Preise für Firmenpolicen dürften anziehen
Allianz überdenkt Geschäftsstruktur

Die Versicherungen wollen nicht länger Verluste durch steigende Kosten hinnehmen. Nachdem einige Wettbewerber bereits aus dem Geschäft ausgeschieden sind, steigt für die übrigen die Chance für eine Sanierung.

HB HANNOVER. Die großen Industrieversicherer werden ihre Preise eher heraufsetzen als weiter zurücknehmen. Darauf lassen Äußerungen des für die industriellen Risiken zuständigen Vorstands der Allianz Versicherungs-AG, Alfred Goßner, schließen. Der Markt für gewerbliche und industrielle Versicherungen steckt seit Jahren tief in den roten Zahlen. Die Hauptursache sieht Goßner in unzureichenden Prämiensätzen. Sie haben sich allein in der Feuer-Industrie von 1,20 DM pro 1000 DM Versicherungssumme in 1994 auf 0,60 DM in 1999 halbiert. Den gesamten Marktverlust für Erst- und Rückversicherer schätzt er 1999 auf rund eine Mrd. DM.

Jegliche Sanierungsbemühungen sind bisher am Umsatzstreben der Versicherer gescheitert. Das soll jetzt anders werden. Die Allianz, so Goßner gegenüber dem Handelsblatt, sei nicht länger bereit, die Prämien abzusenken, wenn der Deckungsumfang unverändert bliebe. Umgekehrt gebe es Deckungserweiterungen nur zu angemessenen Aufschlägen. Gleichzeitig steigt das Informationsbedürfnis der Versicherer über das, was sie versichern. Im einzelnen hat das für Allianz-Kunden zur Folge, dass Kfz-Flottenbestände mit einer Schadenquote von über 70 % der Prämie als "Sanierungskandidaten" gelten, ebenso Verträge in der Sachversicherung. Sanieren sagen die Versicherer, wenn sie die Prämien erhöhen und/oder ihren Leistungsumfang vermindern können; bis hin zur Kündigung unrentabler Verträge.

Ganz so hart, wie sich das anhört, scheint die Allianz denn aber doch nicht durchgreifen zu wollen. Goßner: "Wir betrachten dabei immer das Gesamt-Account des Kunden." Das heißt, ein schlechter Kfz-Kunde kann gleichzeitig für die Feuerversicherungssparte Gewinn bringen. Vorsichtshalber gehe man jedoch nur noch Einjahresverträge ein. In den Technischen Versicherungen gerät vor allem die Bauleistungsversicherung und der Kraftwerksbereich unter Beobachtung.

Der Markt für Industrieversicherungen befindet sich im Wandel. Durch Fusionen konzentrieren die Geschäftspartner ihre Macht - sowohl Versicherungsmakler als auch-kunden. Dadurch entstünden riesige Bilanzen, die entsprechend mehr Risiko selbst tragen könnten und diese auch professioneller angingen, so der Allianz-Fachmann. Zudem würden die Firmenrisiken komplexer, etwa durch Just-in-time-Lieferungen, mit erheblichen Auswirkungen auf die Betriebsunterbrechungsversicherung.



"Allianz bleibt Industrieversicherung treu"

Die Zahl der Wettbewerber in der Industrieversicherung sieht Goßner weiter sinken: "Nur wenige globale Versicherer werden übrig bleiben." Zuletzt habe die CGNU ihr Industriegeschäft komplett aufgegeben; Axa fasse es zentral zusammen. Kürzlich erst haben die Versicherungsmakler angesichts des zunehmenden Shareholder Values den Versicherern mangelndes Interesse an Industrierisiken vorgeworfen (Handelsblatt vom 15.9.). Dem entgegnet Goßner, dass die Allianz der Industrieversicherung treu bleibe, "nur nicht zu diesen Preisen".

Letztlich hat die Allianz sich im Konzern der "Risikobewältigung auf allen Feldern" verschrieben und kann jetzt nicht nur die Rosinen herauspicken. Sie will oder muss sich den Veränderungen jedoch anpassen. Denn: "Letztlich müssen die Strukturen den Märkten folgen", ist Goßner überzeugt. Wie das konkret aussehen wird, verriet er nur ansatzweise: Man sei dabei eine globale Kundendatenbank aufzubauen, mit verantwortlichen Account-Managern. Das Ganze wird ab November via "Allianz.com" durch mehr Kundenservice flankiert. Von einer Verselbständigung des Firmengeschäfts aber sei nicht die Rede. Gleichwohl überdenke die Allianz die herkömmlichen Strukturen.

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