Präsidentschaftswahl
US-Wirtschaftsführer bangen um ihre Freiheiten

Die US-Wirtschaft fiebert der Präsidentschaftswahl entgegen. Längst nicht alle Wirtschaftszweige wünschen sich einen demokratischen Präsidenten. Vor allem Banken, Hedge-Fonds und Private Equity-Firmen sehen eine Regierung Obama mit Skepsis. Dennoch will sich gerade an der Wall Street niemand offen hinter McCain stellen.

ebe/rüd NEW YORK. Die Wirtschaft in den USA wird morgen wie selten zuvor an Wahltagen zittern. Ökonomen und Wall-Street-Analysten bewerten die anstehende Entscheidung als die wichtigste seit Jahrzehnten, weil im Zuge der Finanzkrise einschneidende Änderungen für "Corporate America" zu erwarten sind. Das gilt insbesondere für den Fall, dass der Demokrat Barack Obama seinen Prognose-Vorsprung ins Ziel bringen sollte. Die Demokraten verfügen schon jetzt über Mehrheiten im Kongress - mit spürbaren Auswirkungen. So sehe sich die US-Wirtschaft mit dem "größten Machtgewinn der Regierung über das Finanzsystem seit der großen Depression" konfrontiert, sagt US-Aktienstratege Cormac Weldon von der Investmentfirma Threadneedle. Sollten die Demokraten ihre Macht ausbauen, erwartet Weldon eine deutlich schärfere Regulierung der Finanzwirtschaft. Das dürfte vor allem die Geschäfte von Banken, Hedge-Fonds und Private Equity-Firmen belasten, deren riskantes Spiel mit Schuldenhebeln maßgeblich zum Ausbruch der Kreditkrise beitrug.

Für einen Sieg der Demokraten könnten sich am ehesten die US-Branchen Bau, Industrie und Technologie erwärmen, weil Obama zur Überwindung der Krise in den USA große Infrastrukturprojekte anschieben will. Auch konsumnahe Firmen und Händler drücken mehrheitlich Obama die Daumen, weil sie auf milliardenschwere Stimuluspakete zur Stärkung der Binnenkonjunktur hoffen. Wirtschaftszweige wie Energie, Pharma und Verteidigung fürchten derweil um ihre Rekordrenditen, sollte sich das regulatorische Umfeld nach der Wahl maßgeblich ändern.

Obama hat zuletzt mehrfach erkennen lassen, dass er etwa den jüngsten Quartals-Rekordgewinn des Ölkonzerns Exxon Mobil über 14,83 Mrd. Dollar für unanständig hoch hält. Nicht wenige Vorstandschefs in "Corporate America" sehen eine Regierung Obama mit Skepsis, weil er für einen Linksschwenk mit mehr Staat und höheren Steuern für Besserverdienende steht.

Auffällig ist, dass sich in der Endphase des Wahlkampfs dennoch keine Wall-Street-Koryphäe offen hinter McCain gestellt hat. Während Hochkaräter wie Warren Buffett und Google-Chef Eric Schmidt aktiv für Obama trommeln, hat McCain zuletzt eine ganze Schar von Wirtschaftsberatern mit seinem populistischen Wall-Street-Haudrauf vergrätzt. Prominente Wirtschaftsführer wie Private-Equity-Guru Henry Kravis, Cisco-Chef John Chambers oder die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman hätten McCain vergebens davor gewarnt, die Wall Street zum Sündenbock für die Probleme der US-Wirtschaft zu machen, berichtet das "Wall Street Journal". Obama weiß derweil eine Reihe prominenter Wirtschaftslenker hinter sich.

Mehr als 26 Mio. Amerikaner sahen in der Vorwoche Google-Chef Schmidt dabei zu, wie er in Obamas halbstündigem Wahlwerbespot den Demokraten lobte. Dessen Wirtschaftsprogramm sei der richtige Plan für Amerika. Neben dem traditionell demokratischen Kalifornien setzen auch wichtige Spieler der Wall Street auf Obama. Der prominenteste Investor auf Seiten der Demokraten: Warren Buffett. "Er ist mein Favorit", hatte der 78-Jährige öffentlich über Obama gesagt. Mit George Soros gehört eine weitere Investorenlegende zum Obama-Lager. Er sei eine außergewöhnliche Persönlichkeit und habe das Potenzial, "Amerika wirklich zu verändern", schwärmte Soros. Zu McCain fiel ihm ein, dass er ihn zwar respektiere; doch sei der Kriegsveteran "ja quasi vorsintflutlich".

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