahmt.

Auch in den Gazastreifen rückten wieder Panzer sowie eine Planierraupe ein. Nach Augenzeugenberichten walzten sie in einer Plantage bei Deir el Balah Orangen- und Olivenbäume nieder und zerstörten einen palästinensischen Sicherheitsposten. Aus dieser Gegend waren in den letzten Tagen mehrfach Geschosse auf israelisches Gebiet abgefeuert worden.

Powell wollte am (heutigen) Mittwoch in Madrid die Lage im Nahen Osten erörtern. Als Gesprächspartner waren der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar und Außenminister Josep Piqué sowie der russische Außenamtschef Igor Iwanow und UN-Generalsekretär Kofi Annan vorgesehen. Spanien hält derzeit die EU-Ratspräsidentschaft. Die EU und die USA haben Israel mehrfach erfolglos aufgefordert, seine anhaltende Offensive in den palästinensischen Autonomiegebieten umgehend zu beenden. Powell hatte zuvor Marokko und Ägypten besucht. Am Donnerstagabend wird er in Israel erwartet und wird voraussichtlich auch den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat treffen.

Angesichts der zunehmenden Proteste gegen die israelische Militäroffensive haben zahlreiche Familienmitglieder der israelischen Diplomaten in Ägypten das Land verlassen. Beamte am Flughafen von Kairo erklärten, insgesamt seien am Dienstag 45 Frauen und Kinder ausgereist. Zuvor waren bei den bisher gewaltsamsten antiisraelischen Protesten in Ägypten ein Student getötet und mehr als 100 weitere verletzt worden.

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