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Preisdaten dämpfen Deflationssorgen in USA

In den USA haben neue Preisdaten die Angst vor einer Deflation gedämpft. Die Verbraucherpreise blieben im Mai insgesamt auf dem Niveau des Vormonats und stiegen um Energie- und Nahrungsmittelkosten bereinigt sogar so stark wie seit neun Monaten nicht mehr.

Reuters WASHINGTON. Analysten zufolge verringern die am Dienstag vorgelegten Daten die Sorgen, dass es in der weltgrößten Volkswirtschaft zu einer gefährlichen Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, zurückgehender Nachfrage und geringerer Wirtschaftsleistung kommen könnte. Dies werde die US-Notenbank (Fed) aber kommende Woche nicht von der weithin erwarteten Zinssenkung abhalten.

Die US-Aktienmärkte reagierten zunächst mit moderaten Kursgewinnen auf die Inflationsdaten, die Staatsanleihen gaben etwas nach. Der Dollar legte zum Euro leicht zu.

Wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mitteilte, blieb der Verbraucherpreis-Index im vergangenen Monat wegen der fallenden Energiekosten im Vergleich zum April unverändert. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Rückgang um 0,1 Prozent gerechnet. In der Kernrate - ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie - allerdings legten die Preise um 0,3 Prozent zu. Dies war der stärkste Anstieg seit August vergangenen Jahres. Analysten hatten in der Kernrate ein Plus von 0,1 Prozent erwartet. Das Ministerium führte den Anstieg insbesondere auf die gestiegenen Unterbringungskosten, sowohl für Hotels als auch die eigenen vier Wände, zurück.

"Die Deflationssorgen werden nach diesen Zahlen schwächer sein", sagte Rick Egelton, Volkswirt bei BMO Financial Group in Toronto. Auch US-Präsidialamtssprecher Ari Fleischer sagte, es gebe derzeit keinen ernsthaften Grund zur Sorge, dass eine Deflation bevorstehe.

Im April waren die Verbraucherpreise unerwartet stark zurückgegangen. An den Finanzmärkten kamen daraufhin Befürchtungen auf, in den USA drohe ein Preisverfall auf breiter Front. Fed-Chef Alan Greenspan hatte die Wahrscheinlichkeit einer Deflation zwar als gering bezeichnet, zugleich aber auf die Möglichkeit einer Zinssenkung hingewiesen, um entsprechenden Gefahren bei Bedarf rechtzeitig vorzubeugen.

"Ich denke nicht, dass sie auf Grundlage dieser Information davon abgeschreckt werden, die Geldpolitik zu lockern", sagte Kevin Logan, Volkswirt von Dresdner Kleinwort Wasserstein in New York, mit Blick auf die Preisdaten. Die Fed werde vielmehr berücksichtigen, dass die Inflation wahrscheinlich weiter zurückgehe und die Wirtschaft unter ihrem Leistungsvermögen arbeite. Logan zufolge spiegeln die jüngsten Verbraucherpreisdaten nicht den grundsätzlichen Trend wider, da sie diesmal vor allem von den schwankungsanfälligen Unterkunftspreisen beeinflusst seien. Diese legten im vergangenen Monat nach Ministeriumsangaben um 0,6 Prozent zu.

An den Finanzmärkten wird weithin damit gerechnet, dass die US-Währungshüter den Leitzins von derzeit 1,25 Prozent auf ihrem Treffen nächste Woche auf das niedrigste Niveau seit 1958 reduzieren werden.

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