Preisauftrieb in Deutschland verlangsamt - Vorläufige Inflationsrate im Juli bei 1,8 %
Konjunkturexperten erwarten Leitzinserhöhung im Herbst

ap FRANKFURT. Ungeachtet geringer Risiken für die Preisstabilität in Deutschland rechnen Konjunkturexperten mit einer Leitzinserhöhung im Euroraum nach der Sommerpause. Nach Einschätzung des Bundesverband deutscher Banken vom Dienstag wird die Preissteigerungsrate im Euroraum in den Sommermonaten voraussichtlich weiter deutlich über zwei Prozent liegen. Eine Zinserhöhung sei wahrscheinlich, prognostizierten BdB und der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Im Juni war die Inflationsrate in Euro-Land auf 2,4 Prozent emporgeschnellt und hatte damit über dem Stabilitätsziel der EZB von zwei Prozent gelegen.

In Deutschland schwächte sich der Preisauftrieb im Juli unterdessen leicht ab. Nach vorläufigen Ergebnissen aus sechs Bundesländern stiegen die Lebenhaltungkosten um 1,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Juni hatte die Rate noch 1,9 Prozent betragen. Im Vergleich zum Vormonat legte der Index um 0,4 Prozent zu.

Als Preistreiber erwiesen sich im Juli erneut die stark gestiegenen Heizöl- und Kraftstoffpreise. Ohne sie wäre der Preisindex nur um rund ein Prozent höher gewesen als ein Jahr zuvor. Neben den Kraftstoffpreisen verteuerten sich nach Angaben der Experten auch die Pauschalreisen.

Die Experten rechneten damit, dass im Laufe des Jahres der Druck auf die Preise durch die Energiekosten nachlassen wird. Nach Einschätzung von Bernd Weidensteiner von der DG Bank könnte die anziehende Konjunktur den Unternehmen allerdings die Möglichkeit zu Preiserhöhungen eröffnen. Daher werde sich der Preisauftrieb nur allmählich abschwächen. Bis Jahresende erwartete die DG Bank ebenso wie die Commerzbank eine Inflationsrate von etwa 1,5 Prozent. Die Deutschen Bank Research rechnete angesichts des erhöhten Preisspielraumes der Unternehmen dagegen eher mit einem leichten Anstieg auf bis zu zwei Prozent.



Bankverband hält Inflationsrisiken für überschaubar

Bis Ende des Jahres könnte der Refinanzierungssatz im Euroraum auf 4,75 Prozent steigen, erklärte der BVR in seinem in Bonn veröffentlichten Konjunkturbericht. Die Zentralbank müsse die Inflation noch energischer als bisher bekämpfen. Nach Einschätzung des BVR sind die Aussichten auf eine nachhaltige Beruhigung des Preisauftriebs im weiteren Jahresverlauf eher schlecht. Auf den Verbraucherpreisen laste erheblicher Druck. Auch die bisherige Erhöhung der Rohölproduktion habe noch nicht zu den gewünschten Preissenkungen geführt. Da die Weltwirtschaft insgesamt rege wachse und die Ölnachfrage weiter steige, sei eine deutliche Senkung der Rohölpreise in naher Zukunft nicht zu erwarten.

Nach Einschätzung des Bankenverbandes bleiben die Inflationsrisiken dagegen mittelfristig überschaubar. So dürfte der preistreibende Effekt steigender Energiekosten Ende des Jahres auslaufen. Eine Inflationsrate von deutlich über zwei Prozent im Euro-Raum dürfte nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Bei einem nicht weiter steigenden Ölpreis sollte die Teuerungsrate im vierten Quartal sogar wieder leicht unter die Marke von zwei Prozent fallen.

Zugleich bewertete der BdB die weiteren Konjunkturaussichten für den Euroraum positiv. Der Erholungsprozess stehe mit dem Anspringen der Investitionskonjunktur inzwischen auch auf einer soliden Basis, schrieben die Experten.

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