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Prag entsendet Kundschafter nach Kuwait

Nach Berlin hat auch Prag die Entsendung von Truppen nach Kuwait bekannt gegeben. Verteidigungsminister Jaroslav Trvdik sagte am Mittwoch morgen, die tschechischen Soldaten einer Schutzeinheit gegen chemische und biologische Waffen würden im März nach Kuwait ausrücken.

jow PRAG. Bereits Mitte Januar werde ein Erkundungskommando vorausgeschickt, im Februar soll eine Vortruppe folge. Tschechiens Generalstabschef Jiri Sedivy zufolge ist der Einsatz von insgesamt 350 Mann geplant, die mitsamt Technik schon jetzt bereit stünden.

Die Entsendung geschehe im Rahmen des Anti-Terror-Kampfs der USA, so die Militärspitze. Der Auftrag bestünde darin, "Truppen der vereinten Streitkräfte vor biologischen und chemischen Waffen zu schützen". Dies zielt gegen den Irak, der für sein Arsenal an derartigen Waffen bekannt ist. Schon 1990 und 1991 - bei der Besetzung Kuwaits durch den Irak - hatten tschechische Einheiten an der Seite der Westmächte gegen Bio- und Chemiewaffen des Irak und für die Befreiung Kuwaits gekämpft.

Die Entsendung der Tschechen kommt nicht von ungefähr. Denn britischen und US-Sicherheitsanalysen zufolge verfügt der irakische Führer Saddam Hussein u.a. über eine Flotte in Tschechien gebauter bewaffneter Militärtrainingsjets der Typen L-29 und L-39. Diese seien zu unbemannten Marschflugkörpern umgebaut worden, die atomare, biologische und chemische Kampfstoffe tragen könnten. Britische Quellen sprechen von einer "Anthrax Air Force". Die Flotte von ursprünglich rund 80 Trainingsjets sei bei bisherigen Angriffen nur zum Teil getroffen worden. Der Export in den Irak soll über Drittländer erfolgt sein. Laut Statistik hat Tschechien Trainingsjets nach Thailand, Angola und Algerien geliefert. Auch die USA hatten den Jet zu Testzwecken erstanden.

Die Truppenanballung in Kuwait lässt darauf schließen, dass die USA von März an den Kampf gegen den Terror auf den Kuwait-Nachbarn Irak ausdehnen könnten. Dazu müssten sich die bisher vagen Spuren einer Verwicklung des Irak in die Terror-Anschläge auf die USA vom 11. September 2001 verdichtet haben. Eine der Spuren führt nach Prag, wo der mutmaßliche Terror-Ringführer Mohamed Atta im April 2001 den irakischen Agentenführer und Diplomaten Ahmad Al-Ani getroffen.

Dem von Prag offiziell bestätigten Treffen gingen mehrere frühere Besuche Attas in Tschechien voraus, von denen einer 1996 und ein weiterer 2000 erfolgt sein soll. Über den Zweck der Besuche und die Inhalte des oder der Treffen zwischen Atta und Al-Ani herrscht Stillschweigen.

Auf Deutschland könnte die Ausdehnung des Anti-Terror-Kampfs auf den Irak direkte Auswirkungen haben. Der Bundesverfassungsschutz hatte vor wenigen Monaten einen Handelsblatt-Bericht bestätigt, wonach der Irak von Prag aus die Einschleusung von getarnten Agenten nach Deutschland koordiniert.

Die irakischen Schleuserkanäle, deren Fäden Al-Ani gezogen haben soll, könnten im Falle eines neuen Irak-Kriegs zu einem akuten Sicherheitsrisiko für Deutschland werden. Tschechische Sicherheitsbeamte verweisen darauf, dass der irakische Geheimdienst Tschechien mit einem Firmennetz überzogen habe, das sich offiziell mit Geldwechsel, Touristik und Autoverleih befasse. Ermittler in Prag hegen den Verdacht, dass auch Terror-Organisationen um El-Kaida diese Kanäle nutzen oder genutzt haben könnten, um Deutschland und Westeuropa zu infiltrieren.

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