Preise für Anteile an jungen Unternehmen sind stark gesunken
US-Wagniskapitalmarkt gewinnt an Dynamik

In den Büros der amerikanischen Venture-Capital-Firmen sind rauschende Feste selten geworden. Kein Wunder - denn mit dem Einbruch der Technologie-Aktien haben die Investoren der ersten Stunde auf dem Markt für Wagniskapital viel Geld verloren. Doch es gibt Ausnahmen: als der Börsengang der Lawson Software Inc. Anfang Dezember erfolgreich über die Bühne ging, flogen im Büro der St. Paul Venture Capital in Minneapolis die Sektkorken.

NEW YORK. Lawson war für St. Paul, eine Tochter eines lokalen Versicherungsunternehmens, die größte Investition des Jahres. "Börsengänge (IPO) sind so selten geworden", freute sich Partner Brian Jacobs, "umso mehr genießen wir jetzt den Erfolg."

Der amerikanische Venture-Capital-Markt zeigt parallel zur wieder ansteigenden Aktivität bei Börsengängen erste Zeichen neuen Lebens. Venture Capital ist eine in den USA entwickelte Form der Eigenkapital-Zuführung, bei der die Investoren engen Kontakt zur Unternehmensführung halten und starken Einfluss auf deren Entscheidungen nehmen. Geht eine solche Firma an die Börse, bringt das eingesetzte Wagnis-Kapital gewöhnlich hohe Renditen. Nach Angaben des Verbands National Venture Capital Association in Washington sind im letzten Quartal des Jahres 2001 insgesamt 14 mit Wagniskapital finanzierte Firmen an die Börse gegangen. Sie haben Aktienkapital von insgesamt 1,45 Mrd. $ platziert. Im vorhergehenden Quartal waren es nur 280 Mill. $ gewesen. "Zumindest sehen wir jetzt einen von Vernunft beherrschten Markt, auf dem gute Firmen wieder eine Chance haben", sagte Partner Todd Dagres von der Firma Battery Ventures in Boston.

Doch die Zeiten des Goldrauschs, in denen sich das eingesetzte Geld in 18 Monaten verdreifachte, sind vorbei. Etwa ein Drittel aller mit Wagniskapital finanzierten Firmen hat im vergangenen Jahre nicht überlebt. Die Kapitalgeber sind vorsichtig geworden. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres haben Venture Kapitalisten lediglich 31 Mrd. $ investiert, das ist gegenüber dem Vorjahres-Zeitraum ein Rückgang von 63 %, ermittelte der Informations-Dienst Venture Economics. Im gesamten Jahr 2001 haben nur 37 mit Wagniskapital gedeckte Firmen den Schritt an die Börse geschafft, im Boom-Jahr 2000 waren es 226 Unternehmen.

Der gesamte Markt hat sich gewandelt. Nach Schätzungen von Geoff Yang, einem Partner der Firma Redpoint Ventures in Menlo Park (Kalifornien) dauert es inzwischen fünf bis sieben Jahre, bis eine so genannte "Startup-Firma" attraktiv genug für einen Käufer oder den Gang an die Börse ist. Anstatt Millionen von Dollar in Neugründungen anzulegen, haben Investoren im vergangen Jahr bis zu 80 % ihrer Investitionen in Unternehmen gesteckt, in denen sie bereits Kapital halten. In früheren Jahren waren die Prozentsätze genau umgekehrt. Für potenzielle Anleger sind Qualität und Seriosität jetzt mit Abstand die wichtigsten Kriterien. Eine gute Idee allein reicht nicht mehr.

Unter den an die Börse gebrachten, mit Wagniskapital finanzierten Firmen dominierten zuletzt Unternehmen aus dem medizinischen Bereich. Außerdem interessieren sich Venture-Kapitalisten seit dem 11. September für Firmen, die sich auf Daten-Speicher-Systeme oder Daten-Sicherheit spezialisieren. Die Unternehmen, die es an die Börse schaffen, sind außerdem größer als früher, ebenfalls ein Zeichen von Gediegenheit.

Trotz der rauen Zeiten glauben Investoren, dass die Zeiten für eine erfolgreiche Neuanlage jetzt besser sind als in den späten neunziger Jahren. Denn die Anteile an jungen Unternehmen sind günstiger zu haben. Außerdem ist die Konkurrenz nicht mehr so groß wie früher, weil immer weniger Menschen den Schritt wagen, eine Firma zu gründen. Die von St. Paul Venture Capital finanzierte Lawson Software scheint jedenfalls keine Eintagsfliege zu sein. Seit dem Börsengang am 7. Dezember ist der Aktienkurs bereits um 18 % gestiegen.

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