Preisentwicklung entscheidend
Welteke zurückhaltend zu Möglichkeit einer Zinssenkung

Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Ernst Welteke hat sich zurückhaltend zur Möglichkeit einer baldigen Zinssenkung geäußert. In einem Interview mit dem Radio der Deutschen Welle verwies Welteke am Donnerstag auf die letzten beiden geldpolitischen Lockerungen im Dezember und März.

Reuters FRANKFURT. "Und wenn man die verzögerte Wirkung von geldpolitischen Maßnahmen auf die reale Wirtschaft betrachtet, ist das eigentlich eine erst kurz zurückliegende Zinssenkung", sagte er. "Ob jetzt eine weitere notwendig und erforderlich ist", werde die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrem nächsten Ratstreffen Anfang Juni "sicherlich diskutieren", sagte Welteke. "Und das kann nur betrachtet werden im Lichte der zukünftigen Preisentwicklung."

Mehrere EZB-Vertreter hatten zuletzt signalisiert, dass die Währungshüter Anfang Juni eine weitere Lockerung beschließen könnten. An den Finanzmärkten wird weitgehend erwartet, dass die EZB dann den Schlüsselzins von derzeit 2,5 Prozent um 25 Basispunkte zurücknimmt.

Welteke verwies zugleich auf positive Effekte, aber auch auf Gefahren des stärkeren Euro für die Unternehmen der Euro-Zone. Einerseits führten die Kursgewinne der Gemeinschaftswährung zum Dollar zu sinkenden Einfuhrpreisen und insbesondere günstigeren Energieimporten. Andererseits drohten den exportorientierten Unternehmen hier zu Lande auch Nachteile im Wettbewerb auf den internationalen Märkten. "Ohne Zweifel: Wenn die Entwicklung so weiter gehen sollte, wie sie das in den letzten Wochen getan hat, dann könnte das Wettbewerbsprobleme für deutsche Exporteure nach sich ziehen."

Die Bundesbank erwartet Weltekes Worten zufolge in Deutschland weiterhin keine baldige konjunkturelle Erholung. "Wir sehen bisher keine Anzeichen für eine Verbesserung der ökonomischen Situation in Deutschland", sagte er im DW-Radio. "Wir haben es mit einer - man könnte fast sagen - kompletten Verunsicherung der Bevölkerung zu tun."

Grundsätzlich positiv bewertete Welteke das Reformpaket Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). "Sie geht in die richtige Richtung", sagte der Bundesbank-Chef. "Ob sie ausreichend sein wird, hängt davon ab, was davon tatsächlich umgesetzt werden kann - und die Umsetzung ist ja, wie man täglich lesen und hören kann, nicht ganz einfach."

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