Preise für Halbleiter ziehen derzeit an
Infineon sieht baldiges Ende der Durststrecke

Ulrich Schumacher, Vorstandschef des Chipkonzerns Infineon AG, gibt sich trotz der Turbulenzen an den Märkten optimistisch. Er gehe davon aus, dass sich die Preise für Speicherchips im zweiten Halbjahr bereits wieder erholen, sagte Schumacher dem Handelsblatt. Auch in den beiden für Infineon wichtigen Abnehmerbranchen, Mobilfunk- und PC-Industrie, gebe es derzeit lediglich "Wachstumsdellen".

MÜNCHEN. Insgesamt muss Infineon , eine der zehn größten Halbleiter-Firmen weltweit, im laufenden Geschäftsjahr 2000/01 (30.9.) aber voraussichtlich einen deutlichen Ergebniseinbruch hinnehmen. Die Analysten erwarten für 2000/01 einen operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 532 Mill. Euro. 1999/2000 gab es noch ein Rekordergebnis von 1,7 Mrd. Euro. Der Umsatz wird nach Analystenschätzungen bei rund 6,7 Mrd. Euro liegen, 8 % unter Vorjahr.

"Mit diesen Schätzungen können wir gut leben", meinte Schumacher dazu. Eine Gewinnwarnung sei aber nicht notwendig. "Anlass für eine Gewinnwarnung gibt es nur, wenn wir die Erwartungen, die im Markt sind, nicht mehr erfüllen können", fügte der Infineon-Chef an. Ob Infineon im gerade beendeten zweiten Quartal (Januar bis März) rote Zahlen schreibt, wollte Schumacher nicht kommentieren. Analysten gehen von einem leicht negativen Quartals-Ebit aus.

Infineon hatte zuletzt deutlich unter der weltweiten Krise an den Halbleiter-Märkten gelitten. Ein Grund waren die eingetrübten Aussichten für das Mobilfunkgeschäft. Alle großen Mobilfunk-Anbieter wie Nokia, Motorola und Ericsson mussten ihre Prognosen deutlich nach unten revidieren. Auch die schleppende Nachfrage auf dem PC-Markt drückte auf die Stimmung. Insbesondere die Preise für Speicherchips (D-Rams) waren in den vergangenen Monaten von teilweise 10 $ bis auf deutlich unter 3 $ gesunken.

Ein längerfristiger Aufschwung ist noch ungewiss

Die Herstellkosten für Infineon bezifferte Schumacher auf 3,40 $. Damit sei der Konzern Kostenführer. Insgesamt produzierte Infineon jährlich zuletzt 560 Millionen Einheiten. "Wir sehen derzeit höhere Preise. Wir können aber noch nicht sagen, ob das schon ein längerfristiger Aufschwung ist", berichtete Schumacher. Fest stehe aber, dass der Konzern im Bereich Speicherchips im zweiten Quartal ins Minus gerutscht ist. Zudem sei der Umsatz im Bereich Mobilfunk im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um etwa 30 % gesunken. Die anderen Bereiche, also drahtgebundene Kommunikation, Chipkarten-Halbleiter sowie die Autoelektronik, machten dies aber wieder wett.

Um die Prognosen hatte es jüngst Auseinandersetzungen zwischen Siemens und der Chiptochter Infineon gegeben. Bei einem Treffen vor zwei Wochen, an dem unter anderem Siemens-Chef Heinrich von Pierer, Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger und Schumacher teilgenommen haben, sind die Probleme offensichtlich aus dem Weg geräumt worden. Man habe vereinbart, dass Siemens bei Aussagen über Infineon auch weiterhin nicht über das hinausgehen wird, was Infineon und die Kapitalmärkte kommunizieren, sagte Schumacher.

Zu den Unstimmigkeiten war es gekommen, als Siemens-Chef von Pierer Mitte März, einen Tag nach dem Siemens-Börsengang in New York, für den Gesamtkonzern eine versteckte Gewinnwarnung ausgegeben hatte. Er hatte dies mit der schlechten Entwicklung bei Infineon begründet. Die Siemens-Prognose, also zweistelliges Umsatzplus und Gewinnwachstum darüber, gelte nur noch für Siemens ohne Infineon, hatte von Pierer mitgeteilt. Die Antwort aus der Infineon-Zentrale kam prompt: Es gebe keinen Anlass für eine Revision der eigenen Prognosen.

"Mein Verständnis ist, dass Siemens auch künftig nur Siemens-Zahlen kommentieren wird", sagte jetzt Schumacher, früher selbst Mitglied des Siemens-Vorstandes. "Aus Dingen, die vielleicht nicht ganz optimal gelaufen sind, werden wir lernen", fügte er an. Ein Siemens-Sprecher teilte dazu mit: "Als börsennotiertes Unternehmen macht Infineon seine eigene Kommunikationspolitik und seine eigenen Prognosen." Siemens hält 71 % an Infineon und will sich mittelfristig von der Tochter trennen.

Zudem will Infineon die derzeitige Kursschwäche an den High-Tech-Börsen für Zukäufe nutzen. Es sei nicht auszuschließen, dass bald Akquisitionen im Bereich Kommunikation getätigt werden, sagte Infineon-Chef Schumacher.

Die Preise seien derzeit günstiger denn je. "Aber wir sind wählerisch", fügte Schumacher an. Infineon werde fortlaufend den Markt beobachten.

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