Präsident tritt zurück
KSC weiter in der Krise: Keine Entlastung

Der Karlsruher SC steckt sportlich, personell und finanziell weiter tief in der Krise. Nur einen Tag nach der Entlassung von Cheftrainer Stefan Kuntz verweigerten die Mitglieder des Tabellenletzten der 2. Fußball-Bundesliga ihrem Ex-Präsidenten Detlef Dietrich die Entlastung.

HB/dpa KARLSRUHE. Zudem kündigte dessen Nachfolger Gerhard Seiler nach nur wenigen Monaten Amtszeit seinen Rücktritt an. Bei nur vier Gegenstimmen beschloss die Hauptversammlung des KSC am Donnerstagabend, die Entscheidung über eine Entlastung Dietrichs solange zurückzustellen, bis geklärt ist, ob der Verein den Steuerberater und Wirtschaftsprüfer für sein Verhalten haftbar machen kann. In diesem Fall könnten die Badener bis zu 1,5 Mill. Euro aus einer Vermögensschadenshaftpflichtversicherung ziehen. Dietrich selbst fehlte bei der Versammlung, weil er im Urlaub ist.

Unter der Führung des im Februar zurückgetretenen Oberfranken hatte der Verein insgesamt 6,4 Mill. Euro Eigenkapital eingebüßt und in der letzten Saison rund vier Millionen Euro Verlust gemacht. Laut Bilanz drücken den KSC Bankschulden und private Kredite in Höhe von 4,5 Mill. Euro. Dazu kommen Verbindlichkeiten von weiteren vier Millionen Euro, die durch laufende Erträge und nicht abgerufene Bürgschaften abgedeckt sind.

Zusätzlich droht dem Traditionsclub ein Bußgeld der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Höhe von 216 000 Euro, weil das Eigenkapital in der letzten Saison entgegen der Auflagen um zwei Millionen Euro vermindert wurde. "Wir haben keine Reserven mehr, wir haben ordentlich Schulden", konstatierte KSC-Präsident Seiler. Dennoch sei der Verein bis April kommenden Jahres "in sicherem Fahrwasser". Eine Liquiditätskrise wie im Vorjahr werde sich nicht wiederholen. Die Frage, ob es im Abstiegsfall noch einen Regionalligisten KSC geben werde, beantwortete Seiler allerdings unzweideutig: "Nach meiner Einschätzung nicht."

Schwere Vorwürfe gegen Dietrich


Peter Mayer, der Vorsitzende des Verwaltungsrates, erhob ebenfalls schwere Vorwürfe gegen Dietrich: "Der Haushalt war nicht solide aufgestellt", sagte Mayer. Entweder seien Positionen vergessen oder falsch aufgestellt worden, oder das Präsidium um Dietrich habe einfach "eins und eins falsch zusammengezählt". Gleichzeitig trat der Bankdirektor Vorwürfen entgegen, das Kontrollorgan sei seinen Pflichten nicht nachgekommen: "Wenn sie einen fehlerhaft aufgestellten Haushalt kontrollieren, kontrollieren sie ein Phantom."

Neben einem Nachfolger für Kuntz muss der KSC nun auch einen neuen Präsidenten suchen. Der amtierende Vereinschef Seiler kündigte seinen baldigen Rückzug an. "Mein Rücktritt hat sehr persönliche Gründe", sagte der frühere Oberbürgermeister. Mit der derzeitigen Lage des Vereins habe er jedoch nichts zu tun. Der 72-jährige Seiler hatte das Amt im Februar zunächst kommissarisch übernommen und war bald darauf mit über 99 Prozent der Stimmen an die Vereinsspitze gewählt worden.

Spendensammelaktionen für die Lizenz


In einer beispiellosen Spendensammelaktion hatte er bei Institutionen und Wirtschaft 1,6 Mill. Euro losgeeist und dem KSC so die Lizenz für die 2. Liga gerettet. Die Mitglieder würdigten diese Leistung mit minutenlangen Ovationen. Als aussichtsreicher Nachfolgekandidat für Seiler gilt Verwaltungsratschef Peter Mayer.

In der Trainerfrage ist nach Angaben des zuständigen Vize- Präsidenten Michael Steidl noch keine Entscheidung gefallen: "Uns liegen bereits eine Vielzahl von Bewerbungen vor, der KSC scheint trotz allem noch ein interessanter Club zu sein."

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