PR im „Second Life“
Harte Dollars für virtuelle Firmenpaläste

Die virtuelle Plattform "Second Life" zieht immer mehr reale Konzerne an. Als Toyota eine neue Werbekampagne für sein Automodell Scion starten wollte, ging der Auftrag nicht an eine der etablierten PR-Firmen, sondern an ein Startup-Unternehmen in der künstlichen Parallelwelt.

HB LOS ANGELES. Die Firma mit dem unbescheidenen Namen Millions of Us sollte in der virtuellen 3D-Welt die Insel Scion City gestalten, mit Platz für Autohändler und einer Teststrecke. Wie ein Magnet zieht Second Life das Big Business an, das nach neuen Wegen im Marketing sucht.

"Das Ziel besteht darin, eine Community in Second Life zu bilden, die wirklich engagiert ist und mitmacht", erklärt Reuben Steiger, der 35-jährige Vorstandschef von Millions of Us. Die Firma mit Sitz in Sausalito bei San Francisco schwelgt in einem Pioniergeist wie einst im Goldrausch am Klondike River. Dabei ist das Land in Second Life zum Teil noch ähnlich unwirtlich wie der Wilde Westen am Ende des 19. Jahrhunderts. Die 2003 vom Unternehmen Linden Lab entwickelte Online-Landschaft erreicht kaum die Grafik moderner Computerspiele. Die mehr als vier Mill. angemeldeten Bewohner erwartet der spröde Charme einer Comic-Landschaft.

"In fünf Jahren wird das dicht an der Fotoqualität sein", erwartet Steiger. "Dann wird das so sein, als ob man in einen Film eintritt." Die Gründerzeit aber findet jetzt statt, und daher drängen jede Menge Geschäftemacher ins Second Life, die von T-Shirts bis Unterhaltung fast alles anbieten, was Linden-Dollar einbringt - schließlich kann die virtuelle Währung in reale Dollar umgetauscht werden.

Auch wenn die Grafik nicht so aufregend ist wie in anderen massenhaft bevölkerten Online-Spielen wie "World of Warcraft", so bietet Second Life etwas, was diesen Landschaften abgeht: Hier kann man selbst Hand anlegen und alle möglichen Objekte gestalten. Fotos dienen als Texturen, um die Gegenstände mit einer möglichst realistisch wirkenden Oberfläche zu überziehen. Eine einfache Skriptsprache erlaubt es zudem, die Interaktion der Avatare, also der digitalen Stellvertreter in der virtuellen Welt, mit diesen Objekten zu beeinflussen. So ist eine erstaunliche Vielzahl von eindrucksvollen Gebäuden entstanden, die mit der Gestaltung von Licht und Schatten eine eigene Lebendigkeit ausstrahlen. Andere Gebäude aber sind nicht viel mehr als rechteckige Kästen, die von außen ebenso leer und leblos aussehen wie von innen.

Diese Qualitätsunterschiede erinnern an die frühen Tage im Web, als sich jeder wenigstens mit einer schlichten Homepage präsentieren wollte. Überzeugendere Internet-Auftritte konnten aber nur Unternehmen bieten, die sich die Dienste von professionellen Web-Designern leisten konnten.

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