Preise auf dem höchsten Stand seit 19 Monaten
Ölhändler werden immer nervöser

Der Ölpreis steigt weiter. Trotzige Töne aus dem Irak sowie Aussagen der OPEC und der Internationalen Energieagentur, kriegsbedingte Preiserhöhungen nicht automatisch auszugleichen, treiben die Notierungen nach oben. Bei einer weiteren Verschärfung könnte Öl sogar auf 40 Dollar steigen.

cl LONDON. Der Ölpreis stieg am gestrigen Montag in London und New York auf den höchsten Stand seit 19 Monaten. Der an der New Yorker Nymex gehandelte WTI-Kontrakt für die Lieferung im November überschritt im elektronischen Handel kurz vor Eröffnung des Marktes mit 30,48 Dollar je Fass (159 Liter) die 30-Dollarmarke. Nordseeöl stieg bis Montagmittag um 36 Cents auf 28,78 Dollar.

Eine Palette von Fakten und Prognosen trieben den Preis. Jüngster Preistreiber: Hurrikan Isidore, der möglicherweise die Ölförderanlagen im Golf von Mexiko treffen könnte. Die Angst vor einem Krieg in Nahost erhielt neue Nahrung, als ein Regierungssprecher des Irak erklärte, sein Land werde einer neuen Inspektion durch die UNO nur im Rahmen der dafür bereits vorliegenden UN-Resolutionen zulassen und nicht etwa unter neuen, verschärften Modalitäten.

Genau das Gegenteil einer Marktberuhigung bewirkten auch Äußerungen von Opec-Vertretern auf dem Energieforum in Osaka. Danach werde das Kartell selbst dann nicht automatisch die Förderquote um 500 000 Barrel pro Tag (bpd) anheben, wenn der Preis die Obergrenze der angestrebten Preisspanne von 22 bis 28 Dollar je Barrel überschreite. Nur wenn dies "unter normalen Umständen geschehe, werde man mehr fördern, deutete Opec-Präsident Rilwanu Lukman an. Er bezweifelte, dass die gegenwärtige Lage normal sei. Der Preis enthalte schon jetzt eine "Kriegsprämie" von drei bis vier Dollar je Fass, ergänzten Sprecher der Organisation. Zum Teil wird die Prämie sogar auf bis zu acht Dollar beziffert. Auf ihrem Treffen in Osaka hatte die Opec vergangene Woche lediglich zugesichert, die Förderquote von derzeit 21,7 Mill. bpd am 12. Dezember nochmals zu überprüfen.

40 Dollar möglich

Für den Fall einer weiteren Verschärfung der Lage im Irak rechnet Klaus Matthies vom Weltwirtschaftsarchiv, WWA, in Hamburg sogar mit einem Ölpreisanstieg auf rund 40 Dollar. Diese Marke hatte der Preis bereits vor dem letzten Golfkrieg im Jahr 1991 kurz überschritten.

Wenig Hoffnung auf einen sinkenden Ölpreis vermochte auch der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur, IEA, Robert Priddle seinen Zuhörern auf dem Energieforum in Osaka zu machen. Danach planen die 26 IEA-Mitgliedsländer für den möglichen Ausfall der Lieferungen aus dem Irak keine Freigabe der Notfall-Reserven. Ein solcher Schritt dürfe nicht dazu dienen, Preisspekulationen entgegenzuwirken. Die IEA müsse vielmehr sicher sein, dass es "einen klaren Beweis" für einen drohenden Versorgungssengpass gebe. Die Abhängigkeit der Welt von dem Öl in Nahost und auch Russlands wird laut einer IEA-Langzeitstudie künftig noch weiter zunehmen. Bis 2030 werde der Welt-Energieverbrauch um etwa zwei Drittel steigen. Die EU werde dann doppelt so viel Energie importieren müssen wie 2000.

Diese Meinung wird von den Experten allerdings nicht ungeteilt vertreten. Hans W. Schiffer, Energieanalyst der RWE Rheinbraun, hält dagegen: Er schätzt, dass die Verbrauchsprognosen der IEA, obwohl deutlich reduziert, immer noch zu hoch sind. Dabei müsse man berücksichtigen, dass die Schätzungen des Ablegers der OECD "Interessen geleitet" seien, betont Schiffer. Die IEA wolle die Opec mit ihren Schätzungen zu einer Produktionsoffensive bewegen.

Quelle: Handelsblatt

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