Preise werden nach einem turbulenten Start anziehen
Ortsnetz-Call-by-Call startet mit Kampfpreisen

Ein Preiskampf auf dem Markt für Telefongespräche im Ortsnetz ist programmiert: Einen Cent kostet die Minute bei 01051 Telecom ab heute, wenn Kunden für ihre Lokalverbindung die entsprechende Vorwahlnummer wählen (Call-by-Call-Verfahren).

slo DÜSSELDORF. Dass das Unternehmen bei dem Tarif kein Geld verdient, gibt 01051-Chef Thomas Rühmer ganz offen zu: "Das ist ein Einstandspreis, um die 65 % der Deutschen, die noch nie Call-by-Call genutzt haben, dazu zu bewegen, das Verfahren jetzt mal auszuprobieren."

Der Konkurrent Tele2 hat nachgezogen und seinen niedrigsten Ortstarif auf 0,99 Cent festgesetzt. Die Entscheidung fiel gestern Nachmittag offenbar recht spontan, denn wenige Stunden zuvor war noch von knapp 1,6 Cent die Rede. "Wir wollen ganz vorn dabei sein in den Tarifvergleichstabellen", sagt Roman Schwarz, Deutschland-Chef von Tele2.

Die Unternehmen versuchen sich in Stellung zu bringen, schließlich geht es bei Orts- und Nahgesprächen um einen Milliardenmarkt: Analysten schätzen ihn auf 3,6 Mrd. Euro. Etwa 95 % dieser Summe fließe der Deutschen Telekom zu.

Call-by-Call-Anbieter wie Arcor, Tele2, 01051 und wohl auch 01058 Telecom wollen von heute an Call-by-Call im Ortsnetz bundesweit anbieten. Unternehmen wie 3U Telecom starten dagegen nur in einigen Regionen mit Minutengebühren ab 1,49 Cent. Verglichen mit der Öffnung des Telekommarktes 1998, als Call-by-Call für Ferngespräche möglich wurde, ist die Anzahl der Telekom-Konkurrenten im Ortsnetz jetzt eher klein.

Die Kampfpreise bei diesen neuen Angeboten werden nicht von Dauer sein, denn ab 1. Juli wird sich die Kalkulationsgrundlage der Anbieter ändern: Sie werden voraussichtlich mehr an die Telekom zahlen dafür, dass sie die Leitungen des Ex-Monopolisten nutzen. Bisher liegen diese Gebühren bei mindestens 1 Cent die Minute und werden nach Angaben aus informierten Kreisen bei Ortsverbindungen deutlich steigen. Ein solcher Aufschlag wird wohl nicht bei Ferngesprächen gewährt, wie es der Antrag der Telekom bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post vorsieht. Seine Entscheidung dazu wird der Regulierer am nächsten Mittwoch bekannt geben.

Experten begründen die voraussichtliche Erhöhung der Gebühren mit gesetzlichen Vorgaben. Diese sehen vor, dass Anbieter von Call-by-Call im Ortsnetz an den Kosten des Telefonanschlusses der Telekom "angemessen" zu beteiligen sind. Ob dies aber tatsächlich zu steigenden Gebühren für die Wettbewerber führen muss, bestreiten diese vehement. "Es kann nicht angemessen sein, dass wir an den Anschlusskosten der Telekom beteiligt werden, da der Telekom-Kunde mit seiner Grundgebühr bereits für die Anschlusskosten zahlt", sagt Rühmer.

Die Telekom argumentiert anders: Anschlussgebühren seien nicht kostendeckend. Es gebe ein so genanntes Anschlussdefizit. Hintergrund: In Monopolzeiten boten staatliche Telekomkonzerne aus sozialen Gründen Telefonanschlüsse eher günstig an und holten dieses Defizit über Gesprächsgebühren wieder herein. Die Regulierungsbehörde muss jetzt untersuchen, ob ein solches Anschlussdefizit auch heute noch besteht.

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