Preis des österreichischen Konkurrenten BBAG gilt als überzogen
Die Schönrechner von Heineken

Die Skepsis unter den Investoren ist groß: 1,9 Mrd. Euro will der niederländische Brauerei-Konzern Heineken für die Übernahme des Wettbewerbers Österreichische Brau-Beteiligungs-Aktiengesellschaft (BBAG) ausgeben. Zahlreiche Analysten halten diesen Preis für viel zu hoch. Seit Heineken den Kauf vor zwei Wochen bekannt gegeben hat, entwickelte sich der Aktienkurs entsprechend schlecht.

AMSTERDAM. Jetzt könnte allerdings wieder etwas Bewegung in die Aktie kommen: Heineken-Chef Anthony Ruys teilte überraschend mit, dass die Übernahme für sein Unternehmen nun doch günstiger werde als zunächst angenommen. Denn ursprünglich wollte Heineken seine Kosten durch den Deal jedes Jahr um 40 Mill. Euro senken. Jetzt seien aber sogar 80 Mill. Euro drin, verspricht Ruys. Die verblüffende Erklärung des Managers: Heineken sei in seinen Annahmen einfach viel zu zurückhaltend gewesen. So soll allein der Abbau von Überschneidungen im Geschäft die Kosten um 40 Mill. Euro drücken. Zudem seien Einschnitte im Österreichgeschäft von BBAG in Höhe von 20 Mill. Euro möglich. 15 Mill. Euro sollen in die Kassen fließen, weil BBAG nun zusätzlich Heineken-Bier in die Regale stellt. Darüber hinaus wird die Fruchtsaft-Marke Pago von BBAG künftig auch in Frankreich und Spanien verkauft. Erwartete Zusatzeinnahmen: jährlich 5 Mill. Euro.

Nicht alle Analysten glauben allerdings, dass Heineken einfach falsch kalkuliert hatte. Denn die Niederländer sind für vorsichtige Prognosen bekannt. "Das ist immer noch ein sehr teurer Deal", sagt Nicole van Putten, Brauerei-Analystin der Fortis Bank in Amsterdam. Analysten waren zunächst davon ausgegangen, dass durch die Übernahme eine Rendite von 6 % erwirtschaftet werden kann - allerdings erst in vier Jahren

.

Heineken-Chef Ruys lässt solche Kritik kalt. Der Manager verweist stattdessen auf die riesigen Chancen für die Brauerei. Denn selbst wenn kein einziger Euro eingespart würde: Heineken überholt durch den Kauf alle Wettbewerber und wird so zur Nummer eins auf dem Biermarkt in Mitteleuropa. Und mit dem Beitritt von Ländern wie Polen oder Tschechien zur Europäischen Union (EU) dürfte dort der Wohlstand und damit auch der Absatz von Markenbieren wie Heineken wachsen, so das Kalkül. Bereits jetzt ist der Bierdurst dort recht groß.

Heineken zieht seinen Konkurrenten auch aus einem anderen Grund davon: Die Niederländer besitzen eine der wenigen Marken, die rund um den Globus bekannt sind. In Europa sind die kleinen grünen Heineken-Flaschen das beliebteste ausländische Bier. In den USA, dem wichtigsten Biermarkt der Welt, liegt unter den Import-Bieren nur das mexikanische Corona vor den Niederländern. Dem Aktienkurs half das zuletzt nicht. Die Heineken-Titel sackten im vergangenen Jahr wie der breite Markt um 30 % ab. Im Vergleich zum belgischen Wettbewerber Interbrew steht Heineken freilich nach wie vor gut da: Der Aufschlag gegenüber dem Konkurrenten liegt fast konstant bei 10 %.

Nicht alle großen europäischen Brauereien gelten als so solide wie Heineken. Analysten warnen davor, dass der britische Braukonzern Scottish & Newcastle und der dänische Brauer Carlsberg viel zu stark vom Geschäft in Russland abhängig seien. Der Erfolg der Londoner Brauerei SAB Miller wiederum hänge am Schicksal der US-Marke Miller. Und Interbrew gilt wegen seines großen Übernahmehungers als risikoreiches Investment.

Doch auch Heineken steht vor Absatzproblemen: Westeuropäer und Nordamerikaner trinken immer weniger Bier. Das trifft die Niederländer hart, denn in diesen Ländern verkauft Heineken die Hälfte seines Biers. Zudem schmerzt der starke Euro, denn Heineken wird in Amsterdam gebraut und abgefüllt. Allein die Dollarschwäche könnte den Gewinn im kommenden Jahr um bis zu 50 Mill. Euro drücken, warnt das Unternehmen. Dazu kommt: In den USA ist Heineken zwar an der Ostküste ein Begriff, am Pazifik greifen die Biertrinker aber lieber zu Corona. Heineken-Chef Ruys ist aber zuversichtlich, dass die Amerikaner in diesem Jahr 7 % mehr Heineken trinken als 2002.

Quelle: Handelsblatt

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