Powell-Reise auf unbestimmte Zeit verschoben
Israelische Truppen rücken in Ramallah ein

Nach den letzten Anschlägen verfolgt Israel jetzt eine radikalere Strategie: Bei jedem Attentat wird ein Stück palästinensisches Autonomiegebiet wiederbesetzt. Am Vormittag drangen israelische Truppen in Ramallah ein.

Wiwo/ap RAMALLAH. Nach dem jüngsten Selbstmordanschlag in Jerusalem sind israelische Truppen am frühen Donnerstagmorgen laut Augenzeugen in einen Vorort von Ramallah im Westjordanland eingedrungen. Panzer hätten ein Haus in Beitunia umstellt, offenbar seien dort Festnahmen geplant. Nach Ramallah selbst seien die Soldaten nicht vorgedrungen. Die israelische Armee nahm zu den Berichten zunächst nicht Stellung. Zuvor hatten Augenzeugen berichtet, rund 20 israelische Panzerfahrzeuge bewegten sich auf die Innenstadt zu. In Ramallah hat der palästinensische Präsident Jassir Arafat seinen Amtssitz.

Am Mittwochabend hatte zum zweiten Mal in zwei Tagen ein palästinensischer Selbstmordattentäter ein Blutbad in Jerusalem angerichtet und mindestens sechs Menschen mit sich in den Tod gerissen. Zu der Tat bekannten sich die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden. Israel reagierte umgehend: Drei Stunden nach dem Anschlag griffen Kampfhubschrauber Ziele im Gazastreifen an.

Die israelische Regierung hatte am Mittwochmorgen die schrittweise Wiederbesetzung palästinensischer Autonomiegebiete angekündigt. Diese werde mit jedem Attentat ausgeweitet und so lange andauern wie der Terror, hieß es als Reaktion auf das Attentat vom Tag zuvor. Israelische Truppen rückten erneut in drei Städte im Westjordanland ein, darunter Kalkilja. Dort wurden nach Armeeangaben bei einer Schießerei zwei Soldaten getötet und drei weitere verwundet.

Präsident Arafat wollte nach Angaben seines Büros am Donnerstag in einer Fernsehansprache an sein Volk zu einem Ende der Angriffe auf Zivilpersonen aufrufen. Die Angriffe hätten der israelischen Regierung den Vorwand geliefert, palästinensisches Land wieder zu besetzen und "hunderte unserer unschuldigen Menschen zu töten", hieß es in einem Redemanuskript, das der Nachrichtenagentur AP vorab zuging. Angriffe auf israelische Zivilisten hätten nichts mit "unserem legitimen Recht auf Widerstand gegen die israelische Besatzung und unserem Recht zur Verteidigung unserer Existenz und unserer heiligen Stätten" zu tun.

Nach den jüngsten Anschlägen in Jerusalem verschob US-Präsident George W. Bush seine mit Spannung erwartete Rede zur Lage im Nahen Osten auf unbestimmte Zeit. Zu diesem Zeitpunkt sei nicht zu erwarten, dass die Rede einen positiven Einfluss auf die Situation haben könne, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, am Mittwoch. Bush warte auf den richtigen Moment für seine Rede. Auch eine für die kommende Woche anvisierte Reise von US-Außenminister Colin Powell in den Nahen Osten wurde zunächst auf Eis gelegt. Sie werde jedoch weiterhin in Betracht gezogen, erklärte Außenamtssprecher Philip Reeker.

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