Preis dürfte bei rund 500 Mill. Euro liegen
Capitalia will Direktbank Entrium verkaufen

Rund zwei Jahre nach ihrer Übernahme durch die italienische Bankengruppe Bipop-Carire (heute: Fineco) soll die Nürnberger Direktbank Entrium wieder verkauft werden. Die am Neuen Markt notierte Fineco teilte am Mittwochabend in Mailand mit, sie habe ihre Investmentbank-Tochter MCC beauftragt, den Verkauf ihrer ausländischen Aktivitäten zu überprüfen.

MAILAND. Aus Kreisen der Fineco-Muttergesellschaft Capitalia war zuvor verlautet, dass die frühere Quelle-Bank genauso abgegeben werden solle, wie die Fineco-Töchter in Frankreich (Banque Harwanne) und Spanien (Safei).

Konkrete Verhandlungen würden noch nicht geführt, teilte Fineco mit. Erste Kontakte mit potenziellen Käufern seien aber aufgenommen worden, unter anderem mit der Citigroup, hieß es aus Capitalia-Kreisen. Der amerikanische Allfinanzkonzern wollte bereits Ende 2001 die gesamte Bipop übernehmen, war aber am Veto des Notenbankgouverneurs und Bankenaufsehers Antonio Fazio gescheitert.

Von der Citigroup ist bekannt, dass sie im Massengeschäft (Retail) in Europa wachsen möchte. Deutschland ist einer ihrer wichtigsten Zielmärkte. Analysten halten Entrium mit ihrer Konzentration auf Konsumentenkredite und dem Multikanalvertrieb, der neben Internet und Telefon auch herkömmliche Filialen beinhaltet, für ein interessantes Übernahmeziel der Amerikaner.

Entrium hat gegenwärtig rund 950 000 Kunden. Für das laufende Jahr erwartet das Institut einen deutlich positiven Jahresüberschuss; 2001 hatte Entrium seine Konkurrenten im Direktbankensektor mit einem Nettogewinn von 0,8 Mill. Euro deutlich übertroffen.

Capitalia nahe stehende Kreise verweisen bei der Frage nach dem fairen Preis für Entrium auf die Marktkapitalisierung, die aktuell bei 496 Mill. Euro liegt. "Wenn Verhandlungen aufgenommen werden, ist dies sicherlich ein Referenzpunkt," sagt ein Manager des Römer Instituts. Bipop-Carire hatte im Juli 2000 noch 2,6 Mrd. Euro für Entrium bezahlt. Allerdings hatten die Italiener den seinerzeit ersten grenzüberschreitenden Deal im Direktbankensektor mit eigenen Aktien bezahlt. Deren damalige Bewertung überstieg den heutigen Börsenkurs um das Neunfache. In der Bilanz steht Entrium nur mit 180 Mill. Euro. Damit scheint ein Veräußerungsgewinn für die Italiener sicher.

Der Verkauf der Entrium Direct Bankers ist die logische Konsequenz der Übernahme Bipops durch Capitalia in diesem Frühsommer. Die viertgrößte Bank Italiens, die sich bis dahin noch Banca di Roma nannte, hatte von vornherein nur Interesse an den italienischen Aktivitäten der Bipop, insbesondere dem Filialnetz sowie der Direktbank Fineco. Entrium, spielt für die Strategie von Capitalia keine Rolle.

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