Preissenkungen nicht mehr zu erwarten
Liberalisierungssturm am Strommarkt hat sich gelegt

Der deutsche Strommarkt hat sich nach Jahren des Umbruchs und heftiger Preissenkungen durch die Marktöffnung 1998 wieder weitgehend stabilisiert.

Reuters BERLIN. Erstmals seit der Marktöffnung sei der Branchenumsatz 2001 gewachsen, die Zeit drastischer Preissenkungen sei vorbei und auch ein massiver weiterer Personalabbau sei nicht mehr zu erwarten, erklärte am Dienstag in Berlin der Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft, Günter Marquis. Nach einer starken Zunahme des Engagements internationaler Anbieter bei deutschen Stromfirmen und etlichen Zusammenschlüssen rechne er für die nähere Zukunft auch nicht mehr mit spektakulären Fusionen bei den großen Stromversorgern. Marquis kritisierte, vor allem "staatlich verursachte Sonderlasten" seien für die aktuell wieder leicht steigende Preisentwicklung verantwortlich.

Der Umsatz der deutschen Strombranche stieg nach den Worten von Marquis 2001 um 0,5 Prozent auf 53 Milliarden Euro. Um den gleichen Prozentsatz nahm der Netto-Stromverbrauch auf 502,4 Milliarden kWh zu. "So ungefähr" sollte die Entwicklung auch im laufenden Jahr aussehen, sagte der VDEW-Präsident. Die Zahl der Beschäftigten sei seit 1991 beständig gesunken. Allein seit der Öffnung des Marktes für den Wettbewerb sei sie um ein Viertel oder 45.000 gesunken und auf 126.500 in 2001 abgesackt. Raum für einen weiteren größeren Stellenabbau sehe er nun nicht mehr.

Zeit massiver Preissenkungen vorerst vorbei

Die Zeit massiver Preissenkungen am deutschen Strommarkt ist nach Marquis Worten vorerst vorbei. Im Zuge der Marktöffnung sei es teils zu "Übertreibungen" mit Preisen gekommen, die unterhalb der Kostendeckung lagen. Inzwischen habe sich das normalisiert, die Preise stiegen inzwischen wieder leicht. Der Preisanstieg ergebe sich dabei maßgeblich wegen staatlich verursachter Belastungen, etwa durch die Ökosteuer. Dennoch müsse der Durchschnittshaushalt auch 2002 immer noch rund zehn Prozent weniger für den Strom zahlen als 1999.

Die massive Umstrukturierung des Marktes ist nach den Worten von Marquis inzwischen vorläufig zu Ende gekommen. Seit 1998 habe es 30 bedeutende Fusionen gegeben. Weitere Zusammenschlüsse für 2002, die schon früher eingeleitet wurden, ständen 2002 noch an. Der gewichtigste Fall sei die Fusion der Stromfirmen HEW , Bewag , VEAG und der Braunkohlegesellschaft Laubag zur Vattenfall Europe. Jeder sechste Stromkunde werde inzwischen von einem Unternehmen versorgt, an dem ein ausländischer Konzern beteiligt sei. Dennoch habe sich die Branchenstruktur nicht so stark verändert wie teils befürchtet.

Europäische Harmonisierung gefordert

Als vordringliche Aufgabe der Politik betrachtet der VDEW die Harmonisierung des europäischen Strommarktes. Nur in fünf der EU-Staaten seien die Strommärkte voll liberalisiert. Vor allem von Seiten der EU-Kommission sieht der Verband zudem die Tendenz, immer wieder dirigistisch in den Markt einzugreifen.

Seine in "Leitlinien der Energiepolitik" gefassten Grundpositionen überarbeitet der Verband nach eigenen Angaben derzeit. Die Energiepolitik müsse sich weiterhin an den gleichrangigen Zielen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und soziale Ausgewogenheit orientieren. Eine Vorrangigkeit des Klimaschutzes dürfe es nicht geben. Auch ein Verdrängen der Kohle aus der Stromgewinnung, die in Deutschland einen wichtigen Rang habe, dürfe es nicht geben.

Zugleich müssten unter den Energiequellen "alle Optionen" offen gehalten werden im Sinne eines ausgewogenen Energiemixes, auch die Kernenergie. Zum vereinbarten Ausstieg aus der Kernenergie sagte Marquis: "Wir halten es für falsch, diese Option auf Dauer auszuschließen".

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