Powerline-Anbieter wollen mehr als Internet-Anschlüsse bieten
Die Steckdose soll der Telekom Konkurrenz machen

Powerline-Technik, das steht für Internet aus der Steckdose. Geht es nach dem Mannheimer Energieversorgungsunternehmen MVV Energie, dann kann man demnächst auch über die Stromleitung telefonieren. Ein Feldversuch mit einigen Hundert Testkunden soll noch in der zweiten Jahreshälfte beginnen, wie der Sprecher des Vorstands der MVV Energie, Roland Hartung, auf der Cebit ankündigte.

WiWo/ap HANNOVER. Im kommenden Jahr soll Telefonieren über das Stromnetz dann großflächig eingeführt werden. Dann werde es "mehr Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt durch eine Telekom-unabhängige Netzstruktur" geben, erklärte Hartung.

Für die technische Umsetzung zuständig ist die Power Plus Communications (PPC), ein Gemeinschaftunternehmen von MVV und der israelischen Firma Main.net, die Powerline-Technologie zur Marktreife entwickelt hat. Main.net ist damit nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit erfolgreich. Zum Einsatz kommt die Technik auch beim schwedischen Energiekonzern Vattenfall, in Italien (Enel), Frankreich (EDF) sowie in den USA, Brasilien, Chile, Indien, Singapur und Malaysia.

Beim Online-Zugang allein bleibt es nicht. Neben Main.net stellte auch die Schweizer Firma Ascom Geräte für die Übertragung von Sprach- und Faxdiensten vor. Von der Leistung her liegt Powerline bei rund 70 Prozent eines DSL-Anschlusses über die Telefonleitung, wie PPC-Vorstand Ingo Schönberg erläuterte. Das ist immer noch ein Mehrfaches von ISDN. Da die Abrechnung aber im Gegensatz zur herkömmlichen Telefonleitung nicht nach Zeit, sondern nach Datenvolumen erfolge, könnten die Kunden ständig ans Internet angeschlossen bleiben.

PPC bietet Powerline seit dem vergangenen Jahr in Mannheim an. Mit dem Ausbau des Netzes liege man im Plan, sagt Schönberg. In Mannheim seien derzeit 30.000 Haushalte technisch in der Lage Powerline zu nutzen, 1.600 Kunden gebe es. Bis Ende 2002 sollen es mehr als 100.000 powerline-fähige Haushalte sein. Das Angebot von PPC wird derzeit in insgesamt rund 18 Projekten in Deutschland und Österreich entweder eingeführt oder erprobt. Konkrete Powerline-Angebote mit der PPC-Technik gibt es außer in Mannheim auch in Hameln und in Linz in Österreich.

Mit rund 100 Stadtwerken steht PPC nach eigenen Angaben in Verhandlungen. Bis 2006 soll es in Deutschland und Österreich eine halbe Million Powerline-Kunden geben. Als Zielgruppe von PPC nennt Schönberg eher mittlere Städte bis 300.000 Einwohner. Die Powerline-Technik biete den Energieversorgern die Möglichkeit, ihre eigene Netzinfrastruktur zu nutzen und mit dieser einen Zusatzgewinn zu erzielen. Auch eigene Telekommunikations-Angebote seien möglich.

Konkurrenz durch das Kabel

Powerline bietet also sowohl den Kunden als auch den beteiligten Firmen etwas. Ob die Energieversorger die Technik aufgreifen, hängt aber auch von der Konkurrenzsituation etwa durch das Kabel ab. Wenn dieses mit einem Rückkanal ausgerüstet wird, wie einige Kabelnetzbetreiber das jetzt machen, dann können diese ihren Kunden ebenfalls Internetzugang und auch Telefonanschluss bieten können.

Das ist sicher auch ein Grund, warum die Powerline-Technik teilweise noch etwas zurückhaltend betrachtet wird und warum es um das Internet aus der Steckdose, das auf der CeBIT im vergangenen Jahr auch groß angekündigt wurde, dann wieder stiller geworden ist. Das Powerline-Center, der Gemeinschaftsstand auf der Computermesse CeBIT mit Angeboten rund um das Internet aus der Steckdose, wird es auch im kommenden Jahr geben, ist sich Ingo Schönberg sicher. Allein schon, weil Internet-Anschlüsse über das Stromnetz international auf dem Vormarsch seien.

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