Pralinenproduzent verringert Verlust
Lindt verkauft mehr Schokolade

Seit Ernst Tanner vor einem knappen Jahrzehnt die Verantwortung für die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG übernommen hat, bewegt sich der Schweizer Premium-Markenartikler in ruhigem Fahrwasser beständig vorwärts.

ef HB ZÜRICH. Die Aufwärtsentwicklung hielt auch im ersten Halbjahr 2002 an: Der Konzernumsatz erhöhte sich trotz weltweiter Konsumflaute um 2,7 % auf 640,3 Mill. sfr (435 Mill. Euro). Wird die Abwertung von Dollar und Euro gegenüber dem Schweizer Franken berücksichtigt, ergibt sich sogar ein Plus von 6,3 %

.

Da bei Lindt & Sprüngli im ersten Halbjahr nur rund 40 % der Jahresumsätze erzielt werden, aber die Hälfte der Fixkosten aus Produktion, Administration und Marketing anfallen, weist der Konzern traditionell einen Verlust aus. Mit minus 19 Mill. sfr fiel das Halbjahresergebnis allerdings 8,7 % besser aus als im Vorjahreszeitraum. Auch für das Gesamtjahr ist der Konzern aus Kilchberg am Zürichsee zuversichtlich, Konzernumsatz und Ergebnis ähnlich stark wie in der ersten Jahreshälfte zu steigern. Im zweiten Halbjahr erwartet Lindt & Sprüngli keine Änderung der schwierigen Marktverhältnisse. Umsatzsteigerungen seien angesichts der schlechten Konsumstimmung nur über Tiefstpreise oder durch Innovationen zu erreichen, heißt es bei Lindt.

Da sich der Schokoladenhersteller ausschließlich im Premiumsegment bewegt und an dieser Strategie festhält, will er sich weiter auf Innovationen und überzeugende Marktaktivitäten konzentrieren. Dem Saison- und Ereignisgeschäft - zu Valentinstag, Ostern, Muttertag oder Weihnachten - misst das Unternehmen eine steigende Bedeutung bei.

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes blieben die europäischen Landesgesellschaften für Lindt & Sprüngli die am schnellsten wachsenden Märkte. In den wichtigsten Märkten - Deutschland, Frankreich und Italien - hat das Unternehmen nach eigenen Angaben Marktanteile gewonnen. Hier zu Lande hat Lindt Anfang August eine Boutique in Berlin eröffnet, in der ausschließlich eigene Ware in ansprechender Atmosphäre verkauft wird. Nach einer Pilotphase von zwölf Monaten will das Unternehmen entscheiden, ob weitere Boutiquen in Zusammenarbeit mit dem Handel eröffnet werden sollen. Zweistellige Zuwachsraten erzielte Lindt & Sprüngli erneut in Nordamerika. Bis Ende 2002 soll es in den USA bereits 90 Boutiquen geben. Auf vergleichbarer Basis sind diese im ersten Halbjahr um 7 % gewachsen. Durch die Boutiquen habe sich der Bekanntheitsgrad der Marke "Lindt" im ganze Land erhöht, teilt der Konzern mit. Unter den übrigen Märkten schnitt Australien gut ab. In Lateinamerika, dem Mittleren Osten und Asien gingen die Umsätze dagegen zurück.

Pascal Prüss, Analyst der Zürcher Kantonalbank, schätzt auf der Basis der erwarteten Gewinne 2003 das Kurs-/Gewinn-Verhältnis der Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli auf 15,9. Positiv bewertet Prüss, dass es dem Konzern in dem schwierigen Umfeld gelungen ist, weiter zu wachsen. Die Umsätze anderer Schokoladehersteller, beispielsweise von Nestlé, stagnierten.

Ein Erfolg sei auch das Wachstum in Deutschland und der gelungene Turnaround in Frankreich. Im zweiten Halbjahr dürfte Lindt & Sprüngli auch davon profitieren, dass der US-Umsatz im wichtigen Weihnachtsquartal 2001 unter den Terroranschlägen vom 11. September gelitten hatte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%