Preisanstieg des Öls führt zu Zuwachs bei Importen
Deutsche Wirtschaft exportierte deutlich mehr

Die deutsche Wirtschaft hat im Januar deutlich mehr exportiert. Die schwache Weltkonjunktur wird jedoch nach Einschätzung von Volkswirten in den kommenden Monaten das deutsche Exportwachstum bremsen. Die Ausfuhren seien zum Dezember um saisonbereinigt 3 Prozent und zum Januar 2002 um 6,7 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit.

Reuters BERLIN. Die Importe hätten zum Vormonat bereinigt sogar um 4,1 % und zum Vorjahr um 11,1 % zugenommen. "Der Preisanstieg des Öls könnte zum Zuwachs der Importe geführt haben, ohne dass dies ein Zeichen für eine Belebung der Binnennachfrage wäre", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank und warnte vor einer zu optimistischen Interpretation der stärkeren Einfuhren.

Im vergangenen Jahr hatte lediglich der starke Außenbeitrag - dank stabilem Exportwachstum und niedriger Importe - für das magere Wirtschaftswachstum von 0,2 % gesorgt. Grundsätzlich werde das auch für dieses Jahr gelten, sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. "Der Handelsbilanzüberschuss steigt im Trend, weil die deutsche Wirtschaft hinterherhinkt." Während das Exportwachstum über die längerfristige Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft Auskunft gibt, ist für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) kurzfristig der Außenbeitrag - die Differenz von Exporten und Importen - entscheidend.

Die Handelsbilanz schloss dem Statistikamt zufolge im Januar mit einem Überschuss von 9,0 Mrd. ? ab. In der Leistungsbilanz verzeichnete Deutschland dagegen ein Defizit von 1,3 Mrd. ?. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Handelsbilanzüberschuss von 9,6 Mrd. ? und einen Überschuss in der Leistungsbilanz von 3,6 Mrd. ? prognostiziert.

Weltkonjunktur und starker Euro dürften Exporte dämpfen

Trotz des Exportplus im Januar erwarten die Analysten nicht all zu viel von der Auslandsnachfrage. "Der Einstieg war nicht schlecht, aber die Auslandskonjunktur ist noch zu schwach", sagte Krämer. Die Exporte dürften in den kommenden Monaten zwar steigen, allerdings nur sehr schwach. Vor allem werde auch der stärkere Euro das Exportwachstum bremsen, sagte Krämer. Als große Unbekannte in den Prognosen für die Weltwirtschaft gilt bei Volkswirten zudem die Wirkung eines Krieges im Irak. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht einem Zeitungsbericht zufolge davon aus, dass ein längerer Krieg mit einem weiteren Ölpreisanstieg das Weltwirtschaftswachstum um zwischen einem und zwei Prozentpunkten reduzieren könnte.

Im Zuwachs der Importe sahen die Experten noch kein Anzeichen für eine Belebung der Binnenwirtschaft. "Nach wie vor ist die deutsche Wirtschaft in einer Vor-Wendephase. In die Außenhandelsaktivität kann man daher noch keine Erholung hineininterpretieren, wir brauchen mehrere Monate mit starken Daten", sagte Weidensteiner. Mehr Aufschluss über den Zustand der deutschen Wirtschaft könnten die im Tagesverlauf anstehenden Daten zur Produktion im Januar liefern. Die Mehrzahl der Experten erwartet für dieses Jahr ein Wachstum, das deutlich unter dem von der Bundesregierung prognostizierten einen Prozent liegt. Einige Volkswirte schließen auch nicht aus, dass sich Deutschland derzeit in einer Rezession befindet.

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