Preisberechnung oft schwer nachzuvollziehen
Exotische Optionsscheine für Spieler

Power im Depot? Hit-Scheine? Die Slogans der Banken für Exoten-Scheine klingen verlockend. Doch wer die Papiere nicht verstanden hat, verbrennt sich leicht die Finger. Risikofreudigen Anlegern bieten sich aber Chancen, an speziellen Kursbewegungen zu verdienen - etwa an einer Seitwärttendenz.

FRANKFURT/M. Sandstrände unter Palmen, kristallklares Wasser - dass die Deutschen besonders im Winter von exotischen Reisezielen träumen, ist kein Wunder. Vielleicht hoffen die Banken, aus dieser Sehnsucht Kapital schlagen zu können. Jedenfalls kommen wieder verstärkt exotische Optionsscheine auf den Markt. So hat die Société Générale jetzt Korridorscheine auf den Dax und Nemax 50 emittiert. Auch die Dresdner Bank will demnächst solche Papiere begeben. Laut Florian Schopf von der Euwax Broker AG sind mittlerweile an der Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax 334 Exoten-Papiere notiert - im Mai 2001 waren es noch 94.

Dabei fällt unter die Kategorie "Exoten" alles, was kein Standardschein ist. Banker reden von "strukturierten Produkten". Bei den vielen unterschiedlichen Papieren gibt es einige Untergruppen: etwa Korridorscheine, die in zwei Varianten existieren. Bei der ersten, weiter verbreiteten, wird dem Anleger während der Laufzeit für jeden Tag ein bestimmter Betrag gutgeschrieben, an dem der Basiswert - wie etwa der Dax - innerhalb einer festgelegten Bandbreite verharrt. An Tagen, an denen der Dax außerhalb des Korridors notiert, gibt es keine Gutschrift. Am Laufzeitende zahlt die Bank dem Investor die erreichte Summe aus. Bei der zweiten Variante wird von dem angesammelten Guthaben für jeden Tag, an dem der Dax außerhalb des Korridors liegt, ein gewisser Betrag abgezogen.

Außerdem gibt es so genannte Bottom-up-Scheine, mit denen man darauf wetten kann, dass der tägliche Schlusskurs einer Aktie auf oder oberhalb eines bestimmten Kurses liegt. Der angesammelte Betrag wird am Ende der Laufzeit ausgezahlt.

Eine weitere Gruppe sind die "Power"-Warrants. Diese Papiere hat HSBC Trinkaus & Burkhardt 1995 erstmals auf den Markt gebracht. Wie der Optionsscheinexperte der Düsseldorfer Bank, Daniel Schmal, erklärt, wird dem Inhaber eines Optionsscheins bei Fälligkeit der quadrierte "innere Wert" des Scheins ausgezahlt. Dabei handele es sich um die quadrierte Differenz zwischem aktuellen Kassakurs und dem Basispreis; der Basispreis ist der festgelegte Preis, zu dem die Währung bei Ausübung des Scheins ge- oder verkauft wird. Laut Schmal ist die Auszahlung an den Anleger auf einen Höchstbetrag (Cap) begrenzt.

Eine Obergrenze für Gewinne gibt es auch bei den "Turbo-Katapult"-Optionsscheinen von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Der Turbo funktioniert so: Steigt die Aktie innerhalb einer festgelegten Bandbreite an, erhält der Anleger für den Optionsschein mindestens das Doppelte des Kurszuwachses.

Wie der Name zeigt, gibt es auch bei "Capped Warrants" begrenzte Auszahlungen. Die Scheine, wie sie etwa die Commerzbank begibt, lassen den Anleger nur bis zu einem Höchstbetrag von Kurssteigerungen profitieren, aber er kann im Vergleich zu Standardoptionsscheinen mit denselben Konditionen günstiger einsteigen, wie Commerzbanker Christopher Maaß ausführt.

Long-/Short-Papiere, eine andere Gruppe von Exoten, hat die Société Générale im April 2001 auf den Markt gebracht. Laut Esther Benamou, Optionsscheinexpertin der französischen Bank, kann man mit diesen Papieren zum Beispiel darauf wetten, dass zwei Marktbarometer unterschiedlich stark schwanken oder sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen. An den Dax/Nemax-50-Papieren gewinnen Anleger in drei Situationen: Wenn der Dax steigt und das Neue-Markt-Barometer fällt, wenn der Dax stärker zulegt als der Nemax 50 oder wenn er weniger fällt als Nemax 50.

Ebenfalls von der Société Générale sowie von der Commerzbank stammen die "Hit-Warrants". Maaß erklärt die Papiere auf den Eurokurs gegenüber dem Dollar: Erreicht oder durchbricht der Kurs der europäischen Währung gegenüber dem Dollar die Hit-Schwelle, wird dem Anleger ein festgelegter Betrag ausgezahlt. Sonst verfällt der Schein.

Schaut man sich all diese Konstruktionen an, dann ist klar, dass sie sich nur für spekulativ orientierte Anleger eignen - zumal sich die Prognosen der Investoren über die Aktienkurs- oder Indexentwicklung erfüllen müssen, damit sich das Geschäft lohnt. Oft müssen Anleger die Papiere nämlich teuer einkaufen: "Die Preise für Exoten sind in vielen Fällen unfair", meint Andreas Tilp von der Kanzlei Tilp & Kälberer. Die komplizierte Preisberechnung sei kaum zu verstehen und biete Spielraum für Manipulationen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%