Praktischer Einsatz von Benotungssysteme in der Praxis oft zu schwierig
Ratings müssen besser werden

Banken haben zwar inzwischen zuverlässige Ratingsysteme, doch sie sind in vieler Hinsicht verbesserungswürdig.

nw FRANKFURT/M. Neben regelmäßigen Prüfungen, ob etwa die vorhergesagten Ausfallquoten von Krediten mit den tatsächlichen Werten übereinstimmen, müsse immer wieder gefragt werden: Werden die Ratingmodelle in der täglichen Arbeit von den Bankmitarbeitern richtig verstanden und angewandt? Zu dieser Einschätzung kamen Bankexperten und Wissenschaftler auf einem Symposium des Center for Financial Studies (CFS) in Frankfurt. "Das Know-How und die Methodenqualität in den Banken sind hoch, aber noch verbesserungsfähig", sagte Sebastian Fritz, Leiter Risikoanalyse und-instrumente bei der Deutschen Bank.

Die Rating-Experten in den Banken kämpfen zurzeit vor allem mit zwei Problemen: Für viele Finanzierungen gibt es noch keine ausreichenden Daten, um mit statistischen Methoden zuverlässige Aussagen treffen zu können über Ausfallwahrscheinlichkeiten und mögliche Verluste. Beispielsweise sind Projektfinanzierungen für staatlich-private-Gemeinschaftsprojekte noch ein relativ junges Geschäft.

Zweitens ist es oft schwierig, theoretisch ausgefeilte Modelle so weit herunterzubrechen, dass sie "am Bankschalter" genutzt werden. Ratingverfahren müssen von den Mitarbeitern soweit verstanden werden, dass sie diese richtig anwenden können.

Der Druck auf die Finanzhäuser ihre Ratingsysteme weiterzuentwickeln, ist sehr groß, wie in den Diskussionsbeiträgen deutlich wurde. Eine Ursache sind die neuen Eigenkapitalregeln für Banken - Basel II genannt -, die hohe Anforderungen an die Ratingsysteme der Banken stellen. "Die Regulierer müssen flexibel bleiben. Expertise und Erfahrung in den Banken sind mindestens so wichtig wie statistische Verfahren", forderte Günther Herion, Direktor im Kreditmanagement der WestLB.

Danièle Nouy, Generalsekretärin des für Basel II verantwortlichen Komitees bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sagte denn auch zu, dass das neue Rahmenwerk viel Flexibilität bei Modellierung und Anwendung der Ratingsysteme lassen und auch den nationalen Aufsehern in diesem Punkt Spielraum geben werde. So sollen Banken beispielsweise für den Übergang zu fortgeschrittenen internen Ratingsystemen Erleichterungen bei Kreditportfolios bekommen, die nach Volumen und Risiko keine große Bedeutung für die Bank haben, etwa Lateinamerika-Engagements einer französischen Großbank.

David Townsend, bei der britischen Barclays Group verantwortlich für das Risikomanagement, wies auf ein großes Problem hin: Nach dem derzeitigen Basel II-Entwurf gebe es große Spannungen zwischen den Zielen, die Basel II für Ratings setze, und denen, die Banken intern verfolgen. "Es ist falsch, ein Ratingsystem zu entwickeln, um die Aufseher zufrieden zu stellen. Das ist nicht das wichtigste Ziel." Sehr wichtig für die Banken seien die internen Ratings, um Preise zu setzen, das Kreditportfolio zu managen und die Wertentwicklung zu messen.

Deutsche-Bank-Risikofachmann Fritz betonte, wie wichtig es sei, die Basel II-Ratingregeln flexibel zu setzen. "Wenn die Regulierer so weit gehen, zu fordern, dass ein Kunde von allen Banken mit dem gleichen Rating bewertet werden muss, werden alle Banken letztlich die gleichen Methoden anwenden und sich dementsprechend gleich verhalten. Das führt zu einem Systemrisiko", sagte Fritz.

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