Prag will rund 6,3 Mrd. Euro erlösen: Hochspannung bei Tschechiens Stromprivatisierung

Prag will rund 6,3 Mrd. Euro erlösen
Hochspannung bei Tschechiens Stromprivatisierung

Der Verkauf des tschechischen Stromkonzerns CEZ steht auf Messers Schneide. Ein Sprecher des Staatsvermögensfonds sagte am Montagabend, die ressortübergreifende Privatisierungskommission habe zwar neue Angebote der Finalisten für die Privatisierung der Stromwirtschaft verhandelt. Eine Entscheidung werde aber erst am Mittwoch im Kabinett gefällt.

jow PRAG. Im Finale stehen der französische Stromriese EDF und ein italienisch-spanisches Konsortium aus den Stromkonzernen Enel und Iberdrola. Der Montag galt als Stichtag für die Abgabe neuer Angebote in der bereits zweiten Privatisierungsrunde für CEZ. Die erste Runde war wegen zu niedriger Angebote gescheitert. Prag erwartet einen Erlös von mindestens 200 Mrd. Kronen (6,3 Mrd. Euro) aus dem gebündelten Verkauf von CEZ, dem Hochspannungsnetz Ceps und Staatsaktien in sechs regionalen Stromversorgern.

Die EDF ließ am Montag über Nachrichtenagenturen wissen, sie habe ein neues Angebot eingereicht. Sie teilte aber nicht mit, in welcher Höhe. Dann zog eine von der Nachrichtenagentur Reuters nicht näher bezeichnete Quelle für Enel nach - ebenfalls ohne Angabe eines Kaufpreises.

Aus dem Umfeld der Kommission machten Spekulationen die Runde. Eine Variante besagt: Weder EDF noch Enel böten die von Prag gefor-derten 200 Mrd. Kronen. Damit würde der Verkauf vertagt. Dies komme vor allem der EDF zu Gute, deren Liquidität für Neuaquisititionen erschöpft seien und die zudem auf die EU-Kartellbehörde achten müsse, so Quellen aus dem Umkreis der Privatisierung.

Eine andere Variante dagegen geht davon aus, dass EDF zwar 200 Mrd. Kronen für das tschechische Energiebündel bietet, aber zeitlich gestaffelt. Die Zahlung würde dann über einen längeren Zeitraum gestreckt und wäre an Verkäufe anderer EDF-Konzernteile gekoppelt. Dadurch ginge die Ostexpansion der Franzosen einher mit einem Abspe-cken der EDF in Westeuropa.

Deutsche Konzerne - etwa RWE und EON - zogen sich früh aus der CEZ-Privatisierung zurück, obgleich sie zuvor kräftig in Tschechiens Stromwirtschaft investiert hatten. Hintergrund des deutschen Rückzugs waren mehrere Änderungen in der CEZ-Ausschreibung, die Analysten zufolge auf die EDF zugeschnitten waren. Beide CEZ-Finalisten - Enel und EDF - wollen von Tschechien aus in die Region und in den deutschen Markt vorstoßen.

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