Preisstabilisierung nur kurzfristig
Kommentar: Große Illusion

Die erneute Produktionsdrosselung der Opec wird auf den Weltölmärkten zu keiner nachhaltigen Verknappung führen. Die Ergebnisse der Wiener Ölministerkonferenz des Kartells sind bereits weitgehend antizipiert worden. Es gelingt jetzt bestenfalls, den Verfall der Rohölnotierungen, der in der letzten Woche einsetzte, erst einmal zu stoppen und die Preise möglicherweise etwas über 25 Dollar je Barrel (159 Liter) zu hieven. Sicher ist schon heute, dass eine solche Preisstabilisierung nur kurzfristig gelingen kann.

Nach dem Ende der Heizperiode werden im Frühjahr die Anreize immer größer, auf eine Preisbaisse zu spekulieren. Mit ihrer zweiten Produktionsdrosselung im laufenden Jahr haben die Kartellmitglieder die Gefahr einer preisdrückenden Ölschwemme gemindert, aber keineswegs gebannt. Entscheidend wird nun sein, ob eine schwächelnde Weltkonjunktur das diesjährige Wachstum des Weltölverbrauchs noch stärker bremst, als bisher prognostiziert wurde. Die Internationale Energieagentur in Paris hat ihre ursprüngliche Prognose zum Zuwachs der Weltölnachfrage bereits um ein gutes Viertel reduziert. Und ob der Rest am Ende überhaupt realisiert wird, steht derzeit in den Sternen. Hinzu kommt, dass die kartellungebundenen Anbieter ihre Produktion erhöhen wollen.

Für die Opec ergibt sich damit folgendes Dilemma: Nur wenn die Kartellmitglieder in erheblichem Umfang weitere Marktanteilsopfer leisten, kann die Gefahr einer preisdrückenden Ölschwemme gebannt werden. Verharren jedoch die Rohölnotierungen im vom Kartell gewünschten Bereich um 25 Dollar, wächst der Anreiz für kartellungebundene Produzenten, ihre Fördermengen noch weiter zu steigern.

Die Explorationsprojekte werden dann schneller realisiert; die Investitionsbeträge werden, wie schon in den beiden letzten Jahren, wieder kräftig erhöht. Selbst die Grenzkosten in ungünstigen Non-Opec-Regionen übertreffen in der Regel die 15-Dollar-Marke kaum. Mit ihrer Angebotsdrosselung sorgen die Opec-Mitglieder geradezu dafür, dass kartellungebundene Anbieter im Kampf um Marktanteile immer erfolgreicher werden.

Eine Entlastung kommt erst in Sicht, wenn die Weltkonjunktur wieder an Fahrt gewinnt. Die Aussichten hierfür sehen jedoch dann besonders günstig aus, wenn die Erdölpreise wie im Durchschnitt der 90er-Jahre um die 18-Dollar-Marke schwanken. Dann müssen aber die wichtigsten Ölminister der Opec Abstand von ihrem Ziel nehmen, die Rohölnotierungen im Bereich von 22 bis 28 Dollar je Barrel (159 l) pendeln zu lassen.

Zu einer solchen Flexibilität kann sich das Kartelllager allerdings noch nicht zusammenraufen. Das Trauma der Talfahrt der Ölpreise auf 10 Dollar je Barrel Ende 1998/Anfang 1999 ist noch nicht überwunden. Damals konnten die Kartellmitglieder den Einbruch der Erlöse durch eine rechtzeitige Produktionsdrosselung nicht bremsen. Deshalb will die Opec diesmal besonders vorsichtig sein.

Wie schon mit ihrer Hochpreispolitik in den 70er- und frühen 80er-Jahren wird durch eine restriktive Produktionspolitik aber der Keim für wachsende Käufermarkttendenzen in den nächsten Jahren gelegt. Die Kapazitäten im Bereich kartellungebundener Anbieter, aber auch bei den Ölsubstituten wie Erdgas und Kohle werden kräftig erhöht, wenn die Rohölpreise, wie von der Opec anvisiert, in diesem Jahr noch auf 30 Dollar klettern sollten. In den nächsten Monaten wird bei Ölpreisen oberhalb der 20-Dollar-Marke die Produktionsdisziplin im Kartelllager aber immer lascher werden. Die 30-Dollar-Marke dauerhaft zu erreichen ist eine Illusion und weltkonjunkturell schädlich.

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