Preisverfall belastet die Unternehmen
Ölaktien geht die Schmiere aus

An den Tankstellen wird es deutlich: Zum ersten Mal seit langer Zeit geht es beim Ölpreis kräftig nach unten. Für die Ölkonzerne ist die Zeit traumhafter Gewinn-Steigerungen vorbei. Aktien-Experten sind sich nicht einig, ob sich der kurzfristige Einbruch in einen langfristigen Trend verwandelt.

11.7.2001 LONDON/DÜSSELDORF. Das schwarze Gold glänzt nicht mehr. Weltweit strauchelt die Konjunktur, der Bedarf an Rohöl sinkt. Erst gestern hob Irak den Exportstopp auf, den das Land aus Protest gegen geplante Reformen der Uno-Sanktionen verhängt hatte. Dadurch gelangt nun irakisches Öl zusätzlich auf den Weltmarkt.

Wenn gleichzeitig die Nachfrage in den Industrieländern sinkt, fällt der Preis kräftig. Vor einem Jahr kostete das Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent noch rund 36 US-$, jetzt sind es gut 10 $ weniger. "Und außerdem", meint Commerzbank-Analyst Clay Smith, "werden immer mehr Ölvorkommen in nicht Opec-Staaten wie Kanada und Russland erschlossen". Diese Länder sind nicht gezwungen, sich an die Vorgaben des Ölkartells zu halten und können ihren Preis frei nach Kosten und Gewinn gestalten. Solide Gewinne können die Produzenten aber bereits bei einem Ölpreis von 16 bis 18 $ erwirtschaften.

Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) trägt, laut Wolfgang Wilke von der volkswirtschaftlichen Abteilung der Dresdner Bank, dazu bei, den Preisverfall zu beschleunigen. Auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche konnten sich die elf Kartell-Staaten nicht auf Förderkürzungen verständigen. Und damit sei auch in Zukunft nicht zu rechnen, meint Wilke.

Der Bedarf wird weiter steigen

Auf der anderen Seite sprechen einige Faktoren für einen steigenden Preis. So geht die Aufstockung der Vorräte in den USA aus Sicht des Londoner Zentrums für Globale Energiestudien, CGES, zu Lasten der Vorratsentwicklung in der übrigen Welt. Zudem werden im Herbst die Verarbeiter zur Vorbereitung auf den Winter wieder wesentlich mehr Öl als heute brauchen. Im Jahr 2002 könnten einige Opec-Mitglieder sogar an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, sagt William O'Neill von Merrill Lynch. Er erwartet, dass dann weltweit täglich 28,7 Mill. Fass gebraucht werden. Dies würde den Preis weiter treiben.

Wie der Markt in Zukunft aussieht, darüber gehen die Meinungen auseinander. UBS-Warburg Analyst Alan MacDonald rechnet damit, dass sich Öl mittelfristig sogar bis auf unter 20 $ verbilligt. Geoff Pyne von der Standard Bank in London hingegen erwartet im weiteren Verlauf des dritten Quartals 2001 einen Anstieg des Preises für Nordseeöl auf 27,50 $ je Fass (derzeit etwa 26,35 $).

Brechen demnach für die Ölgiganten schwere Zeiten an? Für die Aktien der großen Ölförder-Unternehmen wie Exxon Mobil, BP Amoco, Royal Dutch/Shell und Totalfina-Elf sieht es vergleichsweise hell aus am internationalen Börsenhimmel. Im Verlauf der letzten sechs Monate gewannen die Titel gegen den allgemeinen Börsentrend hinzu. So notiert die Exxon-Mobil-Aktie um rund 20 Euro höher als zu Beginn des Jahres. Ähnlich der Titel von BP Amoco. Er stieg von knapp sieben Euro im Januar auf zehn Euro.

Profiteure der Technologie-Schwäche

"Natürlich ist diese Tendenz auch als Fluchtbewegung aus den Technologie-Titeln zu sehen", sagt Deutsche-Bank Analystin Caroline Cook. Ölaktien gelten als "defensive" Titel mit sicherem Fundament. Benn Funnel und Irene Himona von Morgan Stanley Dean Witter halten deshalb den Zeitpunkt trotz des jüngsten Ölpreisverfalls für günstig, bei den Aktien der Produzenten einzusteigen. "Anleger scheinen bei der jetzigen Bewertung des Sektors von einem Ölpreis auszugehen, der deutlich unter der 20 Dollarmarke je Barrel liegt," sagt Himona. Aus ihrer Sicht wird dieser aber für mindestens zwei Jahre keinen markanten Rückschlag erleiden. Angesichts des ungebrochenen Gewinnpotenzials und des hohen Cashflows der großen Ölkonzerne seien deren Aktien daher gegenwärtig "eher billig". Himonas Favoriten sind BPAmoco, Totalfina-Elf und Eni.

Dagegen meinen andere Analysten, dass hohe Gewinne bei den Unternehmen zwar noch möglich sind. Aber die Steigerungsraten dürften abnehmen. "Vor allem im dritten Quartal dieses Jahres werden sich die Margen der meisten Firmen stärker nach unten entwickeln", sagt Aktienexpertin Caroline Cook. "Ölaktien sind für die nächsten sechs Monate zwar ein sicherer Parkplatz für das Geld", sagt auch Alan MacDonal von UBS Warburg. Man solle die Werte aber auf keinen Fall übergewichten.

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