Preisnachlässe und verkürzte Saison drohen den guten Start zu vermiesen – Experten setzen nur auf wenige Aktien
Risiken lasten auf dem Weihnachtsgeschäft

Obwohl in den USA der Start in die Weihnachtssaison ganz ordentlich ausfiel, bleiben die Analysten für Aktien im Einzelhandel zurückhaltend. Rabatte und sinkende Preise schmälern den Gewinn.

NEW YORK. In den ersten Tagen nach Thanksgiving, wenn in den USA traditionell die Weihnachtseinkäufe beginnen, waren die Läden und Einkaufszentren größtenteils gut gefüllt. Nach Schätzungen von Analysten übertraf das erste Verkaufswochenende die Zahlen des Vorjahres um fünf bis sieben Prozent. Doch die Experten bezweifeln, dass dieser Trend für die ganze Saison gilt.

"Thanksgiving lag in diesem Jahr sechs Tage später als 2001, deshalb hat sich die Nachfrage bei den Kunden länger angestaut", erklärt Alan Rifkin, Aktienstratege bei Lehman Brothers. "Wir glauben nicht daran, dass sich diese Zuwächse über das gesamte Weihnachtsgeschäft halten lassen."

Nach einem in weiten Teilen enttäuschenden Jahr hoffen Einzelhändler darauf, mit einem starken Festtagsgeschäft kurz vor Jahresende ihre Bilanzen zu retten. Viele Unternehmen locken ihre Kunden daher ungewöhnlich früh mit Preisnachlässen und ermäßigen bereits frisch ausgepackte Waren erheblich.

Analysten beobachten die Verzweiflungs-Strategie der Einzelhändler mit Sorge. "Die Sonderverkäufe sind in diesem Jahr von Anfang an sehr stark, deshalb können wir die guten Zahlen vom November nicht als sauberen Sieg betrachten", sagt Joseph Teklits von Wachovia Securities. Auch Alan Rifkins kommentiert: "Die Umsätze haben zwar die Erwartungen übertroffen, aber das lag in großen Teilen an den Rabatten. Und davon können die Margen negativ beeinflusst werden."

Die fallenden Preise machen sich auch an anderer Stelle bemerkbar: Durch die niedrige Inflationsrate kosten die Geschenke in diesem Jahr durchschnittlich rund 1,5 % weniger als 2001, schätzt Wachovia-Analyst Mark Vitner. Daher müssen die Einzelhändler sogar mehr Produkte verkaufen, um mit dem Umsatzvolumen des Vorjahres auch nur gleichzuziehen. "Die Geschäfte werden daher extrem überfüllt sein, aber die Umsätze sollten nur mäßig steigen."

Auf den Weihnachts-Kauflisten der Analysten stehen angesichts des schwierigen Umfelds Aktien, die sich bedeutende Marktanteile sichern können. Shari Eberts von JP Morgen rät Anlegern, in Titel des Kaufhausgiganten Wal-Mart zu investieren: "Die tragfähigen Vorteile in der Kostenstruktur und die weiter wachsenden Marktanteile machen Wal-Mart zu einem relativ sicheren Hafen." Ähnliches gilt etwa für den Elektronik-Fachmarkt Best Buy. Mit 26 $ liegt der Aktienpreis derzeit um mehr als die Hälfte unter dem Zwölfmonatshoch. Viele Experten empfehlen den Wert zum Kauf.

Daneben beurteilen Analysten zurzeit den Bekleidungssektor positiv. "Das Wetter hat in den vergangenen Wochen viel dazu beigetragen, dass Herbst- und Winterkleidung gut gelaufen sind", sagt Kimberly Greenberger von Lehman Brothers. Wegen des Schmuddelwetters hätten die Kunden warme Sachen gekauft, und wegen des ungewöhnlich kalten Wetters seien mehr Leute in die Einkaufszentren gekommen. Greenberger empfiehlt, Aktien des Modegeschäfts Abercrombie & Fitch sowie vom Trendladen Pacific Sunwear überzugewichten. Auch Brian Tunick von JP Morgan und Joseph Teklits setzen große Hoffnungen in die Pacific-Aktie: "Das Wiederaufleben der Surfbewegung hat die Firma in diesem Jahr beflügelt", sagt Teklits. Zudem seien die Rabatte und Sonderverkäufe bei Pacific minimal.

Grundsätzlich rechnen die Experten allerdings damit, dass sich der Erfolg in diesem Jahr erst relativ spät absehen lässt. "Durch die verkürzte Einkaufssaison werden die Einzelhändler und die Anleger wohl bis ganz zum Schluss nur tippen können, wie das Geschäft ausfällt", sagt Shari Eberts. Und Mark Vitner hat die Hoffnung für die Saison noch nicht aufgegeben: "Weihnachten ist schließlich nur einmal im Jahr, und für die meisten Leute ist es deshalb unbeschreiblich schwierig, sich bei den Einkäufen zurückzuhalten."

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