Preise sollen nach Ende der Heizperiode stabil gehalten werden – USA wollen eigene Quellen stärker nutzen
Opec drosselt Ölförderung

Die Opec dreht am Ölhahn. Der Verbraucher braucht trotzdem keine neue Preiswelle fürchten. Die schwache Weltkonjunktur lässt die Nachfrage sinken.

DÜSSELDORF. Von April an wollen die Opec-Länder ihre Rohölproduktion um 4 % verringern. Die Ölminister der Organisation vereinbarten nach zwei Verhandlungstagen am Samstag in Wien für die Opec-10 eine Verringerung der Produktionsquote von 25,2 auf 24,2 Mill. Barrel pro Tag (ein Barrel entspricht 159 Liter). Das elfte Kartellmitglied Irak ist von Quotenfesseln befreit, weil es gleichzeitig Exportauflagen der Uno unterliegt. Der Erdölpreis soll angesichts saisonal schwacher Nachfrage im Frühjahr und einer weltweiten Abschwächung des Wirtschaftswachstums durch die Produktionsdrosselung stabilisiert werden, sagte der Opec-Präsident Chakib Khelil. Mit dem neuen Produktionssignal habe die Organisation eine Entscheidung getroffen, die die Weltkonjunktur keineswegs abwürge. Der saudische Ölminister Ali al-Naimi ergänzte, er rechne damit, dass auch kartellungebundene Anbieter wie Russland, Mexiko und Angola die Ölförderung drosseln. Die US-Regierung kündigte an, ihre inländische Ölproduktion zu erhöhen. Angesichts des derzeitigen Zustands der Weltwirtschaft sei die Opec-Entscheidung enttäuschend, stellte US-Energieminister Spencer Abraham fest.

Die Opec, auf die 40 % der Weltölförderung entfallen und deren Mitglieder zum internationalen Mineralölhandel 60 % beisteuern, hat bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ihre Produktionsquote verringert. Naimi zeigte sich in Wien optimistisch, dass die von der Opec angepeilte Preisstabilisierung im Bereich von 25 $ je Barrel gelingen wird. Zuletzt kostete das Opec-Öl, das etwas billiger ist als das Nordsee-Öl, zwischen 23 und 24 $; die im Kartelllager angepeilte Preisspanne reicht von 22 bis 28 $.

Heino Elfert, Herausgeber des Fachblatts Erdöl-Energie-Informationsdienst, sagte dem Handelsblatt, die Wiener Entscheidung sei erwartet und bereits berücksichtigt worden. Es bestünden Preisrisiken sowohl nach unten als auch nach oben. Die schwache Weltkonjunktur und ein weiter steigendes Aufkommen durch kartellungebundene Anbieter könnten die Ölpreisschwäche wieder verstärken. Gleichzeitig sorgt sich Elfert jedoch, dass im Frühjahr nicht ausreichend Benzinvorräte für die Sommersaison in den Raffinerien erzeugt würden. Prof. Dieter Schmitt von der Universität Essen erklärte auf Anfrage, das bisher noch prognostizierte Wachstum der Weltölnachfrage könnte sich am Ende als viel zu optimistisch erweisen. Er rechne daher eher mit Schwächetendenzen bei den Ölnotierungen.

Ölpreis dürfte weiter unter Druck bleiben

Auch Mehdi Varzi, Analyst der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein in London, erwartet ein weiteres Absinken der Ölpreise in den kommenden ein bis zwei Jahren, auch wenn die Rohölnotierungen kurzfristig anziehen könnten. Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft geht davon aus, dass der Ölpreis wenigstens bis zum Sommer unter Druck bleiben dürfte. Dafür sorge die konjunkturelle Abschwächung. Der Opec-Beschluss verhindere nur ein weiteres drastisches Absinken nach unten. Der Kieler schätzt, dass Öl in den kommenden Monaten zwischen 20 und 25 $ kostet.

Der saudische Minister Naimi kündigte an, die Opec werde ihre Förderung rasch anheben, falls der Preis 28 $ übersteigen sollte. Solange die Ölpreise bei der 25-$-Marke verharren sollten, sehen vom Handelsblatt befragte Ökonomen keine Veranlassung, neue Konjunkturszenarien zu schreiben. Die meisten Analysten haben ihren Prognosen für 2001 einen durchschnittlichen Ölpreis von 24 bis 26 $ zu Grunde gelegt.

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