Präsidenten-Château bleibt von lärmenden Nachbarn verschont
Die Tricks des Schlossherren Jacques Chirac

Der Schlossherr wünscht, nicht gestört zu werden. Schon immer sorgte Jacques Chirac dafür, dass um sein kleines Märchenschloss Bity im französischen Zentralmassiv Ruhe herrsche. So gilt ein Flugverbot in einer Vier-Kilometer-Zone, und neugierige Besucher werden von Gendarmen abgefangen.

afp PARIS. Und vor rund einem Vierteljahrhundert, so berichtet die Wochenzeitung "Le Canard enchaîné", verfiel der heutige Staatschef auf einen besonderen Trick: Er soll eine wohltätige Stiftung zum Kauf eines Grundstücks direkt neben seinem Schloss veranlasst haben, um es zu blockieren und womöglich lärmende Nachbarn fernzuhalten. Die Stiftung erhielt danach doppelt so hohe Zuwendungen der Stadt Paris - dort war der Gaullist Chirac gerade Bürgermeister geworden. Während der Präsident gerade Sommerurlaub an der Côte d'Azur macht, redet Paris über das "Château Chirac".

Die Stiftung, die alten und behinderten Menschen hilft, trägt den Namen Claude Pompidous, der Frau des einstigen Präsidenten und Förderers Chiracs. Für das fünf Hektar große Gelände direkt neben dem Schloss zahlte sie 1978 500 000 Franc (heutiger Wert rund 420 000 Mark) - ohne es jemals zu nutzen. Chirac soll damals Kassenwart der Stiftung gewesen sein und den Vorsitzenden das Gelände schmackhaft gemacht haben; so könne dort eine Senioren-Residenz errichtet werden. Aus diesen Plänen ist nie etwas geworden, das Gelände liegt bis heute brach und das Schloss Bity, das die Chiracs 1969 kauften und mit staatlicher Hilfe renovieren ließen, bleibt ein Ort der Ruhe in der malerischen Corrèze-Region.

Öffentliche Gelder für Stiftung ab 1978 verdoppelt

Damals, als ein gewisser Henri Joly das Grundstück zum Verkauf anbot, war von einem kleinen Wasserkraftwerk in der Region die Rede, am Ufer der vorbeifließenden Corrèze. Ein Kraftwerk hätte für Unruhe gesorgt, für eine Senioren-Residenz hingegen, wie von Chirac angeregt, war die hochwassergefährdete Region eher ungeeignet. Die 500 000 Franc hat die Stiftung also umsonst ausgegeben. Allerdings wurden laut "Le Monde" ab März 1978 die öffentlichen Gelder für die in Paris ansässige Hilfsorganisation von 175 000 auf 350 000 Franc verdoppelt. Die Stiftung dementierte, Gelder aus den öffentlichen Kassen der Hauptstadt für den Grundstückskauf verwendet zu haben, der Pariser Elysée-Palast hüllt sich in Schweigen.

Juristisch sei das alles nicht anfechtbar, kommentierte "Le Monde". Aber die Geschichte zeuge von einer bestimmten Selbstbedienungsmentalität unter Politikern der Rechten wie der Linken, die sich inzwischen überlebt habe. Dabei ist der 68-jährige Staatschef fast nie in seinem Schloss, einem zugigen Gemäuer aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich auch Leo Trotzki 1935 einmal aufhielt. Seine Frau, die geborene Adlige Bernadette Chodron de Courcel, schon eher, denn sie ist Vize-Bürgermeisterin des nahe gelegenen Städtchens Sarran. Staatsgäste hat Chirac nur einmal im Schloss empfangen, nämlich den chinesischen Präsidenten Jiang Zemin. Bei einem abendlichen Festmahl begossen die beiden Staatsmänner im Herbst 1999 den Milliardenauftrag Chinas für 28 Airbus-Flugzeuge.

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