Powell in Pakistan
Zweite Kriegswoche beginnt mit neuen Angriffen

Mit einer neuen Angriffswelle auf mehrere afghanische Städte hat am Montag die zweite Woche der US-Militäraktion gegen die Taliban-Regierung und die El-Kaida-Gruppe des Extremisten Osama bin Laden begonnen. Ziele der Angriffe waren erneut die Hauptstadt Kabul, Kandahar und Dschalalabad. Die USA lehnten ein Angebot der Taliban zu Verhandlungen über die Auslieferung bin Ladens ab.

rtr KABUL. US-Außenminister Colin Powell traf zu politischen Gesprächen in Pakistan ein. Die Grünen und UNO-Vertreter sprachen sich angesichts der Flüchtlingsnot für eine Unterbrechung der Angriffe aus. Die US-Behörden untersuchten einen möglichen Zusammenhang zwischen den Milzbrandfällen in den USA und den Anschlägen vom 11. September.

Die USA hätten 50 Kampfflugzeuge der Marine sowie zehn schwere Bomber vom Typ B-1 und B-52 eingesetzt, verlautete aus dem US-Verteidigungsministerium. 13 Ziele seien angegriffen worden, darunter auch Taliban-Verbände. Mit der "Theodore Roosevelt" sei ein vierter Flugzeugträger in eine Position gebracht worden, um Afghanistan anzugreifen. Nach Taliban-Angaben wurden bei einem Angriff nördlich von Kabul zwölf Menschen getötet und 32 verletzt. Augenzeugen berichteten auch über einen Angriff auf den Flughafen von Masar-i-Scharif im Norden. Die oppositionelle Nordallianz rückte nach eigenen Angaben auf die Stadt vor. Seit Beginn der US-Angriffe sollen rund 300 Menschen getötet worden sein, wie die Taliban am Wochenende mitteilten. Verlässliche Angaben über Opfer und Zerstörungen gibt es nicht.

Bin Laden und Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar haben nach offiziellen Angaben alle Angriffe unversehrt überstanden. Der stellvertretende Taliban-Botschafter in Pakistan, Sohail Schaheen, wies Berichte zurück, Außenminister Maulawi Wakil Ahmad Muttawakil sei in Pakistan und es gebe Differenzen unter den Taliban. Es hatte Gerüchte gegeben, Muttawakil könnte mit US-Außenminister Powell zusammenkommen. Powell, der am Abend in Pakistan eintraf, sollte mit Präsident Pervez Musharraf über die Lage in Afghanistan beraten.

Pakistan für schnelles Ende der Bombardierungen

Dem US-Sender CBS zufolge riet Musharraf den USA, Omar in Afghanistan zu fassen. Wenn man Omar habe, werde bin Laden die Flucht ergreifen, sagte Musharraf dem Sender zufolge. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums bestritt später, dass Musharraf ein Interview gegeben habe. Auch die geäußerten Ansichten würden nicht die Ansicht des Präsidenten wiedergeben. Der Sender blieb bei seiner Darstellung. Gleichzeitig sagte der Außenministeriums-Sprecher, Pakistan sei für ein rasches Ende der Bombardierungen. Die Regierung habe die Taliban nie als Terroristen angesehen.

Ein Angebot der Taliban zu Verhandlungen über die Auslieferung bin Ladens lehnte US-Präsident George W. Bush mit den Worten ab: "Wenn ich sage, keine Verhandlungen, meine ich keine Verhandlungen." Ein von radikalen Moslemgruppen gegen den Powell-Besuch ausgerufener Generalstreik wurde im Land unterschiedlich befolgt.

In den USA nährte das Auftreten von Milzbrand-Bakterien die Furcht vor neuen Anschlägen. Einem Zeitungsbericht zufolge vermietete die Frau eines Redakteurs eines von Milizbrand betroffenen Medienhauses in Florida Wohnungen an zwei mutmaßliche Attentäter. Bislang gehe das FBI jedoch von einem Zufall aus, berichtete der "Miami Herald". US-Gesundheitsminister Tommy Thompson sagte, es handele sich zweifellos um ein Verbrechen, um einen terroristischen Anschlag. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice warnte die Bevölkerung jedoch vor Panikreaktionen. US-Angaben zufolge sind bisher mehr als zehn Menschen positiv auf Milzbrand getestet worden. Zwei Menschen seien erkrankt, von denen einer gestorben sei.

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