Präsident der italienischen Benetton Group
Luciano Benetton: Der Modestar ohne Allüren

Mit Fleiß, dem Mut zur Farbe und ungewöhnlichen Ideen baute Luciano Benetton seinen Textilkonzern auf. Heute gehört der 65-Jährige zum Geldadel Italiens.

Es war eine äußerst pikante und deshalb streng geheime Mission, in der Vicenzo Maranghi vor ein paar Wochen im Hinterland von Venedig unterwegs war. Auf der Suche nach frischem Geld und moralischer Unterstützung klopfte der Chef der mächtigen Mailänder Mediobanca bei Luciano Benetton an. Der Banker bat den Textilunternehmer um Hilfe bei der Verteidigung der Stromholding Montedison, die gerade von Fiat und Electricité de France (EdF) feindlich übernommen werden sollte. Doch Maranghi musste unverrichteter Dinge wieder abreisen. Benetton hatte abgelehnt.

Menschen seines Kalibers umgibt in der Regel die Aura der Macht - nicht so Luciano Benetton. Bescheiden und zurückhaltend wirkt der 65-Jährige mit der weißen Löwenmähne selbst dann, wenn er Sätze sagt wie diesen: "Es gibt außer uns nur wenige Unternehmen in Italien, die fähig sind, ganz große Investitionen zu tätigen." Mit purem Understatement nimmt der Präsident der Benetton Group zur Kenntnis, dass er und seine drei Geschwister mittlerweile auf derselben Stufe stehen wie die altehrwürdige Familie Agnelli (Fiat) oder Marco Tronchetti-Provera, eingeheirateter König Midas der Pirelli-Dynastie.

Egal ob es um Montedison geht, die Privatisierung des staatlichen Zigarettenherstellers Ente Tabacchi oder die Rettung des maroden Fußballclubs AC Florenz: Benettons Name wird immer in einem Atemzug mit jenen genannt, die beim Umbau der Italien AG etwas mitzureden haben.

Angefangen bei null

Dabei ist es keineswegs altes Geld, das die Familie aus Treviso besitzt. Vielmehr stieg der Clan erst in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren in den Olymp der italienischen Hochfinanz auf. Angefangen haben die vier Geschwister buchstäblich bei null. Heute gehört ihnen mit Benetton nicht nur einer der weltgrößten Bekleidungskonzerne, sondern auch große Teile des italienischen Autobahnnetzes, Restaurants, ein Mobilfunkbetreiber und vieles mehr.

Die Benetton-Saga ist eine Geschichte unternehmerischen Muts, unermüdlichen Fleißes und unkonventioneller Ideen. In den Nachkriegsjahren verkaufte Luciano als Teenager Zeitungen am Bahnhof von Treviso und Seife an der Haustüre. Angetrieben von der großen Leidenschaft für schöne Kleidung, schmissen die Geschwister Luciano, Giuliana, Gilberto und Carlo ihre bescheidenen Ersparnisse zusammen und erstanden eine gebrauchte Nähmaschine. Mit ihr stellten sie bunte Pullis her - revolutionär in den, zumindest farblich betrachtet, grauen fünfziger Jahren. Die Idee der United Colors of Benetton war geboren.

Ein atemberaubender Aufstieg sollte folgen. Bereits Mitte der sechziger Jahre eröffnete Benetton eine hochmoderne Fabrik. "Wir haben uns immer bemüht, technisch zur Avantgarde zu gehören", stellt Luciano Benetton, der Kopf des Unternehmens, heute fest.

Unkonventionelle Werbung

Und auch die Kommunikation des Unternehmens war alles andere als konventionell. Berühmtheit erlangten die Kampagnen des Fotografen Olivero Toscani, die Kritiker als Schockwerbung bezeichneten: sterbende Vögel im Ölschlamm, ein toter kroatischer Soldat mit blutverschmierter Kleidung oder auch ein blanker Hintern mit dem Stempel HIV-positiv. "Wir wollten mit unserer Werbung niemanden schockieren, sondern notwendige Diskussionen anstoßen", sagt Luciano Benetton, Vater von vier Kindern, und schaut sein Gegenüber mit seinen nachdenklichen, blauen Augen an. Vor einem Jahr hat er die langjährige Beziehung zu Toscani beendet, nicht aber wegen inhaltlicher Differenzen. "Man muss im Leben immer wieder Veränderungen suchen."

Vielen seiner Aussagen kann man entnehmen, dass Benetton seine Rolle als Unternehmer weiter fasst als üblich. Er hat sich stets politisch engagiert, für mehr Umweltschutz, gegen die Todesstrafe; von 1992 bis 1994 saß er für die liberale republikanische Partei im italienischen Senat. "Mich interessieren immer neue Erfahrungen", sagt Luciano Benetton.

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