Präsident des Industrie- und Handelstages entwickelt "Verständnis" für einen Boykott zahlungsunwilliger Firmen
Zwangsarbeiterfonds fehlen noch immer rund 1,8 Milliarden Mark

Wie Firmen es mit der Entscheidung der NS-Zwangsarbeiter hielten und halten, könnte nach Auffassung von DIHT-Präsident Hans Peter Stiehl bald auch über die Vergabe von Aufträgen entscheiden.

ap HAMBURG. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, Hans Peter Stihl, hat indirekt zu einem Boykott zahlungsunwilliger Firmen aufgerufen. "Ich habe viel (...) Verständnis dafür, dass Firmen bei der Auftragsvergabe berücksichtigen, ob andere in den Fonds einzahlen", sagte er der Zeitung "Bild am Sonntag". Dem Entschädigungsfonds für NS-Zwangsarbeiter fehlen nach jüngsten Angaben der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft noch rund 1,8 Mrd. der zugesagten fünf Mrd. DM. Er erwarte, dass jetzt der Druck auf die deutsche Wirtschaft zunehme, sagte Stihl.

Sehr viele, darunter auch große Firmen hätten sich immer noch nicht gerührt. Laut "Welt am Sonntag" haben erst 3 676 von 220 000 angeschriebenen Firmen Zahlungszusagen gemacht. In der vergangenen Woche seien der Initiative nur 25 Firmen beigetreten.

Der stellvertretende type="unknownISIN" value="FDP">FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle und der CDU-Politiker Norbert Blüm schlossen sich den Boykott-Forderungen an. Brüderle betonte, es sei legitim, bei der Auftragsvergabe darauf zu achten, ob sich ein Zulieferer aus der Verantwortung stehle. Der frühere Arbeitsminister Blüm sagte: "Der Kunde ist König, das gilt auch unter moralischen Kriterien." Das Kapital der Entschädigungsstiftung für ehemalige NS-Zwangsarbeiter soll je zur Hälfte von der Wirtschaft und dem Staat eingezahlt werden.

Der international besetzte Stiftungsrat der Initiative soll sich laut "Welt am Sonntag" am 31. August in Berlin konstituieren. Die Initiative befürchte, dass die deutsche Wirtschaft dabei wegen ihrer zögerlichen Zahlungen weltweit an den Pranger gestellt werde.

Der Sprecher der Stiftungsinitiative, Wolfgang Gibowski, hatte kürzlich erklärt, dass der geplante Beginn der Auszahlungen noch in diesem Jahr durch die fehlenden Zusagen nicht gefährdet sei. Das Gesetz zur Errichtung der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern ist seit dem 12. August in Kraft. Damit läuft auch die Antragsfrist.

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