Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes spricht sich für eine stärkere Arbeitsteilung aus
Kein massiver Stellenabbau bei Sparkassen

Nicht nur die Privatbanken, die bereits drastische Sparprogramme und den Abbau der Belegschaften bekannt gaben, leiden unter der Börsenflaute und den Terror-Folgen. Auch die Sparkassen müssen sparen: Die Zahl der Institute, der Zweigstellen und Mitarbeiter wird weiter sinken. Ein massiver Stellenabbau droht indes nicht.

HB DÜSSELDORF. Den Sparkassen steht in den nächsten Jahren ein weit reichender Modernisierungsprozess bevor. Jede einzelne Sparkasse müsse im globalen Wettbewerbsmaßstab bestehen, mahnte Dietrich H. Hoppenstedt, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Sowohl bei den Produkten als auch bei Kundennähe und Abwicklungsvolumen müsse sich jede Sparkasse künftig in Qualität und Schnelligkeit an der internationalen Konkurrenz messen lassen.

Gemeinsame Kompetenz-Center

"Dieser neuen Dimension des Wettbewerbs können die Sparkassen nicht mehr mit den alten Strukturen begegnen", meinte Hoppenstedt. "Dafür brauchen wir eine Umstrukturierung dergestalt, dass sich die einzelnen Institute noch mehr als bisher auf den Vertrieb konzentrieren, dass wir die Produktentwicklung zentralisieren und dass wir die Abwicklungsvolumina bündeln. Wir benötigen außerdem für bestimmte Fähigkeiten gemeinsame Kompetenz-Center - regional und überregional. Dies ist eine Abkehr vom bisherigen Modell, wonach jede Sparkasse alles macht und nur das, was sie nicht kann, von den Landesbanken kommt."

Das Prinzip "Jeder macht, was er kann" müsse deswegen nicht angetastet werden, meinte Hoppenstedt, "aber die Anforderungen an das Können werden anders." Nicht nur seitens des Marktes würden die Ansprüche wachsen. Auch die Neuregelung der Eigenkapitalrichtlinien ("Basel II") mit der veränderten Beurteilung der Kreditnehmer stelle die Sparkassen vor neue Herausforderungen.

Prozess der Arbeitsteilung beschleunigen

Aus diesem Grunde müsse der Prozess der Arbeitsteilung im Sparkassensektor, der vor einigen Jahren bereits eingeleitet worden sei, beschleunigt fortgesetzt werden. Vorbild sei die Einrichtung eines zentralen Fondsanbieters vor gut zwei Jahren; die DGZ-Deka-Bank ist der Produktentwickler und Abwickler aller Sparkassen, die die Fonds vertreiben. Sehr schnell habe sich die DGZ-Deka-Bank zum Marktführer im Neuabsatz entwickelt. Auch der gemeinsame Online-Auftritt und der gemeinsame Direktbroker seien - trotz später Entscheidung - Beispiele dafür, dass die überregionale Kooperation der Sparkassen möglich und nützlich sei.

Diesen Weg will Hoppenstedt jetzt weitergehen. Im ersten Quartal 2002 will der Sparkassen-Präsident daher den zweiten Versuch starten, eine gemeinsame Wertpapierabwicklung ins Leben zu rufen. Der erste Versuch war nach seinen Worten gescheitert, weil das damals in Aussicht genommene Wertpapierhaus "zu diesem Zeitpunkt weder technologisch noch betriebswirtschaftlich lieferfähig war". Hoppenstedt: "Ziel ist es, bei der Wertpapierabwicklung deutlich billiger zu werden. Wir müssen unter 10 DM pro Transaktion landen."

Kostengünstige Gemeinschaftslösungen für das Wertpapiergeschäft

Der Sparkassen-Präsident geht indes nicht davon aus, dass das Wertpapiergeschäft ausschließlich in der eigenen Gruppe abgewickelt werden muss. "Wenn es nur noch um die Kosten geht und die Abwicklung wettbewerbsneutral zu machen ist, dann sind auch Lösungen mit den Privat- oder Genossenschaftsbanken diskussionswürdig." Hintergrund: Auch die anderen Bankengruppen basteln zurzeit hinter den Kulissen an kostengünstigen Gemeinschaftslösungen.

Bereits in den nächsten Wochen will Hoppenstedt eine Gemeinschaftsinitiative des Sparkassen-Sektors im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge starten. Er schlägt vor, eine Gesellschaft nach dem Vorbild der DGZ-Deka-Bank zu gründen, an der die Bank und die öffentlichen Versicherer beteiligt sein sollen. Die Gesellschaft soll Produkte für die betriebliche Altersversorgung anbieten.

Die Zeit drängt, denn die Gesellschaft "muss vor dem Start der Tarifverhandlungen im November stehen". Hintergrund: Bei der nächsten Tarifrunde geht es auch darum, wie der Rechtsanspruch der Arbeitnehmer auf betriebliche Altersvorsorge umgesetzt werden soll.

Zusammenarbeit von Sparkassen und öffentlichen Versicherern

Hoppenstedt befürwortet zudem eine stärkere Zusammenarbeit der Sparkassen mit den öffentlichen Versicherern: "Hier sind noch Synergieeffekte nutzbar, etwa im Marketing." Er sprach sich dafür aus, dass die Versicherer mit einer gemeinsamen Marke antreten und sich stärker als Partner der Sparkassen zu erkennen geben. Zur Gruppe der öffentlichen Versicherer gehören insgesamt 37 Unternehmen, die derzeit unter verschiedenen Markennamen auftreten: In Bayern heißt der dort aktive Versicherer "Versicherungskammer Bayern", im Rheinland und in Westfalen treten sie unter "Provinzial" auf.

Hoppenstedt sprach sich indes dagegen aus, einen einzigen bundesweit aktiven öffentlichen Versicherer zu schaffen; dadurch gehe die regionale Verankerung verloren, "und die ist Geld wert". Auch von der Zusammenlegung der Filialen von Sparkassen und Versicherern, wie das etwa Allianz und Dresdner Bank mit der Installierung von Versicherungsvertretern in den Bankfilialen vormachen, hält er nichts. Zwar gebe es gemeinsame Marktfelder bei der Kapitalanlage: "Bankdienstleistungen und Sachversicherungen bleiben aber auch künftig ganz unterschiedliche Marktsegmente mit sehr unterschiedlichen Anforderungen."

Keine drastischen Sparprogramme

Der verschärfte Wettbewerb, die anhaltende Börsenflaute und die wachstumsdämpfenden Folgen der Terroranschläge in den USA werden nach Hoppenstedts Einschätzung auch am Sparkassenlager nicht spurlos vorübergehen. Zu drastischen Sparprogrammen und Entlassungen, wie sie die Commerzbank und amerikanische Investmentbanken derzeit starten, sieht der Sparkassen-Präsident freilich keinen Anlass. Dennoch glaubt er, dass der Konzentrationsprozess beschleunigt fortgesetzt wird: Seit seinem Amtsantritt ist die Zahl der Sparkassen durch Fusionen von rund 590 auf 543 gesunken, während die Zahl der Zweigstellen von rund 20 000 auf derzeit etwa 18 700 sank. Konkrete Prognosen für die nächsten Jahre lehnte Hoppenstedt ab: "Wir werden alle Kosten auf den Prüfstand stellen und nicht mehr alle freien Stellen wieder besetzen, aber zu einem abrupten Stellenabbau wird es nicht kommen."

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