Preisverfall auf dem Markt für Speicherchips
Infineon rechnet auch im Gesamtjahr mit Verlusten

Der Halbleiterkonzern Infineon hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2000/2001 (30. September) erwartungsgemäß tiefrote Zahlen geschrieben. Gleichzeitig enttäuschte das Unternehmen mit einem Ausblick, der keine Verbesserung erwarten lässt.

ddp.vwd/rtr/ap MÜNCHEN. Wie die Siemens-Tochter am Montag in München mitteilte, haben sich die Voraussetzungen in der Halbleiterindustrie im abgelaufenen dritten Quartal weiter verschlechtert. Für das vierte Quartal und für das Gesamtjahr rechnet Infineon ebenfalls mit einem Verlust. "Entlassungen sind sicher nicht ausgeschlossen", sagte Schumacher. Zeitpunkt, Umfang und betroffene Werke nannte er nicht.

Die schwache Nachfrage nach Speicherprodukten, insbesondere im PC-Markt, habe zu wesentlich höheren Lagerbeständen geführt. Ein Abbau könne frühestens im Weihnachtsgeschäft erfolgen. Daher werde das Preisniveau für Speicherchips auch im nächsten Quartal weiter sehr niedrig sein. Auch im Mobiltelefonbereich habe sich die Situation weiter verschlechtert. Anzeichen für eine Erholung gebe es derzeit nicht.

Gute Geschäfte macht Infineon gegenwärtig nur mit Automobil-Elektronik. Ab nächstem Jahr sei allerdings "ein Rückgang, zumindest ein stärkerer Preisdruck zu erwarten", sagte der Infineon-Chef.

Für das nächste Geschäftsjahr 2001/02 (zum 30. September) geht der Technologiekonzern aber von der Rückkehr in die Gewinnzone aus. Laut Finanzvorstand Peter Fischl wird der Verlust im laufenden vierten Quartal 2000/01 nicht so hoch ausfallen wie in den vergangenen drei Monaten, da Infineon weniger Abschreibungsbedarf erwarte als zuletzt. Auf konkrete Zahlen wollte er sich nicht festlegen.

Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung von 1,5 Mrd. Euro reichten nach den Planungen von Infineon für die Investitionen der nächsten zwölf Monate, sagte Schumacher weiter. Die Investitionspläne für das laufende Jahr wurden um 500 Mill. Euro und für das kommende Jahr um mehr als eine Mrd. Euro nach unten korrigiert. Mit "aggressiven Kostensenkungen", den 1,5 Mrd. Euro Erlös aus der Ausgabe neuer Aktien und weiteren 500 bis 600 Mill. Euro aus dem bevorstehenden Verkauf der Opto-Osram habe Infineon genügend finanziellen Spielraum, sagte Finanzvorstand Peter Fischl. Rund 750 Mill. Euro sollen in die Dresdner Speicherfabrik investiert werden, die mit neuer 300-Millimeter-Technik um ein Drittel billiger produziert. Daneben sollen auch Gelegenheiten zur Übernahme anderer Unternehmen genutzt werden.

Beteiligung an Osram Opto wird verkauft

Zwischen Oktober und Dezember will Infineon laut Schumacher seine 49-Prozent-Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen Osram Opto an die Siemens-Tochter verkaufen. Daraus sei ein Erlös von 500 Mill. Euro bis 600 Mill. Euro zu erwarten, sagte der Infineon-Chef.

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres lag der Quartalsverlust insgesamt bei 371 Millionen Euro (726 Millionen Mark) nach einem Quartalsüberschuss von 266 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sank von 366 Millionen auf ein Minus von 598 Millionen Euro. Der Umsatz verringerte sich ebenfalls um rund 30 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro.

Auf Sicht von neun Monaten, also von Oktober vergangenen Jahres bis Ende Juni dieses Jahres, sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Der Nettoverlust für den Neunmonatszeitraum betrug 68 Millionen Euro gegenüber einem Nettogewinn von 545 Millionen Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Siemens hält nach Schumachers Worten derzeit nur noch knapp 51 % an Infineon. Das Ziel von Siemens, Infineon zu dekonsolidieren, sei damit ohne große Schritte zu erreichen, Druck auf die Infineon-Aktie sei also nicht zu erwarten.



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