Powell nennt Kuba eine „Verirrung“
USA empört über Wahl Kubas in die UN-Menschrechtskommission

Kuba ist am Dienstag in die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen gewählt worden. Die Wahl stieß bei der US-Regierung auf scharfe Kritik. Bereits am Montag hatte US-Außenminister Colin Powell den sozialistischen Karibik-Staat als eine "Verirrung" in der westlichen Hemisphäre bezeichnet.

HB/dpa NEW YORK/WASHINGTON/HAVANNA. Nach dem jüngsten kubanischen Vorgehen gegen Dissidenten überprüften die USA ihre Kuba-Politik in allen Bereichten, kündigte Powell an. Der kubanische Parlamentspräsident Ricardo Alarcón wies die internationale Kritik an der drakonischen Bestrafung von Dissidenten zurück.

Der UN-Wirtschafts - und Sozialausschuss (ECOSOC) entschied sich am Dienstag in New York per Akklamation für Kubas Mitarbeit in der Menschenrechtskommission. Bei der Wahl wurden insgesamt 24 der 53 Sitze in der Kommission für eine Amtszeit von drei Jahren neu vergeben. Die in Genf ansässige Kommission beschäftigt sich mit allen Menschenrechtsangelegenheiten in den 191 UN-Mitgliedsländern.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, reagierte mit scharfen Worten auf die Wahl in New York. Die Vergabe des Sitzes an Kuba sei eine unangemessene und beklagenswerte Aktion, insbesondere im Lichte des jüngsten kubanischen Vorgehens gegen Dissidenten. "Kuba wieder in die Menschenrechtskommission aufzunehmen ist so, als ob man Al Capone mit der Sicherheit von Banken betraute", fügte Fleischer hinzu.

Powell hatte bereits am Vortag vor Journalisten in Washington eine Überprüfung der Kuba-Politik angekündigt. Die jüngsten Festnahmen und Verurteilungen von 75 kubanischen Dissidenten zu langjährigen Haftstrafen seien ein vergeblicher Versuch, "das Dürsten des kubanischen Volkes nach Demokratie auszulöschen", fügte der Minister hinzu.

Der kolumbianische Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez verurteilte unterdessen indirekt die Hinrichtung von drei Kubanern, die versucht hatten, eine Küstenfähre nach Florida zu entführen. Er sei immer gegen die Todesstrafe gewesen, sagte der langjährige Freund von Kubas Staatschef Fidel Castro. Auch habe er vielen Dissidenten geholfen, aus der Haft entlassen zu werden oder ausreisen zu dürfen, fügte der Autor von "Hundert Jahre Einsamkeit" hinzu. Der portugiesische Literaturnobelpreisträger und Kommunist José Saramago kritisierte, die kubanische Revolution habe sich "von sich selbst entfernt".

Kubas Parlamentspräsident Alarcón wies die Vorwürfe in einem Artikel für das Parteiorgan "Granma" (Dienstag) zurück. Kuba verteidige sich bloß gegen diejenigen, die seine Souveränität verletzten, indem sie "Gruppen von Verrätern organisieren, leiten und finanzieren und gleichzeitig einen gnadenlosen Wirtschaftskrieg gegen das Land und die Drohung, es zu zerstören, verschärften", schrieb Alarcón unter Anspielung auf die USA. Den Kritikern Kubas warf er vor, anstatt sich über die "notwendigen Maßnahmen, die Kuba gezwungenermaßen ergreifen muss", aufzuregen, sollten sie lieber die "außergerichtlichen Hinrichtungen" der USA bei der Jagd auf Terroristen kritisieren.

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