Preisdruck in Europa verschärft sich
Netzausrüster sehnen die dritte Generation herbei

Holger Hegemann hat sich eine kniffelige Aufgabe ausgesucht. Seit April dieses Jahres lenkt er als Geschäftsführer Zentraleuropa die Geschicke von Nortel Networks. Netztechnologie. Doch die sind schwer auszumachen, denn Investitionen stehen derzeit bei den potenziellen Abnehmern nicht auf der Agenda.

Nortel liefert die Netztechnologie, mit der beispielsweise in Deutschland Telekommunikationsunternehmen (TK) wie O2 ihre Handynetze betreiben. Fast alle Ausrüster rannten im New-Economy-Boom in die Wachstumsfalle und bauten riesige Produktionskapazitäten auf. Seit die Blase geplatzt ist, schrumpfte Nortel von 95 000 auf 36 000 Mitarbeiter weltweit.

Investitionen rückläufig

Es bleibt kritisch: Die Investitionen in Mobilfunk-Infrastruktur sind im ersten Quartal 2003 weltweit um 14 Prozent zumVorquartal zurückgegangen, ermittelten die Marktforscher der kalifornischen Dell?Oro Group. "Starke Nachfrage sehen wir aber bei allem, was mit Sicherheitstechnik und Mobiltechnologie wie Wireless LAN zu tun hat", sagt Holger Hegemann. Auch die Computertelefonie Voice-over-IP stoße bei Firmenkunden und den TK-Unternehmen auf wachsendes Interesse.

Während Nortel 40 Prozent des Umsatzes mit Mobil-Komponenten macht, ist Mitbewerber Ericsson fast komplett davon abhängig. Ericsson schrumpfte von 107 000 auf 47 000 Mitarbeiter. "Wir passen uns dem tatsächlichen Marktvolumen an", erklärt Kristian Teär, Geschäftsführer der Ericsson GmbH.

Dritte Generation ersehnt

Ein Hoffnungsschimmer für Ericsson, Nortel und Co. liegt in Deutschland im Ausbau von Mobilfunknetzen der dritten Generation (3G): Das sprachgetriebene GSM-Netz wird nach und nach von den datenbasierten Netzen GRPS und UMTS abgelöst. Die 3G-Netze basieren auf dem in der Computerwelt verbreiteten Internet-Protokoll, das die Datenübertragung in winzigen Paketen ermöglicht. Dell?Oro zufolge legten die Umsätze für UMTS-Komponenten im letzten Quartal um ein Viertel zu. Zu diesen Investitionen hatten sich die Netzbetreiber schon beim Kauf der UMTS-Lizenzen verpflichtet.

Ericsson liefert die 3G-Komponenten für Vodafone und E-Plus, Nortel baut GRPS und das UMTS-Netz von T-Mobile. Richtig lohnend würde es für die Ausrüster, wenn der Datenverkehr so anstiege, dass die Betreiber sie noch weiter ausbauen müssten. Um das zu fördern, hat Ericsson zum Beispiel Partnerschaften mit der Pro Sieben Sat1 Media AG und Sony Music geschlossen, um Kurzfilme und Musikclips auf Handys zu bringen.

Massenhafte Verbreitung in Sicht

"Der 3G-Rollout steht in Deutschland derzeit im Vordergrund", bestätigt auch Ulrich Halka, Geschäftsführer von Nokia Networks. "Multimedia Messaging Services werden immer beliebter. Schritt für Schritt nähern wir uns der massenhaften Verbreitung von mobilen Datendiensten", sagt er, räumt aber zugleich ein, dass dies länger dauert, als es sich die Netzwerkausrüster gewünscht haben. Immerhin: Die Einführung gehe schneller voran als beim alten GSM-Standard.

Wenn neue Netz-Komponenten nachgefragt werden, dann solche, die Netzbetreibern größtmögliche Flexibilität erlauben. Noch immer experimentieren sie mit Tarifen und Angeboten. Niemand weiß, welche Dienste die Mobilkunden in Zukunft nutzen und was sie dafür bezahlen wollen. Die ständige Neugestaltung von Angeboten und Abrechnungsmodellen will Nokia mit seiner "Intelligent Edge"-Technologie erleichtern. Auf der Standardoberfläche können Netzbetreiber Dienste und Bezahlmodi virtuell darstellen und bei Bedarf durch neue Modelle ersetzen. Vorteil: Es entfallen die früher nötigen umfangreichen Änderungen der dahinter geschalteten Hardware.

Bei allem sollen die Lösungen auch noch schön billig sein, beobachtet Menno Harms, Vizepräsident des Wirtschaftsverbandes Bitkom: "Der Preisdruck in Europa verstärkt sich, und die Margen werden enger." Ericsson-Chef Teär warnt, die neuartigen Multimedianetze nicht auf Kosten ihrer Leistungsfähigkeit kaputtzusparen: "Die Akzeptanz vieler Multimediadienste hängt nicht nur vom Preis ab, sondern auch von der Dienstgüte."

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