Präsident des italienischen Hausgeräteherstellers Merloni
Merloni: Herrscher im Waschmaschinenreich

Der 69-Jährige zählt zu den Erfolgsunternehmern Italiens. Er steht auf gleicher Stufe mit Luciano Benetton oder Giorgio Armani. Er machte Merloni zur Nummer drei in Europa.

FABRIANO. Wenn sich Vittorio Merloni etwas Gutes tun möchte, dann geht er in die Garage, dreht den Zündschlüssel eines seiner vier Ferraris um und donnert durch die wunderschöne mittelitalienische Landschaft der Marken.

Wer daraus ableitet, der 69-Jährige sei einer, der auch sonst viel Wind macht, liegt falsch. Vielmehr liebt Merloni die leisen Töne. "Ich habe nie den Padrone gespielt", lächelt der Erfolgsunternehmer, während er bei einem Glas Sagrantino di Montefalco die Ursprünge des heute drittgrößten europäischen Hausgerätekonzerns erzählt.

Gegründet von seinem Vater Aristide produziert die Familie in den Nachkriegsjahren so unterschiedliche Dinge wie Hühnerställe und Feldküchen. Erst unter Vittorio beginnt der Aufstieg für Merloni und damit für das ganze Hinterland der Hafenstadt Ancona. Er ist somit, wie Luciano Benetton, Giorgio Armani oder der Brillenfabrikant Leonardo Del Vecchio einer der typischen Vertreter des italienischen Wirtschaftswunders in den 70er- und 80er-Jahren. "Früher war hier nicht viel los, ein paar Betriebe, vor allem aber Landwirtschaft", erzählt ein alter Mann im "Buffet" am Bahnhof von Fabriano. "Erst Dottor Vittorio hat den Wohlstand hierher gebracht."

Das Rezept des Dottor Vittorio

Dottor Vittorios Rezept klingt simpel: Heute Gewinn machen, um auch morgen wettbewerbsfähig zu bleiben. "Außerdem muss das Unternehmen in Harmonie mit seinem Umfeld leben," fügt der grau melierte Mann hinzu. Seine Devise war immer, die Fabrik zu den Arbeitern zu bringen, statt die Arbeiter in die Städte zu locken. Folge: Während in den 70er- und 80er-Jahren bei Fiat in der Millionenmetropole Turin Klassenkampf angesagt war, hatte Merloni seine Belegschaft im Griff. Gewerkschaftlich organisiert waren selbst in den "bleiernen Jahren" der sozialen Auseinandersetzung beim Hausgerätehersteller maximal vier von zehn Arbeitern. "Schon der alte Aristide ging morgens in die Hallen und begrüßte jeden per Handschlag", sagt ein ehemaliger Merloni-Arbeiter. "Auch wenn die Firma dafür inzwischen zu viele Menschen beschäftigt, bleibt dieser Stil unter Vittorio bis heute gültig."

Dennoch ist Merloni kein Softy. 1984 drückte er als Arbeitgeberpräsident gegen den scharfen Protest der größten Gewerkschaft des Landes die Abschaffung der automatischen Lohnanpassung an die Inflation durch. Neben taktischer Schläue zeichnete ihn dabei sein langer Atem aus, was ihm bis heute auch als Unternehmer zu Gute kommt. So hatte er bereits 1987 den ersten Kontakt zu Lord Weinstock von GEC geknüpft, um den Hausgerätebereich der britischen Firma zu erwerben. Erst in diesem Jahr - 15 Jahre später - hat Merloni endlich die Sparte GDA mit der Marke Hotpoint übernehmen können und sich dadurch auch in England zum Marktführer gemausert.

"Familienkapitalismus garantiert Stabilität"

Strategien, sagt Vittorio Merloni, seien am ehesten in familiengeführten Unternehmen umsetzbar. "Der Familienkapitalismus garantiert Stabilität", so das Credo des Hobbyseglers. Gerade in unsicheren Zeiten sei dies wichtig. Allerdings müssten Familienunternehmen über klare Entscheidungsmechanismen verfügen; analog zur "Corporate Governance" bedürfe es einer "Family Governance".

Bei Merloni heißt das: Keines seiner vier Kinder (zwei Töchter, zwei Söhne) arbeitet aktuell im Unternehmen. "Ich kann doch nicht einen Vertreter des Großaktionärs unter dem angestellten Vorstandschef arbeiten lassen! Das würde Verwirrung stiften."

Dieser in Italien unübliche Ansatz ist das Ergebnis einer Arbeitsgruppe hochkarätiger Ökonomen und Manager, die Merloni seinerzeit beauftragte, Richtlinien für eine optimale Nachfolgeregelung zu erarbeiten. Mit dabei waren damals Renato Riverso, früher Chef der Alitalia, und Joseph Brower von der Harvard Business School. Sie orteten als Schlüsselproblem von Familienfirmen Differenzen zwischen dem Management und der Familie.

Anders als etwa bei Fiat sind sie bei Merloni bislang nicht zu Tage getreten.

Vita

Vittorio Merloni, 1933 als einer von drei Söhnen des Unternehmers Aristide in der mittelitalienischen Region Marken geboren, studiert Betriebswirtschaft in Perugia. 1975 gründet er den Hausgerätehersteller Merloni Elettrodomestici, dessen Präsident er bis heute ist. Die Familie Merloni kontrolliert mehr als die Hälfte der Anteile. Er beschäftigt sich als Präsident des Unternehmerverbandes Assonime mit der Verbesserung der Corporate-Governance-Regeln und der Transparenz in Italiens Aktiengesellschaften. Merloni ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.

Quelle: Handelsblatt

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