Preiskämpfe mit Konkurrenten Dell
Hewlett Packard hält am PC eisern fest

Trotz heftiger Preiskämpfe mit dem Konkurrenten Dell wird der weltweit zweitgrößte Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) auch langfristig am PC-Geschäft festhalten. "HP wird auch in fünf Jahren einer der großen Anbieter im PC-Geschäft sein", kündigte HP-Chefin Carleton Fiorina im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

HB ORLANDO. "Der PC ist und bleibt ein sehr wichtiges Produkt in unserem Portfolio." Für den gesamten PC-Markt prognostiziert die HP-Chefin eine weitere "sehr rasche Konsolidierung".

Im Wettlauf um den PC-Massenmarkt setzt HP auf Größe und einen langen Atem: "Wir haben bereits heute einen größeren Marktanteil im PC-Geschäft als IBM, Fujitsu Siemens und Toshiba zusammen". Von Marktführer Dell "trennt HP wesentlich weniger als eine Monatsproduktion", sagte Fiorina weiter. Zudem heißt es im HP-Management, man könne zeitweilige Verluste der PC-Sparte mit Gewinnen im Service-Geschäft ausgleichen. Dell könne das nicht.

Die Texaner versuchen derzeit, durch radikale Preissenkungen ihren Vorsprung auszubauen. Doch langfristig sieht sich HP gut gerüstet und setzt darauf, im Wettbewerb gegen Dell besser positioniert zu sein: "Wir produzieren PCs bereits heute zu geringeren Kosten als Dell", sagt Jeff Clarke, der im HP-Vorstand für den weltweiten Einkauf sowie die Produktion verantwortlich ist.

HP setzt pro Jahr rund 5 Mrd. $ mit PCs, Notebooks und so genannten Handheld-Computern um. Im dritten Quartal des im Oktober zu Ende gehenden HP-Geschäftsjahres 2003 hatten erneute Verluste in dem unter dem Namen "Personal Systems Group" zusammengefassten Geschäftsfeld kurzfristig zu einem heftigen Kursverlust der HP-Aktie geführt. Für das Gesamtjahr werde "jedes einzelne Segment des Konzerns schwarze Zahlen schreiben", sagte Fiorina weiter. In den vergangen Monaten hatten vor allen Dingen Analysten wiederholt Zweifel an der Strategie der HP-Chefin geäußert.

Die HP-Chefin zielt jedoch auf Branchen wie Medien- und Konsumgüterindustrie, bei der das Firmenkundengeschäft eng mit dem Endanwendergeschäft verzahnt sei. Ende vergangener Woche hat HP eine Allianz für die kommenden zehn Jahre mit dem US-Unterhaltungskonzern Disney bekannt gegeben. Dabei liefert HP nicht nur die 70 000 PCs und 10 000 Server, die bei dem globalen Unterhaltungsriesen betrieben werden. Zunehmend engagiert sich HP auch in der Entwicklung von Technologie, die in den Disney-Themenparks zum Einsatz kommen.

So ist die neueste Attraktion im Vergnügungspark Walt Disney World Resort der Weltraumflugsimulator "Mission Space", der gemeinsam von Disney-Ingenieuren und HP unter Beratung von NASA-Spezialisten entwickelt wurde. Im August hatte HP rund 150 neue Produkte für Privatanwender auf den Markt gebracht. Sie sollen dem Konzern aus Palo Alto eine führende Stellung im wachsenden Markt der digitalen Fotografie und des Fotodrucks sichern.

"Das Rückgrat dieser neuen digitalen Konsumentenmärkte ist jedoch nach wie vor der PC", sagt Michael Winkler, als Chief Marketing Officer im HP-Vorstand für die Vermarktung der HP-Produkte zuständig. Deshalb sei es von HP von strategischer Bedeutung im PC-Markt eine führende Rolle zu spielen. Winkler, der in der Vergangenheit bei Compaq für die PC-Sparte verantwortlich gewesen ist, prognostiziert, "dass es im PC-Markt auf einen Zweikampf zwischen Dell und HP hinauslaufen wird".

Aus Kostengründen hat HP die Produktion von PC und Teile der Serverproduktion an Auftragsfertiger ausgelagert. Wie Clarke bestätigte, "gibt es Pläne, weitere HP-Produktionsstätten zu schließen". Was das für das deutsche Fertigungswerk für Serverrechner von HP in Herrenberg bei Stuttgart bedeutet, ließ er offen: "Jeder Standort muss im globalen Vergleich wettbewerbsfähig sein. Das gilt für Kalifornien genauso wie für Schanghai oder Deutschland."

"Manche Faktoren für die globale Wettbewerbsfähigkeit werden in Deutschland erfüllt, viele andere nicht", sagte Clark. "Garantien für den Fortbestand bestimmter Standorte gibt es nicht."

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