PR-Maschinerie wie bei Bohlen
Effenberg packt aus - Vorabdrucke in "Bild"

Auch Stefan Effenberg versucht sich nun als "Schriftsteller". Als weiteres Enfant terrible der Klatsch- und Tratschspalten nach Dieter Bohlen veröffentlicht der Fußballer (34) am 8. Mai seine Autobiografie - mit dem provokanten Titel: "Ich hab's allen gezeigt".

HB/dpa HAMBURG. Und ähnlich wie bei Bohlens Bestseller "Nichts als die Wahrheit" wurde schon im Vorfeld eine PR-Maschinerie in Gang geworfen, mit der eine Platzierung in den Bestsellerlisten programmiert scheint: Die "Bild"-Zeitung druckt seit Dienstag, wie bei Bohlens Buch, exklusiv vorab Auszüge - nicht nur über Details aus der Karriere, sondern auch aus dem Liebesleben.

Eine Leseprobe: "Dann klingelte mein Telefon. Thomas Strunz war dran. Er machte sofort Rabatz. "Du Schwein hast mir meine Frau geklaut", schrie er. "Wenn du sie noch einmal anrufst, passiert was!", enthüllt Effenberg über seine Liebe zur Ex-Frau seines früheren Mannschaftskollegen Thomas Strunz bei Bayern München. Als die Liaison aufflog, reagierte Effenberg folgendermaßen: "Ich fuhr erstmal zur nächsten Tankstelle und kippte mir einen kleinen Feigling rein."

Die Idee zu dem Buch sei schon sehr alt und nicht von Bohlens Erfolg inspiriert, sagt Effenbergs und PR-Berater, Jan Mendelin. "Stefan hat bereits vor zwei bis drei Jahren den Wunsch geäußert, seine Memoiren zu schreiben", erzählt der 30 Jahre alte RTL-Redakteur. Er habe Effenberg vor mehr als vier Jahren beruflich kennen gelernt. Daraus habe sich eine Freundschaft entwickelt.

Effenberg habe allerdings erst im Sommer 2002 Zeit für das Projekt gefunden. "Wir haben insgesamt 60 Stunden auf Tonbänder aufgezeichnet und rund 8 Monate an dem Buch gearbeitet", erzählt Mendelin. Auch Bohlens Buch stammte nicht allein aus der Feder des Protagonisten - dem Erfolgsproduzenten half "Bild"-Klatschkolumnistin Katja Kessler.

Eine Image-Korrektur für den in der Öffentlichkeit oft wegen rüpelhaften Benehmens gescholtenen Effenberg ist mit dem Buch jedoch laut Mendelin nicht die Absicht: "Es ist so viel über ihn geschrieben worden, ohne dass er sich dazu hätte äußern können oder dürfen. Nun wollte er seine Sicht der Dinge schildern." Mendelin rechnet mit einem großen Erfolg - ein "großes PR-Paket" ist geschnürt: Effenberg wird in mehreren Fernsehshows auftreten, ein Interview dem Magazin "Stern" geben und das Buch bei der RTL-Champions-League-Sendung am 7. Mai erstmals offiziell vorstellen.

Vor allem Vorab-Veröffentlichungen in der "Bild"-Zeitung haben sich in der Vergangenheit als hervorragende Promotion erwiesen. "Das hat schon sehr zum Erfolg beigetragen", sagt eine Sprecherin des Münchner Verlags Heyne, bei dem "Nichts als die Wahrheit" im Oktober 2002 erschien. Seitdem habe sich das Buch 520 000 Mal verkauft. Die Erstauflage von 100 000 Stück sei - auch wegen der "Bild"-Zeitung - bereits in der ersten Woche vergriffen gewesen, sagt die Heyne- Sprecherin. Bei der Frankfurter Buchmesse sorgte das Buch für mehr Rummel als manches literarische Meisterwerk.

"Ich hab"s allen gezeigt" erscheint bei dem der Aufbau- Verlagsgruppe angegliederten Verlag Rütten und Loening. Wie viel die Exklusiv-Vorabdrucke die "Bild"-Zeitung gekostet haben, wollten weder Mendelin, "Bild" oder der Verlag preisgeben. 150 000 Exemplare sollen zunächst in den Läden stehen - davon seien 80 000 bereits vorbestellt, sagt Mendelin.

"Das ist ein Geben und Nehmen, von dem beide profitieren", beschreibt der Dresdner Kommunikationswissenschaft Prof. Wolfgang Donsbach die PR-Geschäfte zwischen Buchverlagen und Zeitungen. Für den Verlag sei es die beste Möglichkeit, Werbung in den Medien unterzubringen: "Unbezahlte Werbung ist zwar ein Glücksspiel, aber wer es gewinnt, hat sich die weiteste Verbreitung gesichert." Diese Art von "Tauschgeschäften" breite sich immer mehr aus. "Es ist aber fraglich, wie lange diese Kommerzialisierung und schließlich auch Instrumentalisierung der Medien akzeptiert wird."

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