Präsident Putin kehrt nach Moskau zurück
Britisches Spezial-U-Boot soll russische Matrosen retten

Am Samstag wollen die Briten das gesunkene U-Boot errreichen. Die Bürger von Murmansk konnten heute die Namen der Eingeschlossenen beim Frühstück erfahren. Eine Lokalzeitung hatte die Geheimliste gekauft.

afp MURMNANSK/MOSKAU. Fast eine Woche nach der Havarie des russischen Atom-U-Boots "Kursk" richten sich alle Hoffnungen auf Rettung der Matrosen auf ein britisches Spezial-U-Boot. Die britische Marine sei "optimistisch", dass das Andockmanöver zur Bergung der 118 eingeschlossenen Seeleute ab Samstag in der Barentsee gelingen werde, sagte der Kommandeur des Rettungskommandos, Tim Chittenden, im britischen Rundfunk. Dennoch war am Freitag weiter unklar, ob an Bord der "Kursk" überhaupt noch Überlebende waren. Präsident Wladimir Putin wollte am Freitagabend von einem GUS-Treffen in Jalta am Schwarzen Meer zurück nach Moskau fliegen. Derweil veröffentlichte eine russische Lokalzeitung in Murmansk die geheime Besatzungsliste der "Kursk". Die staatliche Ölgesellschaft Lukoil bot den Familien der verunglückten Matrosen finanzielle Hilfe an.

Das britische Spezial-U-Boot "LR5" soll an der einzigen noch intakten Ausstiegsluke der "Kursk" festmachen. Ein norwegisches Schiff mit britischen und norwegischen Tiefseetauchern an Bord, die beim Andockmanöver helfen sollen, verließ nach Angaben der Reederei am Freitag den Hafen von Tromsö. Der russischen Marine gelang es am Freitag erstmals, eine ihrer Rettungskapseln über einer Ausstiegsluke des havarierten Atom-U-Bootes zu platzieren. Die Mannschaft in der Kapsel scheiterte aber mit dem Versuch, an der Luke festzumachen, wie ein Korrespondent des staatlichen russischen Fernsehsenders RTR berichtete.

Der Generalstab der Nordmeerflotte änderte erneut seine Angaben zum Sauerstoff-Vorrat an Bord. Demnach könnten die Reserven am Montag verbraucht sein, wie Itar-Tass berichtete. Zuvor hatte es geheißen, der Sauerstoff könne noch bis zum 26. August reichen. Die russische Marine erhielt eigenen Angaben zufolge seit Montag kein Lebenszeichen mehr von der Besatzung des gesunkenen Atom-U-Bootes "Kursk". Der Funkkontakt mit der Besatzung der "Kursk" war bereits gleich nach der Havarie am Samstag zusammengebrochen. Die Mannschaft hatte sich den Angaben der Marine zufolge aber mit Klopfzeichen gegen den Bootskörper in mehr als 100 Metern Tiefe bemerkbar gemacht.

Nach der heftigen Kritik an Putin in Presse und Öffentlichkeit entschied sich der Präsident am Freitagabend nach Moskau zurückzufliegen, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Putin nahm in Jalta an einem informellen Gipfeltreffen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) teil. Zuvor hatte er in Sotschi am Schwarzen Meer Urlaub gemacht. Dass Putin als Oberfehlshaber der Streitkräfte seinen Urlaub nicht früher abbrach, kritisierte auch der letzte sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow. Putin habe "einen schweren Fehler" gemacht, sagte Gorbatschow im Hörfunk. Putin hatte sein Fernbleiben mit dem Argument gerechtfertigt, er habe die Rettungskräfte nicht stören wollen.

Derweil veröffentlichte die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" in ihrer Murmansk-Ausgabe am Freitag die geheime Besatzungsliste der "Kursk". Diese hatte sie eigenen Angaben zufolge von einem ranghohen Marineoffizier für umgerechnet rund 1300 Mark gekauft. Die Angehörigen der Matrosen hätten das Recht zu erfahren, wer sich an Bord des verunglückten Bootes befinde. Den Familien der "Kursk"-Insassen sagte die staatliche Ölgesellschaft Lukoil finanzielle Unterstützung zu. Das Unternehmen will eigenen Angaben zufolge die Kosten für Reise und Unterkunft der Angehörigen in Sewerodwinsk nahe der Unglücksstelle zahlen.

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