Powerline-Anbieter vernetzen das Haus
Daten flitzen über das Stromkabel

Technische Probleme und mangelnde Akzeptanz haben bisher den Durchbruch der Datenübertragung per Stromnetz verhindert. Doch noch geben die Stromversorger nicht auf: Die Vernetzung im Haus oder das Telefonieren über das Internet sollen die Wende bringen.

DÜSSELDORF. Düsseldorfs Schulen könnten schon bald von der Powerlinetechnik profitieren. Bis Ende 2003 will der Stromversorger Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), der zu 29,9 % an den Düsseldorfer Stadtwerken beteiligt ist, über Stromleitungen in den Schulen das Internet in die Klassenräume bringen. 160 Schulen der NRW-Metropole sollen mit der Inhouse-Powerline-Technologie des Schweizer Herstellers Ascom AG ausgestattet werden.

Auf eine aufwendige und teure Verkabelung kann dabei verzichtet werden, da sich die Internet-Rechner in einer mobilen Box befinden. Diese wird bei Bedarf in den entsprechenden Raum gerollt und einfach an die Steckdose angeschlossen. Der Internet-Zugang selbst erfolgt dabei durch einen T-DSL-Anschluss der Deutschen Telekom. Ein kleines Gerät wandelt die darüber empfangenen Daten in elektrische Impulse um und schickt sie über die bereits vorhandenen Stromkabel im Gebäude in die Klassenzimmer. Dort sorgt ein Powerline-Modem, das zwischen Steckdose und Computer geschaltet wird, für die Rückumwandlung der Daten.

"Die Kosten für das Internet aus der Steckdose liegen etwa 90 Prozent unter dem, was die herkömmliche Vernetzung eines solchen Gebäudes kosten würde", rechnet EnBW-Vorstandsmitglied Gerhard Jochum vor. Nicht nur für Schulen, sondern auch für Krankenhäuser oder Unternehmen sei die Powerline-Kommunikation im Inhouse-Bereich deshalb eine kostengünstige Alternative.

Das sieht die RWE Powerline GmbH in Essen ähnlich, die sich auf Grund gravierender technischer Probleme von ihren ehrgeizigen Powerline-Plänen verabschiedet hat und derzeit "die bestehenden Produktfelder erweitert, anpasst und modifiziert". Mit ihrem Produkt "RWE PowerSchool", das ebenfalls auf der Ascom-Technologie basiert, nahm die Tochter des Energiegiganten RWE bereits im letzten Jahr Bildungseinrichtungen in NRW ins Visier. Doch über vereinzelte Pilotprojekte in rund 20 Schulen des Ruhrgebiets sind die Essener bisher nicht hinausgekommen.

Während sich EnBW und RWE verstärkt auf Inhouse-PLC konzentrieren, hält die Power Plus Communications AG (PPC) in Mannheim jedoch weiter am "Internet aus der Steckdose" fest und will es sogar noch um ein Telefonangebot erweitern. Das Joint Venture des Mannheimer Energieversorgers MVV Energie AG und des israelischen High-Tech-Unternehmens Main.net Ltd. berät und unterstützt Energieversorger, Stadtwerke und City-Carrier bei der Einführung von PLC-Lösungen. "Derzeit sind wir an 18 Projekten in Deutschland und Österreich beteiligt, darunter in Mannheim, Hameln, Solingen, Offenbach, Moers und Linz", sagt Ingo Schönberg, Vorstandsmitglied der PPC AG. Mit einer Reihe weiterer Stadtwerke und Energieversorger werde konkret verhandelt.

Technische Probleme mit dem Equipment von Main.net seien bisher nicht aufgetreten. "Bei diesem durchgängigen System für Indoor- und Outdoor-Anwendungen konfigurieren sich die Geräte selbst und suchen automatisch nach der optimalen Verbindung für die Kunden", erläutert Schönberg. Durch Einsatz von so genannten Repeatern und eines robusten Breitbandübertragungsverfahrens reagiert das System selbst bei Störungen in den Stromleitungen dynamisch und stellt jedem Nutzer genügend Übertragungskapazität zur Verfügung.

Das US-Marktforschungsunternehmen Cahners In-Stat/MDR prophezeit dieser Technologie in einer aktuellen Studie ein rasantes Wachstum: Alleine der Umsatz mit Powerlinetechnik zur Vernetzung von Geräten im Haus soll weltweit von rund 18 Mill. Dollar im Jahr 2001 bis Ende dieses Jahres auf fast 190 Mill. Dollar steigen. "Für das Jahr 2006 erwarten wir sogar einen Gesamtumsatz von 706 Millionen Dollar", schaut In-Stat/MDR-Direktor Mike Wolf optimistisch in die Zukunft.

Quelle: Handelsblatt

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