Praxisgebühr denkbar
Rürup will radikalen Kurswechsel

Einen radikalen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik hält der Vorsitzende der neuen Reformkommission der Bundesregierung, Bert Rürup, für unvermeidlich.

HB/dpa DARMSTADT. Langfristig sollten so genannte Kopfpauschalen das lohnabhängige Beitragssystem ersetzen, sagte er der Tageszeitung "Darmstädter Echo" (Donnerstag). Er bekräftigte seine Forderung, das Rentenalter ab 2011 schrittweise auf 67 Jahre zu erhöhen.

"Derzeit ließe sich das Gesundheitssystem mit einer Kopfprämie von 200 Euro im Monat finanzieren - bei einer beitragfreien Mitversicherung von Kindern", sagte Rürup. Die Prämie könne auch für Beamte und Selbstständige erhoben werden. Für Geringverdiener müsse es allerdings einen steuerlichen Ausgleich geben. Der Arbeitgeberanteil werde steuerfrei ausgezahlt. Dadurch sei das Kopfprämien-Modell wesentlich beschäftigungsfreundlicher. "Ohne eine solche Umstellung sind die Reformmöglichkeiten des derzeitigen Systems relativ begrenzt", sagte der Wissenschaftler.

Wettbewerb im Gesundheitswesen fehlt

Das Gesundheitswesen leide an fehlendem Wettbewerb. Deshalb will Rürup die Kassenärztlichen Vereinigungen abschaffen. Stattdessen sollten Krankenkassen mit Ärzten und Krankenhäusern direkt Preise aushandeln. Dies müsse mit dem «Hausarztprinzip» kombiniert werden. "Das heißt: kein teurer Facharztbesuch ohne entsprechende Überweisung", erläutert Rürup. Denkbar sei auch die Einführung einer Praxisgebühr von 10 Euro für jeden nicht präventiven Arztbesuch. "Das wäre ein Anreiz, Bagatellkrankheiten wieder verstärkt selbst zu behandeln."

Patienten-Chipkarte, transparente Arztrechnungen und eine Positivliste für Medikamente sollten ebenfalls eingeführt werden, um teure Doppeluntersuchungen und Therapien zu unterbinden. Auch beim Arzneimittelvertrieb sieht der Wissenschaftler "massiven Deregulierungsbedarf". Die Liste reiche von der Aufhebung der Preisbindung über die Zulassung des Internethandels bis zur Möglichkeit, Apothekenketten zu bilden. Durch mehr Wettbewerb werde es auch bei den 300 Krankversicherungen zu einem Konzentrationsprozess kommen.

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