Preiskampf und Rentenzahlungen machen US-Autoherstellern zu schaffen
Ford rutscht zurück in Verlustzone

Der US-Autohersteller Ford Motor Co. hat seinen Verlust im dritten Quartal 2002 gegenüber dem Vorjahreszeitraum halbiert. Ein enttäuschendes Ergebnis, denn im zweiten Quartal dieses Jahres hatte der Konzern aus Dearborn/Michigan endlich wieder einen Gewinn ausgewiesen.

NEW YORK. Doch auch Gewinne bei der Finanztochter Ford Kredit und der Autovermietung Hertz konnten die Verluste im Autogeschäft diesmal nicht ausgleichen.

Wie beim Konkurrenten General Motors Corp. (GM) vergrößerte sich zudem auch bei Ford das Loch in der Rentenkasse. Im negativen Netto-Ergebnis ist auch eine Abschreibung von 500 Mill. $ für den Verlust bringenden Verkauf der britischen Mechaniker-Kette Kwik-Fit inbegriffen.

Insgesamt hat Ford im dritten Quartal einen Verlust von 326 Mill. $ gemacht. Trotzdem hat zweitgrößte US-Autobauer die Prognosen der Analysten deutlich übertroffen: Ohne Sonderposten weist er einen Gewinn von 220 Mill. $ aus - vier Mal so viel, wie Analysten erwartet hatten. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte hier noch ein Verlust von 502 Mill. $ gestanden. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 9 % auf 39,6 Mrd. $.

Für das vierte Quartal rechnet Ford mit einem leichten Gewinn, für das Gesamtjahr mit einem Gewinn je Aktie von 40 Cents. "Die Grundlage unseres Geschäfts hat sich verbessert, wie unsere Umsätze und Autoverkäufe, die Verbesserungen bei Marktanteilen und klare Fortschritte bei der Kosteneffizienz zeigen", sagte der Vorstandschef Bill Ford. Er sei vorsichtig optimistisch. Der Konzern, der im vergangenen Jahr 5,45 Mrd. $ verloren hat, steckt mitten im Umbau. Ziel ist es, bis 2005 einen Jahresgewinn von 7 Mrd. $ vor Steuern zu erreichen.

Einen Tag zuvor hatte die Nummer Eins der Autoindustrie, GM, seine Ergebnisse veröffentlicht. Der Konzern hat in diesem Quartal ebenfalls besser abgeschnitten als erwartet. Belastet wurde die Bilanz allerdings von Abschreibungen in Höhe von 2,2 Mrd. $ für die Beteiligung am krisengeschüttelten italienischen Autokonzern Fiat.

Für beide Konzerne stellt sich die Frage, wie lange sie ihre Umsätze noch halten können, die sie durch Sonderangebote künstlich gepuscht haben. GM hatte nach dem 11. September 2001 mit der so genannten Null-Finanzierung begonnen: Kunden können Autos auf Raten kaufen, ohne Zinsen zahlen zu müssen. GM kurbelte damit die Umsätze an, Ford zog nach. Auch Chrysler hat nach anfänglichem Zögern in diesem Sommer für einzelne Modelle ähnliche Angebote gemacht.

Das Ergebnis der Preispolitik: Die Umsätze steigen, aber die Gewinnmargen sinken. Um die Gewinne trotzdem zu steigern müssen die Konzerne die Umsätze puschen. Das geschieht wiederum mit Sonderangeboten, die die Margen weiter drücken. Der Preiskampf hat den Auto-Analysten der Investmentbank Merrill Lynch, John Casesa, veranlasst, seine Bewertungen für Ford und GM diese Woche nach unten zu korrigieren. Casesa wies darauf hin, dass die Autopreise in den USA in diesem Jahr um 1,5 % gesunken seien, während die Verbraucherpreise insgesamt um 1,5 % gestiegen sind. Außerdem lasse das Verbrauchervertrauen nach, und Kunden würden vielleicht schon bald trotz niedriger Preise keine Autos mehr kaufen.

Im letzten Jahrzehnt sind die Autopreise in den USA um 1 bis 2 Prozent pro Jahr zurückgegangen, sagt Paul Bellow, Verkaufsmanager bei GM. Auch vor der Null-Finanzierung hätten der hohe Wettbewerb, der starke Dollar und die damit verbundenen niedrigen Preise für importierte Autos die Preise gedrückt, sagt er. Die Autohersteller hätten hier kaum noch Spielraum und müssten nun alles über Kosten und Umsatz regeln.

Ein großes Problem für die US-Autohersteller sind die Löcher in den Rentenkassen. Die Betriebsrenten-Fonds sind wegen der schwachen Aktienmärkte extrem unterfinanziert. Die RatingAgentur Fitch schätzt, dass 22 Unternehmen aus dem Autosektor zum Jahresende 30 Mrd. $ in ihren Rentenkassen fehlen werden. Das ist doppelt so viel wie vor einem Jahr. GM werden nach Schätzungen von Fitch 17 Mrd. $ fehlen, bei Ford werde ein Loch von mindestens 5 Mrd. $ klaffen.

Ford sagte am Mittwoch, dass schon jetzt 6,5 Mrd. $ fehlen. GM rechnet damit, dass sich das Loch in seiner Rentenkasse im nächsten Jahr mit 1 Mrd. $ im Ergebnis niederschlagen wird. Unternehmen sind gesetzlich gezwungen, Gelder in die Kassen zuzuschießen, wenn sie unter einen bestimmten Wert fallen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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