Preise für Markenartikel werden gesenkt
Edeka bietet Discountern Paroli

Deutschlands größter Lebensmittelhändler steht mit einer Vorsteuerrendite von über 3,5 Prozent gut da.

HAMBURG. Der größte deutsche Lebensmittelhändler, die Edeka-Gruppe, Hamburg, zeigt der Industrie die gelbe Karte. "150 Markenartikel werden von Edeka national zu einem einheitlichen, besonders attraktiven Verkaufspreis" angeboten, betont Hermann Ruetz in Hamburg. Für den 62-jährigen Ruetz, der bereits am 30. April offiziell den Chefsessel in der Edeka-Zentrale geräumt hat, ist dies die Antwort auf die Strategie von Discountern wie Lidl oder Penny. Die Billigheimer hatten ihre Sortimente zuletzt mit zusätzlichen Markenartikeln angereichert.

Betroffen werden die Artikel sein, die gleichzeitig in den Regalen der Discounter stehen. Denn sie werden bei Edeka zum gleichen Preis verkauft. Zugleich schließt Ruetz die Aufnahme weiterer Markenartikel Preiskampf-Programm nicht aus, sofern sie bei den Discountern auftauchen.

Der seit dem 1. Mai amtierende Vorstandsvorsitzende Alfons Frenk, 52, will sich zu künftigen Edeka-Strategien und zur Vorausschau auf das laufende Jahr erst auf der Hauptversammlung der Edeka-Zentrale AG am 29. Juni in München äußern.

Weil Deutschlands Verbraucher seit Anfang letzten Jahres beim Einkauf deutlich stärker auf den Preis schauen, hat Edeka mit der Einführung einer eigenen Niedrigpreisschiene begonnen. Das 500 Artikel umfassende Sortiment steuert bereits 12 % zum Gesamtumsatz der Gruppe bei.

Auf das Vorpreschen von Aldi und Lidl mit abgepacktem Frischfleisch hat die Edeka mit Selbstbedienungstheken reagiert, an denen die Eigenmarke "Landschmecker" angeboten wird. Die 500 Produkte reichen nach Ansicht von Ruetz aus, um das vergleichbare Sortiment der Discounter abzudecken. Eine Ausweitung sei nicht geplant. Zwischen Discount und Markenartikel positioniert Edeka 13 Eigenmarken mit rund 1 000 Artikeln. Ihr Anteil liegt bei 6 % und wächst langsam, hat Ruetz beobachtet. Das bundesweite Kernsortiment von Edeka umfasst 3 500 Markenartikel, die 42 % der Gesamtumsätze ausmachen. Die restlichen 40 % entfallen auf regionale und lokale Marken.

In seiner Reform der Edeka-Struktur hat Ruetz einen nationalen "Einkaufs-Board" gebildet. In ihm verhandeln Vertreter der Edeka - Zentrale und der Großhandlungen mit 200 Lieferanten bereits über 60 % des Gruppenumsatzes national. Diese Zentralisierung der Warenbeschaffung hat "einen großen Ertragsbeitrag" geleistet, deutet Ruetz? Nachfolger Frenk an.

Zugleich wurde die Zahl der Edeka-Großhandlungen auf sieben halbiert. Die hieraus jährlich zu erwartende Kosteneinsparung wird 70 bis 90 Mill. Euro erreichen, ist sich Ruetz sicher.

Allerdings hat die Bielefelder AVA, an der Edeka jüngst die Beteiligung von 54,3 auf 72,5 % aufgestockt hat, im ersten Quartal 2003 im Vergleich zum Vorjahr einen Gewinneinbruch verbucht. Das Vorsteuerergebnis der Allgemeinen Handelsgesellschaft der Verbraucher (AVA) belief sich auf 5,2 Mill. Euro, im selben Vorjahreszeitraum hatte es noch 21,1 Mill. Euro betragen.

Die AVA begründete dies gestern unter anderem damit, dass in diesem Jahr anders als 2002 das Ostergeschäft in den April fiel. Zudem hätten Anlaufkosten für neue Märkte auf das Ergebnis gedrückt. Man wolle den Anteil an der AVA nicht weiter aufstocken, dementierte gestern Hermann Ruetz anders lautend Gerüchte.

Im Geschäftsjahr 2002 hat die Edeka-Gruppe einschließlich ihrer Beteiligungen an der AVA in Bielefeld und an dem Verrechnungskontor Gedelfi auf unverändert 5,5 Mill. qm Verkaufsfläche 32,5 Mrd. Euro umgesetzt. Den Rückgang gegenüber 2001 (Umsatz 33,2 Mrd. Euro) erklärt Ruetz mit dem Ausscheiden zweier Verrechnungspartner aus der Gedelfi sowie dem Preisrückgang für Lebensmittel und dem Wechsel der Verbraucher zu preiswerter Ware. Die von der Edeka-Gruppe umgeschlagene Warenmenge sei um 2,5 % gestiegen.

Mit dem abgeschlossenen Geschäftsjahr zeigt sich Edeka zufrieden. Die Gewinnmarge vor Steuern der Edeka-Zentrale und der Großhandlungen lag zusammengerechnet bei rund 1,5 %. Die 4 000 selbstständigen Einzelhändler erzielten eine Vorsteuergewinnemarge von durchschnittlich über 2 %, berichtet Edeka-Finanzchef Gerhard Peter. Über alle Stufen gerechnet kommt die Edeka-Gruppe damit auf eine Vorsteuerrendite von über 3,5 %. Das kann sich selbst im Vergleich mit Aldi sehen lassen: Aldi Nord erzielte zuletzt mit 1 400 Artikeln eine Rendite von 4,5 %, Aldi Süd mit nur 800 Artikeln 6 %.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres lagen die Umsätze der Edeka Gruppe um über 3 % über der Vorjahresvergleichsperiode. Auf Grund der Warenkooperation mit der Globus-Gruppe, St. Wendel, ist der Umsatz der Edeka Zentrale in den ersten vier Monaten um 13 % gestiegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%